Freitag, 20. Oktober 2017

Nicht Me2

Niemand mag "Me too" Schreiberlinge, wirklich niemand.

In Foren waren diese schon verhasst, als der gemeine Troll noch unter der Brücke hauste und Sprachbrocken einsammelte für sein späteres, fulminantes coming out.
Keines eigenen Beitrag fähig und sich anderer Leute Ergüsse zu Eigen machen, dabei noch knappen Platz wegnehmen und einen Thread sinnlos aufblähen, das waren die Me2 Nasen.
So war es nur konsequent, als man den Danke Button in Forensoftware einführte, der dann an vielen Stellen half den unkreativen Nachahmern ihre "Me too" Beiträge in der Tastatur feststecken zu lassen.
Die Welt war dadurch etwas besser geworden. *seufz*

Nun also wieder mal Me too und sogar noch als Haschzeichen oder besser, Doppelkreuz.
Und, so scheint es mir auch, es ist ein doppeltes Kreuz mit dieser Aktion.
Menschen die vorgeblich alle geschändet wurden, machen in bester Internet Eventmanier ihrer gequälten Seele Luft, kost' ja nix. Die große, virtuelle Gruppe der gleichgesinnten Opfer im Rücken ist man endlich stark und traut sich mal so richtig ein:" Me too", zu äußern, mit wuchtigem Tastenanschlag und voller Inbrust. So, es dem Missbraucher mal endlich gezeigt und dann auch noch im Internet. Bravo!

Bitte nicht falsch verstehen, obwohl ich doch ein veritabler Sexist bin, so sagte es mir zumindest einst Frau IausL(und ich dieses Verdikt von ihr -quasi als Kompliment- gerne annahm), bin ich sicherlich kein Freund von Gewalt und schon gar nicht von Gewalt gegen Frauen.
Und um die geht es.

Gewalt die ausgeübt wird, gerne im Rahmen von Herrschaftsstrukturen, gerne von Menschen die in der Nahrungskette mit dem Ellbogen recht weit hochgekommen sind.
Darunter sind bauartbedingt viele Sozio- und Psychopathen, in mancher business Hierarchie scheint es geradezu Teil der geforderten Kernkompetenz zu sein, ein veritables Arschloch zu sein.
Banken, Medien und Film stehen da wohl nicht zu Unrecht im Verdacht.
Man wünschte sich für diese Art von Herrenmensch einen flüsternden laut schreienden Sklaven, oder, vielleicht heute angebrachter: einen freien Bürger, der ihm beständig ins Ohr krakelt: „Respice post te, hominem te esse memento.“

Gewalt von Männern trifft in erster Linie andere Männer, dies ist so ähnlich wie mit den Islamisten und ihren Terroropfern - das sind auch meist Muslime.

Sexualisierte Gewalt von Männern trifft meist -und dramatisch überwiegend- Frauen, zumindest außerhalb von Gefängnismauern und Kirchen.

Um nun mein eigenes Me too in die Waagschale zu werfen, bekenne ich: Ich habe Gewalt durch andere männliche Kinder in meiner Kinder-und Jugendzeit erfahren und auch selber ausgeübt.
Zu meiner Jugendzeit war es teilweise noch üblich, falls man Scheiße gebaut hatte und ein Erwachsener einen dabei erwischte, dass man sich dafür Prügel einfing.
Unser späterer Bürgermeister und damaliger Schuldirektor hat mir noch in der dritten Klasse eine Backpfeife gegeben, weil er sich vermutlich von mir provoziert oder überfordert gefühlt hat. Schmerzhaft und vermutlich nicht mehr legal zu dieser Zeit. Ich glaube das wurde 1972 abgeschafft im Westen von Deutschland. Sicher bin ich aber nicht.
Ich wurde öfters blutig geschlagen von anderen, älteren Kindern und Jugendlichen, die -da in einem raueren Umfeld großgeworden als ich- nichts von den Queensberry-Regeln des kultivierten Boxkampfes hielten, sondern selbsterlerntes Streetfight-Kickboxen präferierten.
Und ich muss sagen, es hat mir nicht gefallen.
So sah das damals aus.
O.k. es hat mir keiner von denen einen schlechten, schmutzigen Altherrenwitz erzählt und es hat mir auch keiner an den Arsch gepackt -in die Eier getreten oder geschlagen, ja, aber eben nicht an den Arsch.
Gewalt halt, aber eben größtenteils nicht sexualisierter Form.
Da ich nichts mit der Kirche am Hut hatte und auch die Pfadfinder nicht meine Form der Freizeitbeschäftigung waren, blieb mir auch das ritualisierte Kinderschänden erspart.
Gott sei Dank! ;)

Und da mir Burschenschaften an der Uni ebenfalls ein Gräuel waren, musste ich auch keines der gewalttätigen, oftmals sexualisierten Initialisierungsriten dieser Nasen über mich ergehen lassen. Auch den anderen Verein bei dem Missbrauch gerne mal vorkommt, verweigerte ich zivildienstlich, sogar schriftlich, aber ohne Anhörung.
Kurzum, nach meinen Kindheits-und Jugendjahren hat sich der Teil mit der erlittenen Gewalt deutlich eingeschränkt.

Heute werde ich lediglich ungefragt auf die Wange geküsst, aber das sind dann meist ältere Frauen(*eg*) aus meinem näheren Umfeld, alle verheiratet und die denken sich da sicherlich nichts bei. Und ehrlich, mich stört es nicht.
Und ich habe ja auch nicht "Nein!" gesagt, es auch nicht als sexuelle Übergriffigkeit empfunden. Selbst den kürzlich erzählten Altherrenwitz, den mir meine Ärztin erzählte, überstand ich tadellos und dies, obwohl es um Viagra, Ficken und Badehosen ging.
Das ging, sogar ganz ohne safe space und Zensurwunsch.
Wobei ich Witze meist schlimm, oftmals auch als körperlich beeinträchtigend empfinde. Mein Witzzentrum liegt eben nicht vor dem Fips Asmussen Meerbusen(wobei dieser ein veritabler Witzeerzähler ist), sondern deutlich eher -in einer Hängematte ruhend- auf John Cleese Island.
Mein Faschistenonkel hat mich in der Kindheit mit seinen Witzen traumatisiert; er immer einen roten Bregen vom Lachen über seine eigenen schlechten Scheisswitze und ich immer grollendes Magengrimmen, weil ich weg von ihm und seinen Witzen wollte.
Solcher Art ist mein Verhältnis zu Witzen heute, gestört.

Aber ich schweife ein wenig ab. Und auch wieder nicht.
Das Bild eines ständig notgeilen Mannes, das hier in der letzten Zeit in der Presse und im Umfeld von #metoo gezeichnet wird, stammt recht auffallend mit der islamischen Einschätzung desselben überein.
Denn, so haben wir gelernt: wegen dieser unkontrollierbaren und sexgesteuerten Männer sollen müssen dürfen sich ja auch Frauen verhüllen. Geh' in Sack und Asche und ich greif‘ dir nicht an die Pussy, um es etwas salopp nach Trumpscher Art zu formulieren.
Vielleicht ist ja doch die Religion des Friedens die einzige Chance für ein gesegnetes Miteinander der Geschlechter?
Sehe ja viele Feministinnen so, solche, die was von kulturellen Eigenarten schreiben die es zu achten gelte, und die sich dann lieber ganz kämpferisch über den vierten Nebensatz -und ein fehlendes *Innen darin- im Gespräch mit ihrem deutschen Arbeitskollegen voller alttestamentarischem Furor ereifern können. Chauvinist, mal mindestens, der Arsch, klar!
Tjo, dumm gelaufen -falsche Kultur eben dieser weiße Priviligierte. m(

Wenn es dann um dumme Beiträge geht im Umfeld von #metoo, dann könnte man den von Jules El-Khatib paradigmatisch rannehmenhernehmen:
„Kommentare der Männer, die sich über sexuellen Missbrauch lustig machen, zeigen deutlich, wie lang der Weg ist zur Gleichberechtigung“.
Nein, diese Kommentare zeigen erstmal nur, dass es sowohl Idioten als auch potentielle Nachdenker darunter gibt, dass es eben dabei keine (weltweite) homogene Aussage von Individuen gibt, auch dann nicht, wenn man sie via Geschlechtsschublade in eine Gruppe stopft.
Mit mangelnder Gleichberechtigung hat das erstmal so viel zu tun, wie der Pali-Feudel, den der Herr Jules El-Khatib sich -vermutlich aus sprachlosem Antisemitismus- unter den Bregen gewickelt hat, mit einem modischen statement.
Obwohl ich fürchte mal, da gibts tatsächlich wohl eher einen Zusammenhang anzudichten, als bei den Kommentaren und der Gleichberechtigung.
Aber vermeintlich linker Antisemitismus ist ja gewöhnlich auch nur erlaubte Israelkritik und die Hamas eine boygroup, no offence, gelle. m(

Doch zurück zu den Frauen. Nein, es ist nicht in Ordnung Frauen ungefragt zu betatschen, sie erpresserisch zu nötigen, sie letal in ihrer Existenz, als auch wirtschaftlich zu bedrohen, kurzum ihnen (sexualisierte) Gewalt anzutun.
Muss man das wirklich sagen? Und gilt das wirklich nur für Frauen?
Oder ist es schlicht auch bei Männern nicht in Ordnung wenn jemand dies tut?

Hilft insgesamt da eine mutige Twitterkampagne? Ist die Unterdrückung der Frau, deren Form und Intensität sexualisierter Gewalterfahrung tatsächlich immer gleich in Indien, Afghanistan oder Deutschland?
Gilt Hollywood hier zu Recht als Paradigma für eine gleichmacherische, weltweite und gesellschaftslose Betrachtung des Problems von ‚Männergewalt‘?
Ich denke nicht.

Man sollte überlegen, ob man sich einen Gefallen tut, wenn man banale Dinge, wie einen dummen Spruch(und darunter zähle ich auch den 'Altherrenwitz' Brüderle‘scher Art) tatsächlich auf eine Stufe mit tatsächlicher, gar sexueller Gewalt stellen sollte.
Das ist wie bei der AfD. Wenn alle gleich "Nazi" schreien, oder auch nur "Faschist", statt sich anzugucken, was im Einzelfall stattfindet, dann verwischt man die Analyse, macht sie angreifbar für jegliche Formen der Kritik und scheitert im Unverständnis der Situation.

Mir rasseln die Ohren immer noch vom safespace Gewinsel und den ganzen amerikanischen Irrwegen.
Das Inszenieren als Opfer ist ja inzwischen ein lukratives Geschäft geworden, heute mag man lieber Opfer sein, als sein Recht wahrzunehmen oder durchzusetzen.
Statt dass sich Prominente in ihrer priviligierten Stellungen bei Missbrauch wehren, wartet man stattdessen Jahrzehnte damit.
Warum? Um einen passenden Moment zu erwischen für eine Sammelklage?

Was, wenn Charmed-Hexe Milano nicht ihren #metoo abgesondert hätte?
Wären dann alle anderen missbrauchten Frauen weiterhin stumm geblieben?
Brauchen die alle eine Vortänzerin? Sind die wirklich alle so wenig emanzipiert, wie ich es leider inzwischen vermute?
Jammern lieber rum, warten auf andere, die ihre Kämpfe ausfechten, statt einfach ihr Ding zu tun und Verantwortung für ihr Leben und -dadurch auch für ihre Nächsten zu übernehmen?
Jeder Missbraucher der nicht angezeigt wurde, kann sich im folgenden weiter in seiner Rolle gefallen, so werden Opfer zu Mittätern, wird Schweigen zu Vorsatz.

Ach so, und stumm sind sie natürlich trotzdem, auch wenn sie was in die Keyboards hacken, neben der Empörungswelle die kurz trägt wird sich dadurch wenig ändern.
Masse zählt und das Gefühl im Mief der Gruppe was erreichen zu können ist sicherlich ein angenehmes, aber ob es auch nahrhaftes Futter fürs eigene Rückgrat ist?

Ich verstehe es und kann es nachvollziehen, wenn Kinder stumm bleiben, nachdem sie von Erwachsenen missbraucht wurden - ich verstehe Stille nicht beim Missbrauch von erwachsenen Frauen.

Und ich meine mit Missbrauch nicht -wie bereits oben gesagt- einen geilen oder abschätzenden Blick oder einen Spruch.
Auch wenn gerade das ja als Riesenproblem thematisiert wird. Ich sehe das halt anders.
Solche Sprüche oder Blicke sehe und höre ich eben auch von Frauen die im Biergarten, der Kantine oder dem Kaufhaus auf knackige Männerärsche starren und mit der Kollegin, Freundin oder Geliebten schwätzen.
Dabei geben sich die Geschlechter vermutlich -weder in ihrer Derbheit noch der Geilheit- nicht viel.

Dies schreibe ich, als ein inzwischen resignierteres, doch frauenbewegtes und domestiziertes Exemplar der Gattung Mann.
Einstmals war ich immer bereit zuzuhören, wenn mal wieder eine gute Freundin ganz unglücklich darüber war, dass mangelnde intellektuelle Fähigkeit, fehlende Eloquenz und gestörte Empathie der muskelgestählten Fickmaschine, die sie sich als Freund ins Haus geholt hatte, vorherrschten und ihr das Leben weniger angenehm machten, als es sie der mächtige Schwanz abends im Bett vermuten ließen. Also Trennung.... und dann... Überraschung!1!!!!!!
Der nächste Freund sah dann genauso aus und benahm sich genauso.
Wenn man sich die ungezähmten Testosteroniker ins Haus holt, bekommt man oftmals eben genau das, was man bestellt hat.
Und ja, das ist eine persönliche Anekdote und nicht die eigentlich zu thematisierende über angenommene Herrschaftsstrukturen, die Missbrauch systembedingt erzwingen, weil es Männer sind. ;-)
Dies ist nur ein spöttischer Hinweis meinerseits, auf bigotte Wünsche einzelner Frauen die ich in meinem Leben kennenlernen durfte.
Der weiche, moderne Mann westlicher Prägung ist dort gerne gesehen -als Kumpeltyp, ins Bett holt man sich dann aber doch lieber den wilden, der einem auch mal mit der Knute zeigt, wo es langgeht.
Und ja, das ist natürlich o.k., man sollte es sich nur einfach selber klar machen und nicht dieses Bild vom Tier dann auf die ganze Gattung projizieren.

Auch hier übrigens ein schöner Anknüpfungspunkt: der gemeine muslimische Mann hält auch nichts vom kochenden, Wäsche waschenden, weichgespülten Westmann, denn dieser sei “ja kein richtiger Mann mehr“, da mögen sie dann wieder mehr die Faschos, die wenigstens ‚noch Männer‘ seien. Falsche Ideologie zwar, aber sonst…MÄNNER!
So ziemlich genau bekam ich das neulich von meiner Freundin Frau CausD erklärt, stammte die Einschätzung aus ihrem Kosovo-Albanischen Freundeskreis.

Mein Fazit, als wenig übergriffiger Mann und bekennender Sexist lautet deshalb:
Wenn etwas vorgefallen ist, was strafwürdig ist, dann zeigt man dies zeitnah an!
Wenn man damit jahrzehntelang wartet und dann auf ein #metoo zwitschert, ist das nicht das notwendige coming out von (Zivil-)Courage, sondern leider nur ein eventbasiertes Mitläufertum.
Schade, Chance vertan.

Ihnen Ihr Blödbabbler, Prügelknabe

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wvs - 21. Okt, 03:22

Werter Herr Prügelknabe bloedbabbler,

ich habe nur eine kurze Anmerkung hierzu:
Es wird eine (neue) Sau durchs Land getrieben um WOVON abzulenken ...?

Wie *Ice Bucket Challenge* und ähnliche Aktionen wird es in wenigen Tagen vorbei sein, das Interesse flaut schnell ab und das Endergebnis wird die Betroffenen nicht zufriedenstellen.

Möglicherweise sollte man damit anfangen (der Herr pathologe wies kürzlich darauf hin) erstmal auf "Bitte", "Danke" und "Entschuldigung" Wert zu legen - der Rest kommt dann von alleine. Rücksichtnahme & Höflichkeit sind aus der Mode gekommen, und mit ihnen offensichtlich genauso die Beherrschung von archaischen Trieben.

Ganz nebenbei hielte ich es für wichtiger die institutionellen Übergriffe durch Klerus und Manager anzugehen, anstatt jedes arme Würstchen, das einer attraktiven Frau nachpfeift, zum übergriffigen Sexmonster zu erklären ....

pathologe - 21. Okt, 12:09

Nicht

pfeifen, Herr wvs! Das ist bereits sexueller Missbrauch! Zumindest auf dieser Seite des ausschlagenden Pendels. Meiner chauvinistischen Meinung nach entspricht ein Pfeifen oder Hinterhergucken der Bewunderung für das Dargestellte. Das kann eine hübsche Frau wie auch ein interessantes Motorrad oder Auto sein, wobei letztere auf Pfeifen nicht reagieren. Im Mittleren Osten wurde das ja bereits teilweise abgestellt (die Porsche sind dort übrigens nicht verhüllt).

Irgendwann werden sich die Männer der vorherrschenden Meinung untergeordnet haben und die Frauen nicht mehr beachten, wenn es ums Aussehen geht. Dann erfolgt mit ziemlicher Sicherheit der Aufschrei (mit Doppelkreuz!), dass die Männer ÜBERHAUPT nicht mehr an Frauen interessiert seien und diese, egal ob welcher Anstrengung überhaupt, einfach ignorieren. Voilà, die nächste Sau ist auf dem Weg durchs Dorf.
bloedbabbler - 21. Okt, 13:20

Hallo Herr wvs,...

... ich bin mir nicht sicher ob es sich dabei tatsächlich um ein Ablenkungsmanöver handelt, die Initialzündung geht hier ja auch nicht von der politischen Klasse aus, auch wenn die sich natürlich im Windschatten jetzt dranhängt.
Der Eventcharakter und die fast hilflose Stärkebekundung dank Masse zeigen ja ein durchaus existentes Problem auf.
Das sollte man, bei der -meiner Meinung nach- berechtigten Kritik an der Form nicht aus dem Blick verlieren.

Obwohl sich die westlichen Gesellschaften historisch auf einem guten Weg befinden (befanden?) weg von Gewalt innerhalb ihres Gesellschaftssystems, sowohl bei Mord/Totschlag und Vergewaltigungen, ist natürlich noch einiges zu tun.
Gewalt ist und wird bereits in weiten Teilen der Gesellschaft eben nicht stillschweigend geduldet, es steigt die Bereitschaft erlittene Gewalt auch anzuzeigen.

Wenn man Steven Pinker folgen mag, so nimmt historisch die Gewalt deutlich ab, ebenso sanken die Raten für Vergewaltigungen in den USA/GB um 80% in den letzten 40 Jahren - und dies bei einem vermehrten Bewusstsein mit potentiell höheren Anzeigeniveau. Und ja, man geht da von bekannten Taten aus, der Graubereich ist vermutlich deutlich höher - war er aber sicherlich historisch betrachtet auch.
Das trotzdem noch viel zu tun ist, es immer noch deutlich zu viel Gewalt gegen Männer und Frauen gibt, sollte klar sein.
Ich bin da aber -entgegen meiner gewöhnlichen realistischen(*grins*) Sicht- durchaus guter Dinge, was eine weitere Verbesserung betrifft.
Frauen lassen sich weniger gefallen, Männer sind deutlich weniger offensiv, statistisch gesehen, da geht was.
Was allerdings nicht hilfreich ist, habe ich ja oben in meinem Text skizziert: Falsche Handlungen nicht zu sanktionieren, jahrzehntelang schweigen und dann mit einem Zwitscherbeitrag meinen man hätte was für Frauenrechte getan.
Das ist noch lauer, als Petitionen im Netz gegen Was-auch-immer zu zeichnen.

Was Höflichkeitsregeln angeht, so sehe ich diese nicht in einem direkten, kausalen Bezug zu Schändung, Vergewaltigung und Unterdrückung von Frauen. Denn, als diese Regeln noch mehr gesellschaftliche Gültigkeit besaßen, hatte man noch Sklaven und Frauen dafür noch nicht mal eine Seele. Somit scheint es mir -wenn überhaupt- eher gegenläufig zu korrelieren. :-p
Das ich auch einen höflicheren Umgang für sinnvoll und geboten halte, steht dabei allerdings auf einem anderen Blatt.

Kirche und Konsorten stehen ja sinnbildlich für Macht-und Herrschaftsstrukturen, in denen Missbrauch -aufgrund von Hierarchien- quasi konstituierender Teil der Herrschaftsausübung ist. Es geht dort eben gerade nicht um gleiche Rechte oder demokratisches Handeln, Gewalt ist elementares Element, Druck und Sanktionen das Mittel der Wahl. Das in einem solchen Klima sexuelle Grenzen überschritten und eigene Allmachtfantasien mit Gewalt etabliert werden, erscheint mir folgerichtig.

Je ungleicher das Miteinander desto wahrscheinlicher findet ein Übergriff statt.
Und wenn man sich dann überlegt, welche Sozio-und Psychopathen an welchen Stellen landen und handwerken dürfen oder sollen, dann ist es nur eine Frage der Zeit und des Ortes. Organisationen, die ein bizarres Verhältnis zur menschlichen Sexualität haben, wie die meisten Religionen und deren Vertreter sind da geradezu prädestiniert.
Innerhalb dieser Gebilde findet sich dann eben auch keine Normalverteilung menschlicher Wesen, sondern spezielle, selektierte Vertreter daraus. Ähnlich in den Führungsriegen der Wirtschaft oder in den Spitzen der Politik.

@Herr pathologe
Ich muss gestehen, ich habe bisher in meinem Leben keiner Frau oder einem Auto hinterhergepfiffen. Ich halte dieses Verhalten für etwas befremdliches, was mir so nicht zusteht, da es bereits offensiv -wenn es die betreffende Frau(weniger das Auto) mitbekommt- ist.
Ich erfreue mich eher stumm am Anblick und denke mir meinen Teil, damit verändere ich die Welt oder das Bewusstsein der betreffenden Person sicherlich nicht und füge keinen Schaden zu. Außerdem träte mir die Ms. kräftig in den Allerwertesten, so ignoriert sie mich nur. Sagte ja, ich bin domestiziert. :-D
Nachdem sich ja abzeichnet, dass bei den europäischen Männern die Anzahl der Spermien langsam ins Bodenlose fällt(statistisch, nicht im Taschentuch), könnte sich ja dann der alles-verhüllende-echte-Mann seinen neuen Platz hier sichern. Ganzkörperverpackung fürs weibliche Geschlecht und Friede herrscht endlich auf den Straßen unserer Republiken. Und das Gute daran, es gibt dann keine nervtötenden, feministischen Diskussionen mehr, sind ja dann alle glücklich, gelle. ;-)
wvs - 21. Okt, 14:46

" .. Was Höflichkeitsregeln angeht, so sehe ich diese nicht in einem direkten, kausalen Bezug zu Schändung, Vergewaltigung und Unterdrückung von Frauen .. "

Ich sehe da schon einen Zusammenhang - weil diese Grundregeln Achtsamkeit und Distanz (nicht physisch) schaffen und das Gegenüber Nähe signalisieren & zulassen muß. Sowas wie eine große Treppe, auf der man erst mal ganz weit auseinander ist und sich dann allmählich nähert .....

Ich habe zuletzt in einer Firmenkultur (!) gearbeitet in der (einer) der (allesamt verheirateten) *Aufreißer* bewundert (und später sogar befördert) wurde - allerdings durfte es keine Szenen vor den Kollegen geben und es mußte äußerste Diskretion versucht werden. Dennoch pfiffen die Spatzen von den Dächern, denn was läßt sich schon geheim halten wenn sich 600 Leute auf engem Raum für ein paar Tage treffen .... da war - diese Aussage habe ich von einer Kollegin hinter vorgehaltener Hand gesagt bekommen - wer nicht mitmachte verdächtig, nicht etwa umgekehrt! Sie setzte hinzu " .. die sind doch scharf drauf angebaggert zu werden, wenn nicht werden sie richtig zickig .. "

Schon deswegen habe ich so meine Zweifel was die plötzliche Explosion der Zahl der *Übergriffe* angeht. So wie es bei Nicht-Musliminnen chic ist ein Kopftuch zu tragen um aufzufallen ist es chic wenn man zur #metoo-crowd gehört .... schade nur, dass so die wirklichen Opfer in einen unerwünschten Sog oder Malstrom gerissen werden und ihre Seelennot nicht wirklich behoben wird.
bloedbabbler - 21. Okt, 16:35

Ich spreche...

... keinem der Teilnehmer bei diesem #meetoo Spektakel ab, Opfer von Übergriffen geworden zu sein. Wie könnte ich, war ja nicht dabei. Mir scheint das allerdings in erster Linie wieder mal von bestimmten Kreisen zu kommen, die sich immer und überall als Benachteiligte inszenieren, wenn sie nicht gerade Zuckerkügelchen für den Weltfrieden schlucken.
Kann aber auch sein, dass ich in den falschen Kreisen verkehre, sprichwörtlich, nicht mit meinem mächtigen Penis. :-D
Meine langjährigen Freundinnen stehen alle noch im Saft und die meisten haben sich ihre Karrieren erarbeitet und trotz meiner Zotigkeiten haben sie mich immer noch ganz dolle lieb, hoffe ich mal. Was aber keine von ihnen bisher machen musste, war darauf hinweisen, wie unterdrückt sie doch sei und wie viele Männer sie betatscht haben.
Meine Freundinnen sind starke Menschen und das ist die Ebene auf der ich mich mit ihnen unterhalte und benehme - als Menschen und nicht reduziert und mit verengter Sicht auf sie als Frau. Warum sollte ich auch.
Diese Sicht macht doch nur Sinn wenn mir nach Paarungsritualen ist und diese pflege ich nun mal (Monogamist, der ich bin) mit der Ms., gerne häufig und schmutzig. :-D

Und dennoch, ich sage es noch einmal: Nur weil man selbst nichts davon mitbekommt, muss ein Phänomen ja nicht nichtexistent sein. Studien zeigen ja deutlich, dass es sowohl eine 'gender-pay-gap' gibt, als auch, dass Missbrauch immer noch stattfindet. Daraus dann aber eine "Alle Männer müssen sich entschuldigen" Ideologie zu zimmern wird sicherlich nicht zielführend sein, mein Widerstand dagegen ist klar positioniert.
Und nein, es ist nicht vergleichbar mit der Forderung an muslimische Gruppen sich vom Terror zu distanzieren, denn Geschlecht(auch wenn uns das dies die Gendersenfnasen gerne so aufzwingen wollen) ist -im Gegensatz zu Religion- nicht wählbar, sondern biologische Konsequenz. Dabei einen Generalverdacht auszusprechen ist Geschlechterdiskriminierung, etwas das -wenn es Frauen betrifft- zu Recht kritisiert wird. Wir haben uns nur daran gewöhnt, dass Gleichstellungsbeauftragte bspw. Frauen sein müssen und das es o.k. ist wenn man massiven Frauenüberschuss bei der Arbeit hat(Kita, Grundschule bspw.), es keinen Sinn mache dort für eine -sonst gerne geforderte pari-pari Situation zu sorgen habe. Mir ist bis heute nicht klar, wie man durch manifeste Ungleichbehandlung für eine Geschlechtergleichheit(gerechtigkeit) sorgen will, wenn man das denn will.
Das diese Forderung nahezu viele biologische Grundlagen und Millionen Jahre der Evolution gerne mal unberücksichtigt lässt, weil es neue Infos von den gender studies gibt, ist da sicher auch nicht hilfreich.

So oder so... Männer sollten ihre Flossen bei sich behalten, wenn das nicht erwünscht ist, das ist meines Erachtens nach die einzige Aussage derer man sich ohne Vorbehalt anschließen kann und muss. Der Rest des Spektakels ist kritisch zu sehen.
Eventuell könnten die Mädels ja eine Runde "I will survive" hinter sich bringen, die Hymne der tapferen kleinen Frau,die der manchmal garstige Herr Droste einst so lebensnah beschrieb. *eg*

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