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Freitag, 26. Januar 2018

Elfenbeine sind sexy, die Türme nicht

Und weiter gehts mit der Bevormundung im Umfeld der vermeintlich Guten.

So konnte man heute nur in der Printausgabe der FR lesen(FR 26.01.2018, F4 Frankfurt, Florian Leclerc: "Asta schafft 'Quartier Latin' ab), der Asta der Goethe Uni in Frankfurt veranstalte dieses Jahr nach 64 Jahren kein Quartier Latin, wegen Sicherheitsbedenken( in der Onlinefassung steht der Text entschärfter, von einer Anja Laud.Update) Schwerwiegenderer Grund war aber, so konnte man nur in der Printausgabe lesen: "Die Veranstaltung ist zum Massenbesäufnis verkommen" und "Die Kostüme, in die sich die Besucher kleideteten(sic!), um Einlass ins Gebäude zu erhalten, seien teils 'niveaulos und sexistisch' gewesen."
Stattdessen wolle man lieber, so der Asta Sprecher Bengican Gülegen,"[...]kulturelle und subkulturelle Veranstaltungen fördern.[...] beispielsweise feministische Hip-Hop Konzerte im Koz oder das Asta Sommerfest.

Tjo. Hmm. Das ist jetzt echt schwierig für mich. Fand ich doch das Quartier Latin schon zu meinen Zeiten an der Goethe Uni Kacke und unnötig. Ein Treffpunkt für spießigen Juristennachwuchs und BWL Blitz-Mädchen, die es an Fasching mal krachen lassen wollten.
Alkohol floss damals auch in Strömen, Sexismus wurde noch nicht nach der neuen Lesart verfolgt, also ein falscher Blick war noch kein schwerer Mißbrauch, sondern nur ein falscher Blick -schlimme Zeiten!1!!1!!
Damals schon ein Ort für schnelle Paarungsversuche und selbsterlebten und produzierten Kurzschluss zum täglichen, angepassten Alltagsstudium oder dem Studienalltag, schlicht ein kurzes, gelebtes Verharren auf dem Weg zur späteren Karriere.

Quasi ein Spiegelbild zum normalen Karneval in Deutschland - Saufen, Sex und schlechter Atem, Dreigestirn der närrischen Zeit.
War, wie gesagt, nie mein Ding. Ich habe stets anlasslos getrunken, mit größtem Anstand und voll Würde, eben nicht wie Betriebswirte und Juristen feiern, sondern wie ein Germanist lebt. :-D

Und und Aber, es wäre mir im Traum nicht eingefallen, deswegen, weil deren Gebaren nicht meins ist, diese Veranstaltung verbieten bzw. nicht stattfinden lassen zu wollen.
Vorallem wegen sexistischen Kostümen(wer befindet da worüber und wo ist es deklariert, was sexistisch ist, die Scharia Polizei oder doch das Feministische Plenum?) und Massenalkoholexzess? Wen störts?

Oder stört den neuen, linken universitären Betrieb eher das Massenphänomen daran?
Hat man sich auf dem Weg zur Elite-Uni auch wieder gegen den Massenteil in Massen-Uni zu verwahren? Sind uns die Massen an der Uni ungeheuer geworden, Bürde statt Hoffnung der Ideologie?

Passt die neue linke Prüderie nicht mehr zu der Realität vor Ort und schafft man deswegen dann lieber die Realität ab? Vom Kopf auf die Beine und zurück? Eine Art 360 Grad feedback der marxistischen Art?

Oder ist das genau die besagte Politik des Asta, wie man in der FR im Jahr 2017 lesen konnte: "Die neue Vorsitzende Schentke gab an, mit ihrer Stellvertreterin Sarah Fey „ganz deutlich für eine feministische Politik“ einstehen zu wollen.", bei der solche unfeministischen Veranstaltungen mal eben gekippt werden sollen?
Wenig überraschend stammt die Asta Frau aus der Grünen Hochschulgruppe und hat mit diesem Ansatz sicherlich Zukunftschancen in der Bundespartei.

Wenn wir schon bei den Grünen sind, fällt mir vor Ort auch immer öfter auf: es sind die Grünen die sich gegen Prostitution und gegen Spielhallen aussprechen, Orte die nicht in das moralisch-protestantische Weltbild passen und mit denen diese akademische Öko-Bourgeosie ungerne Kontakt hätte, wenn sie die eigene Brut aus dem Rudolf-Steiner-Gedächtniskindergarten abholen mit dem SUV.
Diese ganzen Privatschulen haben ja schon mal den Vorteil, dass man sich nicht mit den ganzen Ausländer- und Hungerleiderkindern gemein machen muss und so die eigene moralische refugee welcome und Mama Erde Ideologie erhalten bleiben kann. Malte-Jan, tanz mal deinen Namen!
Allein der verhuschte Gedanke an all die Unzucht und das Spiel scheint schon genug abzuschrecken, schiebt man gerne pastoral klingende Menschenbeschützungsformeln vor, auch und besonders oft gegen Interessenvertretungen der Betroffenen selbst und deren Kenntnis vom Milieu.

Das mit dem Biedermeier ist ja kein Witz, die Prüderie die sich eben auch durch oder mittels #meetoo breit macht, sicherlich ein deutlicher Rückschritt zu einer offenen Gesellschaft.
Mehr Sondergesetze und Ausnahmen fördern eben gerade keine (juristisch) gleichere Gesellschaft, sondern schaffen und beschützen Pfründe, sind Machtstellungen bei Verteilungskämpfen.

Aber zurück zu den Grünen, die sich inzwischen immer öfter ein Beispiel an den Errungenschaften des real-verreckten Sozialismus der kleinbürgerlichen Art der DDR zu nehmen scheinen.

So forderte ein Grünen Mensch in Bremen zu prüfen, "[...]ob Bands wegen populistischer Krawall-Texte verboten werden kann, in der Hansestadt aufzutreten.[...]".
Wargalla laut „Bild“: „Ich finde, dass Frei.Wild in ihren Songtexten Grenzen überschreitet. da stehts oder via burks
Das ist schön, denn Empfinden ist sicherlich die neue Münze mit der wir es den Bösen im Land heimzahlen, wer braucht da schon bestehende Gesetze oder solch absurde Dinge wie Meinungsfreiheit oder gar Kunstfreiheit, gelle.

Ich finde dieses Band auch kacke, zwingt mich aber keiner deren Dreck zu hören. Also noch nicht. Hat mich damals auch keiner gezwungen den Bots zu lauschen oder irgendwelchen dieser wirklich schlimmen Bands die auf den Demos aufgespielt haben, Betroffenheitslyriker mit miesem Gitarrenspiel, und dennoch sind die ein wichtiger Teil der Grünenhistorie. Vermutlich weiß das aber keiner mehr.
Doch zurück zu rechten Bands und Auftrittsverboten. Ich denke die Linie ist klar: Falls die Texte strafrechtlich relevant sind, dann sollte da der Staatsanwalt übernehmen, falls nicht, dann lasst die spielen.

Moralische und ideologische Bedenken als Richtlinie für öffentliches Handeln gesetzt, können sicherlich nicht der Maßstab sein, mit der eine Gesellschaft langfristig besteht.
Dafür sind allgemeingültige Gesetze notwendig, also lasst die Juristen wenigstens einmal im Jahr bei Quartier Latin die Sau rauslassen, sonst bleiben uns hinterher nur die autoritären Betroffenheitsapostel mit ihren Menstruationstassen und Quinoa-Müsliriegeln übrig, die den Rahmen für gesellschaftliches Handeln abstecken und unverstandenen Spaß und munteres Treiben moralinsauer sanktionieren.

Und diese Nasen will ich sicher nicht!

Ihnen Ihr Blödbabbler