Dienstag, 17. Oktober 2017

Brüste - eingesperrt!

Neulich schneite ich bei der Lieblingsbuchhändlerin auf ein Gespräch -und um ein bestelltes Buch (Philipp Möller: Gottlos glücklich) abzuholen, in den Laden.
Wie immer war es deutlich entspannter und anregender, als daheim auf den HermesDHL-Mann zu warten, der dann das erwartete Paket aus den Tiefen des Amazonas in die Drecktonne beim Nachbarn abliefert, weil er mich vorgeblich nicht angetroffen zu haben vorgibt.

Diesmal warf die Lieblingsbuchhändlerin die Forderung: "Es sollte in der Schule gelehrt und gelernt werden, wann ein BH richtig sitzt und passt!", ein.
Nun, ich hatte ja bereits des Öfteren davon gehört, dass sich Frauen aus Prinzip und Gedankenlosigkeit als Opfer der fiesen männlichen Unterdrückung im Besonderen und des patriarchalischen Herrschaftssystems im Allgemeinen gezwungen sahen, genau den BH zu kaufen, der ihnen gerade nicht passt. Arme, unterdrückte Geschöpfe die sie nun mal sind. Was lag also näher, als via Forderung dem Staat die Hoheitsaufgabe der Aufklärung über den richtigen Gebrauch des BHs nebst richtiger Auswahl und richtigem Kauf aufzuhalsen, indem man ein Schulfach damit anreichert.
Da stand ich nun mit der mir eigenen Art des Klugscheißens und ein wenig Erfahrung im BH Wesen.
Aber, so fragte ich mich, darf man sich als Mann, der nicht wegen exzessivem Bierkonsum voller Östrogen geflutete Adern und deswegen eine Notwendigkeit zum BH Tragen wegen ausgeprägter Pseudogynäkomastie besitzt, denn überhaupt dazu äußern, vielleicht sogar noch kritisch - oder ist das dann schon gelebter Sexismus?

Ich dachte kurz nach und sagte dann: "Also, wenn ich mir Unterbuchsen kaufen täte, bei denen ich mir die Klöten wundscheure oder schmerzhaft abquetsche, dann bin ich doch selbst daran schuld, oder?"

Da denke ich zu kurz, wurde mir mitgeteilt, wäre doch die Auswahl eines BHs wesentlich komplizierter, da sich sowohl das zu haltende als auch das Material der Halterung in beständigem Wechsel befände.

Ach so.

Nun, dann es natürlich tatsächlich schwierig, beinahe ein Problem quantenmechanischem Ausmaßes, aber so warf ich ein, da würde dann vermutlich auch eine Schulung oder wie man heute bei den Dummschwätzern sagt, ein coaching nichts nutzen.
Dann wüsste man zwar, wie man sich einen BH richtig aussucht ... Finger zwischen die Möpse, vorne anliegend, hinten anliegend, Bügel drunter und keine Quetschwurstbrust an den Seiten und im äußersten Häkchen einrasten..., aber wenn sich das Gefäß quasi minütlich, oder spätestens mit der nächsten Wäsche bereits verändern kann, wäre der echte Nutzen nur auf die Zeit der Anprobe beschränkt.
Immerhin, so denkt der gemeine Mann, aber vermutlich ist es noch nicht genug um die Frauen aus der Knute des Patriarchats zu befreien.

Nebenbei ändert sich auch -im Laufe des Lebens und auch so- die Brust der Frauen, ist diese also, wie es scheint, auch Tagesform abhängig(sic!).

Zwei sich in Permanenz verändernde Körper in eine formvollendete Deckungsgleiche zu bringen, erscheint mir dann tatsächlich ein schwieriges Unterfangen zu sein.

Wobei ich mal vermute, es würde bereits prozentual ausreichen, wenn Frauen sich keine BHs kauften, bei denen sie sich mit den Trägern in die Schultern schneiden, als wenn sie versuchten mit einem warmen Messer durch Butter zu gleiten.
Wenn sie ihre Brüste nicht so einsperren und pressen würden, dass sie ihr Kinn im Stehen auf den selbigen ablegen können.
Oder wenn sie sich nicht die Achseln rasieren und dann die Höhlen mit den seitlich rausquellenden Brustfettpolstern ausfüllten.
Auch wenn der harte und garstige Bügel eben nicht auf die Brust drückt und sie in eine Oberbrust und Unterbrust teilt, wobei die primitiven Männer finden ja sicherlich 4 Brüste -statt derer zwei- reizvoll, aber das sind ja auch sexistische Schweineigel.

Kurzum es hülfe, wenn ich mir Gedanken machte, ob sich etwas bequem trägt oder ob es eben wie die Pest zwickt und zwackt.

Die von der Lieblingsbuchhändlerin genannte Aussage," ...die Frauen lernen das ja schon falsch von Muttern... der Verkäuferin im Laden ... oder dem Verfassungsschutz", kann ich so nicht als Naturgesetz stehen lassen.
Der Mensch hat -auch wenn man das immer seltener merkt- die Fähigkeit Dinge zu hinterfragen, zu bewerten und zu verwerfen.
Wenn ich merke, dass mir überliefertes Wissen nichts nutzt(...der BH zwickt), dann arbeite ich an einer Lösung.

Dazu könnte ich etwas Geld in die Hand nehmen und einen Dessous-Laden aufsuchen und hoffen, dass es dort eine gelernte Fachverkäuferin gibt, die mich berät und die mir durch ihr Wissen hilft das passende Oberteil auszusuchen. Und, Nein, Aussehen ist da erstmal nicht das Hauptkriterium, sondern die Passform und Größe.

Ich könnte eines der unzähligen Videos gucken und hoffen, dass eines der Mädels die da was erzählt nicht nur vom Blasen, sondern auch vom Tuten Ahnung hat.

Ich könnte-wenn ich die Fähigkeit erlernt bzw. behalten habe- auch via Textverständnis einen der unzähligen "So finde ich den richtigen BH" Texte analysieren und das Gelernte in die Tat umsetzen.

Was ziemlich sicher nicht zielführend ist, ist heute mit 45-55 Jahren den gleichen BH zu kaufen, den man bekam, als die Möpse erstmalig aus dem Oberkörper herauskamen.
Es gibt viele Orte wo ein one-size-fits-all sicherlich funktioniert(bei Kondomen auch eher nicht), beim BH scheint es definitiv nicht so zu sein.

Deswegen jedoch nach einem Schulthema "BH-Kunde" zu rufen erscheint mir aber der falsche Weg, auch wenn meine Lieblingsbuchhändlerin das natürlich nicht wirklich so wollte, sondern nur auf ein wichtiges Thema hinwies, hoffe ich zumindest.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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wvs - 17. Okt, 21:53

Die These der Lieblingsbuchhändlerin so wörtlich als Aufforderung für ein Schulfach zu nehmen scheint mir vielleicht nicht so recht überzeugend. War es doch - wie immer bei solchen *Stoßseufzern*, bestimmt auch hier - mit ein wenig theatralischer Übertreibung gefordert.

Wie dem auch sei:
Ich fand die Erörterung äußerst amüsant, insbesondere die Lektüre der Kommentare auf der verlinkten Videoseite [alles zwischen "Großes Lob an das mutige Model!" und "geile Titten :)"] ist aufschlußreich ....

bloedbabbler - 18. Okt, 10:37

Hallo, mein lieber...

... Herr wvs, sie haben natürlich recht und die Lieblingsbuchhändlerin wird mir vermutlich mit Schwung in den Allerwertesten treten, so grob wie ich unser Gespräch skizziert und überzeichnet wiedergegeben habe.
ABER ... man muss ja manches anspitzen, anderes verschweigen und sich selbst im gleißenden Licht präsentieren um die letzten Leser bei (nicht an) der Stange zu halten mit einem aufregenden Bericht aus den Körbchen dieser Welt.

Ich finde es eher bezeichnend, dass Menschen sogar bei einem "Wie-trage-ich-einen-BH-richtig" Video noch Kommentare absenfen, anstatt sich am Gebotenen demütig zu erfreuen.
pathologe - 18. Okt, 10:12

Ich

möchte zurück in die Schule und bei den praktischen Unterrichtseinheiten aktiv präsent sein! Oder wäre das schon wieder sexistisch? Bestimmt nicht, gibt es doch noch nicht so viele Männer, die einen ihrer Oberweite entsprechend passenden BH tragen.

Oh.

Ich finde ja auch, dass die Nutzung des gesunden Menschenverstandes in den letzten Jahr(zehnt)en drastisch abgenommen hat. Wie bereits bei Twitter mit Herrn wvs kurz angerissen, werden Warnhinweise auf Produkten in naher Zukunft wohl in Emojiform aufgedruckt werden, da das Verstehen des Gelesenen viele Menschen bereits heutzutage an die Grenzen ihres doch sehr begrenzten Verstandes bringt. Ob man nun der fortschreitenden Verblödung extra mit schulinternen Praktika über die richtige Wahl des BH (gibt es da aus Gründen der Gendergerechtigkeit auch was für Männer eigentlich? Richtige Wahl der Jeans ohne "Bauarbeiterdekolleté", geschickt versteckte Neuordnung der primären Geschlechtsmerkmale?) entgegentreten soll, sei einmal dahingestellt.

Ich bin ja der überflüssigen Meinung, bevor Schantalle jetzt lernt, dass der BH, aus dem die Nippel oben über den Spitzenrand (bester Fall) oder unten unter dem Bügel (worst case) herausspringen, minder geeignet ist, ihre Intelligenz zu unterstreichen, sollte man den lange verstorbenen Herrn Knigge wieder in den Unterricht aufnehmen. Fremdworte wie "bitte", "danke" und "entschuldigung" sind meines Erachtens wichtiger im späteren Leben als ungebremste Ellbogenmentalität mit aus der Verpackung quellenden Brüsten/Hoden/Penissen.

Aber was weiß ich schon.

bloedbabbler - 18. Okt, 11:10

Sind wir nicht ...

... alle mal durch diese Schule des Lebens gegangen, mein lieber Herr pathologe?

Ich las vor kurzem in einem Artikel in der FR(17.10.2017), der mal wieder nicht online steht und der sich mit dem Thema: "Warum lassen unsere Viertklässler nach?" beschäftigt, dass Grundschüler immer schlechter zuhören, schreiben und rechnen können. Der Gründe gibt es wohl viele, wenn man Migration und Inklusion rauslässt, liegt es wohl an deutlich zu wenig Bewegung(Laufen, Klettern, Rutschen, Rückwärtslaufen etc.), Umgang mit Materialien, an fehlenden Bezugspersonen(bzw. Bezugspersonen die sich mit den Kindern beschäftigen) und mangelnder Korrektur von gemachten Fehlern(SMS/WhatsApp etc.). Kinder die mit multimedialem Stahlgewitter(Smartphone, Tablet...) aufwachsen, sind in der Fähigkeit zuzuhören deutlich eingeschränkt. Als positiver Nutzen fällt dafür aber an, dass sie naturwissenschaftlich und technisch leistungsfähiger sind. Eventuell ist dieser Wechsel an Prioritäten notwendig für den nächsten Schritt unserer Evolution im Getriebe der ökonomischen Verwertbarkeit. Und wenn da emojis helfen um überhaupt noch Verständnis zu erzielen, seis drum, oder? ;-)

Der Trend, in die Schule Dinge fürs Leben zu packen, steht ja immer mal wieder auf der Agenda von Politikern und anderen Senfnasen. Gerne würden sie den Kindern beibringen, wie sie Versicherungen abzuschließen hätten, wie man Buchungen erledigt und wie man sich am besten beim Chef katzbuckelnd meldet um möglichst verwertbares Wirtschaftsvieh zu werden. Da wäre eine Auflockerung mit BHs fast schon niedlich, finde ich. Und auch wichtiger. Das andere kommt noch früh genug. Wir verlieren gerade eine der großen Errungenschaften der bürgerlichen Revolution, die Kindheit und Jugendjahre. Die Kapitalisierung der Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen ist in vollem Gange, wirtschaftlicher Druck wird bereits auf die Grundschüler ausgeübt – gerne auch von den Eltern, die es ja für den Nachwuchs besser haben wollen. Neben der Schule einfach zu spielen, soziale Erfahrungen zu sammeln ist bei zunehmendem Zeitdruck immer seltener möglich, kürzlich klagte die Rektorin der Fuck-ju-Göte Uni in Frankfurt darüber, dass immer öfter Kinder an die Unis kämen, ziellos und mit dem Wunsch geführt zu werden. Also genau das, was man sich für einen wissenschaftlichen Betrieb gerade nicht vorstellt.
Sie sagte:“ Was uns mehr Sorgen macht ist, dass viele vom Habitus und der Bildung her jünger wirken als früher. Da fehlt nicht nur bei manchen ein Schuljahr, sondern auch der Zivil- oder Wehrdienst. Viele Kollegen sagen, dass es in den unteren Semestern ein gestiegenes Orientierungsbedürfnis gebe, weil Zeit für Bildung und Reife vor dem Einstieg ins Studium fehlen.“ (FR-Online 10.10.2017)

Der Wegfall von Umgangsformen ist ja auch ein Teil des Wandels der stattfindet, wenn ich mich nur noch als Einzelkämpfer erlebe, als asoziales Wesen, wie es immer öfter in den letzten Jahrzehnten gepredigt wurde, dann ist es nur konsequent das Gegenüber nur als Dienstleister, Opfer oder Feind wahrzunehmen- wozu dann noch Höflichkeitsfloskeln heucheln?
NBerlin - 18. Okt, 10:50

Ein wirklich schwieriges Thema sprechen sie da an. Es ist aber eigentlich ganz einfach, die Käuferin sollte sich vor jeden Kauf neu vermessen. Man misst die Unterbrustweite und hat die Zahl für den Umfang (75-100) und misst dann die Oberbrustweite und ermittelt die Differenz zur Unterbrustweite und hat damit das passende Körbchen (A-F). Wenn jede Frau mindestens einmal im Jahr ein Massband in die Hand nehmen würde, würden sie auch alle die richtige BH-Größe kaufen.

bloedbabbler - 18. Okt, 11:14

Danke, meine liebe...

... Frau NBerlin. :-)

So einfach kann das sein, ich dachte mir sowas bereits, wagte es aber nicht in Schriftform abzuliefern um nicht als Naseweis enttarnt zu werden. :-D

Wenn man dann noch die im Video angesprochenen Regeln befolgt(Finger zwischen die Brüste, anliegender Steg vorne und hinten und das erste Häkchen, dann sollte -bis nach dem ersten Waschen- zumindest kein Problem mit dem BH entstehen. Und ich lehne mich mal weit aus dem Fenster:"Auch danach sollte das Teil zumindest passen, wenn man selbigen nicht wie ein Irrer schleudert in der Waschmaschine"

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