Dienstag, 7. November 2017

Offensichtliches & Schuldig!

Aufregung!

Reiche Menschen hinterziehen Steuern oder nutzen die von anderen reichen Menschen gemachten Gesetze, um ihren finanziellen Beitrag am Gemeinwesen möglichst gering ausfallen zu lassen.
Die anderen zahlen hier Steuern, zunehmend mehr, weil eben die Staatseinnahmen in Relation weniger hoch sind, als sie sein könnten.
Auch wegen dieser Defizite schließen dann die Kommunen Büchereien, Schwimmbäder und kommen mit der Schaffung von Kita-Plätzen nicht nach, während der gemeine Bürger feststellt: Ich habe immer weniger von meiner verdienten Kohle, dafür bröckelt um mich herum die Infrastruktur und zum Dank bin ich dann noch das weiße, privilegierte Arschloch das den Planeten im Alleingang retten soll.
Mancher mit wenig Blick für Zusammenhänge landet dann bei der AfD, klügere bei einer Kritik die deutlich radikaler ansetzt und eben -ja,ja- die Systemfrage stellt.
So oder so, stabilisierend auf das Staatsgefüge ist beides sicher nicht.

Wir erinnern uns an solch utopische und sinnschaffende Dinge wie eine Vermögenssteuer oder eine Erbschaftssteuer, solche, die den Namen verdienen.
Solche die durch ihre Existenz und die Vollstreckung ein wertvolles Instrument zur Schaffung einer gegenläufigen Tendenz zur wachsenden und dadurch destabilisierenden Ungleichheit im Land sein könnten.
Aber, das haben wir ja gelernt, dies ist offensichtlich nicht gewollt. Auch nicht von den Bürger, die mit ihrer vierjährigen Willensbekundung justamente die Parteien stärkt, die ein weiter-so im Programm haben.

Im Zusammenhang der Ungleichheit erinnern wir uns dabei an die Aussage von Thomas Piketty in" Das Kapital im 21.Jahrhundert" zu Erbschaften in heutiger Zeit und ihrer Bedeutung für steigende Ungleichheit.Auch ist die Vermögensungleichheit heute wie gestern hauptsächlich eine Ungleichheit innerhalb einer jeden Altersgruppe, und wir werden sehen, dass Erbschaften zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht weit davon entfernt sind, nahezu die gleiche Bedeutung zu erlangen wie zur Zeit von Père Goriot (Balzac).
Aber ehrlich gesagt, dies ist alles lange bekannt und es ist es nicht mehr wert darüber zu schreiben. Der Käse scheint gerollt und ein weiteres geleaktes Papier macht den Kohl nicht fetter. Wer Beweise bedurfte, der hätte sie schon lange haben können, wer daraus keine Schlüsse zog, politisch wie gesellschaftlich, der wird es auch jetzt nicht tun. Auch beim nächsten und übernächsten Mal nicht.
Wobei allerdings der Irrsinn noch nicht vollständig Besitz ergriffen zu haben scheint, trotz #metoo Mobs nebst Anklage und medialer Aburteilung ohne Richter, scheint mir das Thema "safe spaces, trigger warnings" und Konsorten zu sein.
Wenn ich mir zu jeder Aussage Gedanken machen muss, ob es eine Person geben könnte, die sich dadurch-warum auch immer- angegriffen fühlen könnte, dann erzeuge ich eine Schere im Kopf die zensiert oder zu Bigotterie führt.
Wenn ich das dann als herrschende Ideologie etabliere, dann erzeuge ich ein autoritäres System, in dem nur noch die Gedankenwelt dieser herrschenden Vorstellung existiert. Binär, es gibt keine Grautöne, keine Abstufungen mehr, alles ist dann Widerstand und muss sanktioniert werden.
Dagegen liest sich der Orwell‘sche Staat fast schon niedlich, totalitäre Gemeinsamkeiten sind beiden gegeben.

Es scheint, zumindest in den angelsächsischen Ländern, allen voran die USA, bereits ein Stadium erreicht zu haben, bei dem man merkt, wie sich dieses Gift bereits an sein unheilvolles Werk gemacht hat. Ursprünglich gute Ideen, den Rassisten und Sexisten kein Podium bieten zu wollen, eine Gegenkultur zu etablieren und Menschen vor Aggressionen zu sichern haben sich verselbstständigt. Dialektik is a bitch.

So sind viele der Ansätze inzwischen selbst Teil einer Unterdrückungsmaschinerie geworden. Feinste Verästelungen und ein immer weiteres aufspalten sorgen für eine Durchdringung der Gesellschaft mit vermeintlich korrektem Sprachdiktum.
Totalitäres Negieren anderer Standpunkte, denunzieren des vermeintlichen Gegners und ein beharren auf der eigenen wohldotierten Opferrolle überwiegen.

Arlie Russell Hochschild beschreibt im Beitrag "Weiß und stolz und abgehängt" in den Blättern für deutsche und internationale Politik 10/17, wie der Süden der USA quasi zu dem wurde, was er heute ist - Trumpland.
Sie beschreibt ausgehend von der Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Rolle der "weißen Nichtplantagenbesitzer, also der armen Weißen", den damals schon "white trash" genannten, abgehängten, wie sich nach der Niederlage 'Glücksrittern' und Ausbeuter aus dem Norden in Wirtschaft und Politik durchsetzen und sich der Ressourcen bemächtigten.
Das gros der Menschen im Süden hatte keine Sklaven, denn die waren selbst zu arm, dennoch war das Plantagensystem Teil des amerikanischen Traums und Teil der herrschenden Ideologie.

Die Analyse mit den Glücksrittern klingt ein wenig nach der Nachwendezeit, als der Westen seine verdienten Profiteure und abgehalfterten Politiker den Osten plündern ließ. Zufall, dass sich dort -wie im Süden der USA- rechte Ideologie und das Heilsuchen im Abkapseln manifestiert?

Um aber den Bogen zu schlagen, denn mit Arlie Russell Hochschilds Beitrag wollte ich nicht nur darauf hinweisen, selbigen gelesen zu haben, sondern auch etwas zur Problematik der oben geschilderten Opfergesellschaft und ihrer (finanziellen) Dotierung sowie dem Verständnis von aktuellen Gegentendenzen hinweisen.
So schreibt sie(in deutscher Übersetzung):Mit dem Übergang von den 1960er Jahren in die 1970er Jahre verlagerte sich der Fokus der Bewegungen(soziale Bewegungen/ Klassenkampf in den 1960er Jahren bei denen der "white trash" von diversen Gruppen überholt wurde bloedbabbler) vom Gesellschafts- und Rechtssystem auf die persönliche Identität. Nun genügte es schon, amerikanischer Ureinwohner, eine Frau oder ein Homosexueller zu sein, um öffentliches Mitgefühl zu wecken.(S.58)
Übrig und auf der Strecke blieb der gemeine, weiße Mann im Süden, inzwischen selbst davon bedroht, der letzte seiner Art und damit Teil der Opfergesellschaft zu werden.

Ich habe hier ihren Beitrag, der lesenswert ist, bis an die Grenze der Aufrichtigkeit verkürzt, aber die weiteren Erläuterungen bzw. Hin-und Nachweise für ihre Argumentation führen von meiner Intention etwas weit weg, man sehe es mir nach.

Was ich daran festmachen wollte, war -wir haben eine wachsende Opferkultur seit den 1960/70er Jahren, die sich um das Millennium herum und danach deutlich beschleunigt.
Political correctness, ein ursächlich gutes Konzept verselbstständigt sich und schlägt um in eine totalitäre Gesinnungsdiktatur, bei der der Diskurs, Vernunft und Argument auf dem Altar von Befindlichkeiten geopfert, ja genauer, hingerichtet werden.

Eine voraufklärerische Geisteshaltung(ich denke es kommt nicht von ungefähr, dass gleichzeitig Konzepte der Esoterik, des Spirituellen und des mittelalterlichen, alchemistischen Brauchtums deutliche Zuwachsraten in diesen Zeiten zu verzeichnen haben) etabliert sich. Und dies auf beiden Seiten der Medaille.
Wir haben jene, die im Namen von political correctness andere Mundtot machen wollen, die andere als ihre Befindlichkeiten und Sichtweisen nicht gelten lassen wollen und die Gegenseite, die sich im Lichte alternativer Fakten, vulgo ihrer eigenen erlogenen Sichtweise, sonnen und den Diskurs meiden.
Die Spaltung der Gesellschaft ist perfekt.

Wir sehen hier -bei uns- bisher davon nur die ersten Ausläufer, noch ist das nicht so tief, wie bspw. in den USA, die Tendenz geht aber in die Richtung und wird sich verstärken. Ich habe ja schon des Öftern darauf hingewiesen, dass auch bei uns ein Klassenkampf tobt, bei der der "weiße Proll", rauchend, saufend und politisch unkorrekt, moralisch und ideologisch von Seiten der Öko-Bourgeoise angegangen wird.
Dieser, wirtschaftlich unter Druck durch die Kapitalisten und durch um seinen Job konkurrierende 'Ausländer' findet sich so wieder in der Rolle des Bösewichts bei diesem Theaterstück des frühen 21. Jahrhunderts.
Der "white trash" des amerikanischen Südens dupliziert sich in Deutschland, Ideologie und Herrschaftsanteile innerhalb der Kapitalfraktionen mögen wechseln, der Arsch am Ende der Nahrungskette bleibt aber stets genau dort oder wird weiter degradiert.
Das birgt auf Dauer den Stoff, aus dem der Bonapartismus oder eben direkt der noch hässlichere Enkel, der Faschismus entsteht und sich etabliert.

Selbstredend ist gesellschaftlicher Fortschritt nicht denkbar ohne Verlierer, wird bei einem Wechsel der Ideologie immer ein Teil der alten Eliten abgehängt, werden Regionen und alte Technik degradiert und bleiben zurück.
Wenn man sich allerdings keine Gedanken darüber macht, dass sich Menschen eben nicht als Verlierer fühlen und erleben sollten, dass sie nur noch mit Gewalt ihrer Ohnmacht Ausdruck verleihen können, dann sollte man sich bitte nicht wundern, wenn es zukünftig keine Wahlen mehr im Land gibt, der Verlierer von gestern mit den neuen Herren durch die Straßen marschiert und mehr als den Mund tot macht.
Jetzt bin ich aber doch wieder abgeschweift, ging es mir eigentlich nur um zwei Aufreger in einem Video des amazing atheist, einem eher krawalligen Vlogger, der seine Rants gerne lautstark äußert.

Dort beschreibt er eine absurde Situation in Bezug auf Rassismus, eine die aus dem von mir oben skizzierten Zusammenhang von entgleister political correctness ensteht, nämlich dann, wenn man meint aus bewusster Ungleichbehandlung könne etwas Gutes entstehen. Ich hatte meine Meinung dazu ja schon mal in Bezug auf die unterschiedliche Behandlung von Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz erwähnt. So halte ich es für einen Fehler via gesetzlicher Diskriminierung dafür zu sorgen, dass, wo es einen Frauenüberschuss gibt(bspw. Grundschule, Erzieherinnen) alles beim Alten bleibt und wo nicht, man dafür sorgt, indem man Frauen bevorzugt. Bin kein Freund von Quoten.
Ungleichbehandlung erscheint mir dabei der falsche Weg, Partikularinteressen und Sonderrechte für diverse Kleingruppen(das sind jetzt nicht die Frauen, sondern eher religiöse oder wirtschaftliche) sind immer ein Schritt weg vom Rechtstaat und seinem Gleichheitsprinzip. Zumindest in meiner laienhaften Betrachtung.

Das zweite Ärgernis betrifft eine Aussage einer Labour Politikerin in Neuseeland, die gefordert hat, man möge das "philosophische" Konzept der "Unschuldsvermutung" im Falle von Vergewaltigung umkehren. So habe der Angezeigte als schuldig zu gelten, bis er nachweist, unschuldig zu sein. Ein Ansatz, den auch gerne Religioten anführen.
Man könne ja versuchen zu beweisen, dass es keinen Gott gebe...wahlweise unsichtbare, rosa Einhörner oder Fee und Elfen.
Ich bin leidenschaftslos ganz old-school: falls jemand etwas behauptet, dann ist es an ihm den Nachweis zu erbringen, der vor der Ratio Bestand hat. Es ist nicht an mir eine Falsifikation seiner Behauptung durchzuführen.
Was nun eine Umkehrung der Unschuldsvermutung betrifft, so halte ich das für einen hochgefährlichen Weg, aber ich vermute, wer es für Erwiesen hält, dass jeder der momentan am #meetoo Pranger steht, auch ein Schänder ist, der wird auch diesen Pfad der Willkür gerne beschreiten.

Und noch eine persönliche Einschätzung von mir –ähnliches Thema- zu einem besonders dummen Artikel bei Spiegel Online unter dem Titel "Darf man die noch schauen?" von einem Oliver Kaever.
Sein Hinweis auf Woody Allen erheiterte mich dermaßen, dass ich mich fast vor Lachen übergeben musste. So schreibt er:Wie wachsweich die Haltung von Zuschauern dazu bisher war, zeigt sich deutlich am Beispiel Woody Allen. [...] Als Mia Farrow, damals Woody Allens Lebensgefährtin und die Hauptdarstellerin seiner Filme, 1992 Nacktfotos entdeckte, die Allen von ihrer damals 21-jährigen Adoptivtochter Soon-Yi Previn gemacht hatte, hätte sich der Blick auf diesen schlauen und witzigen Mann eigentlich ändern müssen.
Warum, so fragte ich mich, hätte sich mein Blick auf Woody Allen ändern sollen, weil er Nacktfotos einer 21jährigen Frau, die nicht genetisch mit ihm verwandt ist, besitzt? Was stört den Schreiber dieser Zeilen? Mag er Aktbilder nicht? Ist ihm das zu pornographisch, obwohl das eher nach Spaß unter Erwachsenen klingt, als nach Kinderschändung. Hat er den Verdacht, Woody Allen hat die Bilder heimlich von seiner jetzigen Frau gemacht, oder stört ihn Nackheit per se? Ich weiß es nicht, fand aber das ‚Argument‘ sehr befremdlich.
Oder war es gar, weil er offensichtlich seine "Kinder sammelnde" Frau Mia Farrow betrog?
O.k. , dann ist der Herr Allen wohl ist ein Schwein... oder vielleicht wars auch nur Liebe?
Die sucht doch nicht nur der Herr Allen, wie sonst nur Herr Rossie das Glück, sondern wir alle. Vielleicht war die Ehe auch so am Ende, vielleicht sogar wegen Frau Farrow und ihrer Art?
Ich weiß es nicht, aber er eben auch nicht. Was ich hingegen weiß, ist, Nacktbilder einer 21jährigen scheinen mir kein veritabler Hinweis auf sexuellen Missbrauch. Wenn sie 12 Jahre gewesen wäre, dann wäre das klar. Dann ein lautes „Pfui, Herr Allen“, aber so? Die Hinweise von Farrow im geführten Rosenkrieg und deren Adpotivkindern sollte man zumindest mit kritischer Vorsicht behandeln und nicht sofort als Wahrheit gegeben.
So schreibt selbst der Herr Kaever:Es war ja auch so leicht, die Anschuldigungen gegen ihn zu verdrängen. Die waren nicht bewiesen, und seine Filme waren keine Werke eines Pädophilen, der dem Zuschauer offen oder versteckt seine sexuelle Neigung unterjubelte.
Und damit liegt er fast auf der Linie der neuseeländischen Politikerin oder den spinnerten "Richter- und Henkerinnen in einer Person" von Femen.
So bedauert auch dieser Journalist, dass man den Mann nicht aufgrund von unbewiesenen Anschuldigungen verurteilt hat.
Ganz so weit weg von einer umgedrehten Unschuldsvermutung sind wir also auch in Deutschland scheinbar nicht, zumindest bei der schreibenden Meute.

Ihnen Ihr Blödbabbler, sexistisches Schwein und weißer, alter Mann(logo, was sonst?!)

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wvs - 7. Nov, 21:33

Ich nehme mal nur eine Aussage heraus:
" .. Ich habe ja schon des Öftern darauf hingewiesen, dass auch bei uns ein Klassenkampf tobt, bei der der "weiße Proll", rauchend, saufend und politisch unkorrekt, moralisch und ideologisch von Seiten der Öko-Bourgeoise angegangen wird.
Dieser, wirtschaftlich unter Druck durch die Kapitalisten und durch um seinen Job konkurrierende 'Ausländer' findet sich so wieder in der Rolle des Bösewichts bei diesem Theaterstück des frühen 21. Jahrhunderts.
Der "white trash" des amerikanischen Südens dupliziert sich in Deutschland, Ideologie und Herrschaftsanteile innerhalb der Kapitalfraktionen mögen wechseln, der Arsch am Ende der Nahrungskette bleibt aber stets genau dort oder wird weiter degradiert. .. "


Zunächst finde ich es nicht diskriminierend wenn ein Rüpel [Sie sagen "weiße(-r) Proll"] folgerichtig beurteilend als Rüpel bezeichnet wird. Was daraus hergeleitet wird kann durchaus verschieden sein. Sofern a-soziales Gehabe und Übergriffe auf vermeintliche "Feinde" vorhanden sind ist es für mich sogar unabdingbar dem zu begegnen und den Versuch zu unternehmen sozialadäquates Handeln zu verlangen. Das ist unabhängig von der Überzeugung der Fordernden.

"white trash" hingegen ist davon zu unterscheiden, dies insbesondere wegen der zugrunde liegenden christlichen Ideologie: Diese Menschen sind nicht nur unbelehrbar, sie sind schlichtweg lebensunfähig wenn ihnen nicht zwei Mal pro Woche in der Gemeinde gesagt wird wie sie ihr Leben einrichten sollen.
Ein weiterer Unterschied ist die Identifizierung als Mitglied der Gruppe mit gleicher Hautfarbe. Da viele Schwarze gebildeter und eloquenter sind greift hier der generelle Argwohn gegen Wissen (und *Bildung*, hier im Sinne von Kenntnis bzw. Transferfähigkeit gebraucht) und alles Fremde (=andersartige).
Wobei betont werden muß, dass im tiefen Südosten bis zur Landesmitte, also südlich von Pennsylvania - Ohio - Indiana - Illinois - Missouri - Kansas überwiegende Teile der Bevölkerung nie den unmittelbaren Umreis ihres Wohnortes verlassen, es sei denn für den beliebten Militärdienst, und deswegen einen fatal engen Erfahrungshorizont haben.
Christliche Verblendung, gepaart mit 'homeschooling' (dessen Folge außerordentlich lückenhaftes und lediglich staatstragendes Wissen sind), und weitgehende Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung wegen unzureichender Qualifikation für irgendeine Tätigkeit außer 'burgerflipping' .... so etwa kann man den Ist-Zustand beschreiben. Der Selbsthaß bei erkannter Unzulänglichkeit wird so verstärkt und richtet sich gegen den auch von den Fernsehvorbildern (z.B. FOX news) gebashten Feind im Inneren: Schwarze & Andersgläubige.

[Weswegen man hier mE nicht direkt mit unseren Verhältnissen vergleichen darf.]

PS
Der Proll hierzulande ist eben nicht überwiegend weiß sondern bräunlich und häufig Moslem, besonders sichtbar in unseren Großstädten. Um es anzufügen & Mißverständnissen vorzubeugen:
Dies ist weder ein Schuldzuweisung noch Abwertung, denn den weißen und andersfarbigen Prolls gemeinsam ist die meist schwach ausgeprägte Ausdrucksfähigkeit & Bildung [hier natürlich wieder sehr pauschal benannt, es gibt darunter Gebildetere, deren Vita gebrochen ist und die deswegen unter den weiteren 'Geächteten' / Abgehängten schwimmen weil sie dort die Einäugigen unter Blinden und dadurch privilegiert sind].

bloedbabbler - 8. Nov, 17:00

Hallo wvs,...

... danke für ihre Einschätzung - ich vermute mal sie haben in ihrer USA Zeit genug Chancen gehabt den "white trash" kennen zu lernen - ich bin da nur der Einschätzung von Frau Hochschild gefolgt. Diese versucht eine Form von (psychologischer) Erklärung für das Verhalten des späteren "white trash" und seines Verhaltens abgeleitet aus der Zeit des alten Südens zu konstruieren. Ein Spannungsfeld zwischen sehr reichen "Oben(Plantagenbesitzer) und sehr armen Unten("schwarze Sklaven auf den Feldern) in dem man sich ideologisch via amerikanischem Traum am Oben orientiert aber permanent Gefahr läuft quasi am Unten anzukommen.
Durch deutliche Ausbreitung der Plantagenwirtschaft von wenigen wurden so die ehemaligen Klein- und Pachtbauern und sharecropper an den Rand in die unwirtschaftlichen Gebiete gedrängt, ihre ursprüngliche Nahrungsgrundlage wurde durch Rodungen und Übernahmen deutlich eingeschränkt; letztlich auf Maisbrot und Wildschweinfleisch.
Da das Plantagensystem auf Sklaven als Arbeitskräfte systemisch aufbaut und Heu, Getreide, Rindfleisch und Holz überwiegend aus dem Norden und Mittleren Westen bezogen wurde, war 'weiße Arbeitskraft' nicht gefragt, mussten die Menschen von dem leben, was sie selbst für sich produzieren konnten.
Wir haben also eine ähnliche Situation, wie in den europäischen Ländern, in denen Menschen auf dem Land immer seltener von ihrer Hände Arbeit leben konnten(industrielle Revolution), was dort wie vermutlich auch im Amerika zur sogenannten ‚Landflucht‘ führt und die weniger Mobilen und schlechter gestellten zurücklässt. Innerhalb des bisherigen Endes der Nahrungskette(wenn man die Unfreien außen vorlässt) separieren sich nochmal die Verlierer der Verlierer aus und bleiben zurück im Elend, wirtschaftlich und intellektuell. Religion findet dann am besten ihr Opfer. ;-)
In diesem Sinne war meine hinkende Analogie zum Osten und der Wiedervereinigung oben im Text gemeint. Ob da dann noch im Elend als mächtiger Wirkverstärkung Religion und mangelnde Bildung wie immer im Gleichschritt wirken schließe ich nicht aus, wie auch Frau Hochschild in diesem Zusammenhang anmerkt:Und es gab kaum staatlich gefördertes Gemeingut, da der Süden erheblich ärmer an öffentlichen Bibliotheken, Parks, Schulen und Hochschulen war als der Norden"(ebd. S.57).
Was nun den 'Rüpel' angeht, da sind wir ja beide in unserer Forderung nach ‚anständigem‘ Verhalten beisammen. Mir ging es eher darum, dass bestimmte Formen des Lebens, die eben inzwischen eher mit armen Menschen assoziiert werden, mit der moralischen Keule und der Ideologie der individuellen Gesundheit eingeprügelt werden.
Es sind eben eher die körperlichen Schwerarbeiter, die, die Drecksarbeit machen müssen, die sich ein Feierabendbier oder zwei oder drei gönnen, die deutlich -und überhaupt noch- rauchen, die politisch unkorrekt Frauen hinterherpfeifen oder ähnliches.
Es sind Menschen aus diesen Schichten, die dank fettreicherer Nahrung, weniger Bewegung eher zur Übergewichtigkeit neigen und die -wenig überraschend- meist auch deutlich jünger versterben, als der gemeine, vegane Akademikerspross der Lehramt studiert hat und heute was mit Medien macht. Der gesellschaftliche Furor trifft verschärft, als individuelle Fehlverhalten gemarkert, jene Schichten, die sich nicht jeden Tag Biogemüse undfair trade-Tofurotzlinge leisten wollen; die vorherrschende Ideologie verkauft "gesund & fit" als Diktum, wer davon abweicht ist verdächtig, wenn nicht gleich "selbst schuld!".
Es gibt einen Zusammenhang zwischen "Arm sein" und "ungesunder Ernährung", der eben über individuelle Defizite hinausgeht. Spannend, wenn auch eine andere Seite der gleichen Medaille sind die cohort studies in Großbritannien, über die Helen Pearson geschrieben hat. Es gibt da auch einen 15 minütigen TED Vortrag von ihr zum Thema" Kindererziehung" basierend auf den i>cohort studies der letzten 70 Jahre.
Ein wichtiger Punkt darin ist, wie sich dank "Armut", "Umgebung" und "Intaktheit der Familie" die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht das aus einem Kind armer Eltern auch ein armer Erwachsener wird, mit schlechterer Arbeit, deutlich kränker und mit hoher Wahrscheinlichkeit früher zu sterben; wie sich also Armut quasi selbst reproduziert. Da kommt man vermutlich auch ohne Studien drauf, aber mit Studien ist es wissenschaftlicher. ;-)
Es ist also eben gerade deswegen nur zu einem Teil ein individuelles Versagen, eine moralische Keule und damit ausgedrücktes Überlegenheitsgefühl der Anderen und Bessergestellten, deswegen klar ideologischer Teil und Widerhall ihrer Klassenlage.

Zum Thema "Proll", ich hatte nicht beabsichtigt damit den typischen "Assi" zu meinen, sondern kam vom ursprünglichen Proletarier, mein Fehler, der Deutungswandel der über die letzten 40 Jahre stattgefunden hat hätte mir bewusst sein müssen.

Ich gebe ihnen zum Teil recht, was die angeht, die ganz unten stehen, würde aber darauf verweisen, dass wir absolut sicher deutlich weniger bräunliche und muslimische Arbeiter in Deutschland haben, als normale, weiße Christen(momentan haben wir einen Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte von 22% an der Gesamtbevölkerung, ich würde aber auch davon ausgehen, dass deren Zahl eher überrepräsentiert(in Relation zur Gesamtzahl) sein dürfte bei den eher schlechter bezahlten Arbeiten).

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