Freitag, 26. Januar 2018

Elfenbeine sind sexy, die Türme nicht

Und weiter gehts mit der Bevormundung im Umfeld der vermeintlich Guten.

So konnte man heute nur in der Printausgabe der FR lesen(FR 26.01.2018, F4 Frankfurt, Florian Leclerc: "Asta schafft 'Quartier Latin' ab), der Asta der Goethe Uni in Frankfurt veranstalte dieses Jahr nach 64 Jahren kein Quartier Latin, wegen Sicherheitsbedenken( in der Onlinefassung steht der Text entschärfter, von einer Anja Laud.Update) Schwerwiegenderer Grund war aber, so konnte man nur in der Printausgabe lesen: "Die Veranstaltung ist zum Massenbesäufnis verkommen" und "Die Kostüme, in die sich die Besucher kleideteten(sic!), um Einlass ins Gebäude zu erhalten, seien teils 'niveaulos und sexistisch' gewesen."
Stattdessen wolle man lieber, so der Asta Sprecher Bengican Gülegen,"[...]kulturelle und subkulturelle Veranstaltungen fördern.[...] beispielsweise feministische Hip-Hop Konzerte im Koz oder das Asta Sommerfest.

Tjo. Hmm. Das ist jetzt echt schwierig für mich. Fand ich doch das Quartier Latin schon zu meinen Zeiten an der Goethe Uni Kacke und unnötig. Ein Treffpunkt für spießigen Juristennachwuchs und BWL Blitz-Mädchen, die es an Fasching mal krachen lassen wollten.
Alkohol floss damals auch in Strömen, Sexismus wurde noch nicht nach der neuen Lesart verfolgt, also ein falscher Blick war noch kein schwerer Mißbrauch, sondern nur ein falscher Blick -schlimme Zeiten!1!!1!!
Damals schon ein Ort für schnelle Paarungsversuche und selbsterlebten und produzierten Kurzschluss zum täglichen, angepassten Alltagsstudium oder dem Studienalltag, schlicht ein kurzes, gelebtes Verharren auf dem Weg zur späteren Karriere.

Quasi ein Spiegelbild zum normalen Karneval in Deutschland - Saufen, Sex und schlechter Atem, Dreigestirn der närrischen Zeit.
War, wie gesagt, nie mein Ding. Ich habe stets anlasslos getrunken, mit größtem Anstand und voll Würde, eben nicht wie Betriebswirte und Juristen feiern, sondern wie ein Germanist lebt. :-D

Und und Aber, es wäre mir im Traum nicht eingefallen, deswegen, weil deren Gebaren nicht meins ist, diese Veranstaltung verbieten bzw. nicht stattfinden lassen zu wollen.
Vorallem wegen sexistischen Kostümen(wer befindet da worüber und wo ist es deklariert, was sexistisch ist, die Scharia Polizei oder doch das Feministische Plenum?) und Massenalkoholexzess? Wen störts?

Oder stört den neuen, linken universitären Betrieb eher das Massenphänomen daran?
Hat man sich auf dem Weg zur Elite-Uni auch wieder gegen den Massenteil in Massen-Uni zu verwahren? Sind uns die Massen an der Uni ungeheuer geworden, Bürde statt Hoffnung der Ideologie?

Passt die neue linke Prüderie nicht mehr zu der Realität vor Ort und schafft man deswegen dann lieber die Realität ab? Vom Kopf auf die Beine und zurück? Eine Art 360 Grad feedback der marxistischen Art?

Oder ist das genau die besagte Politik des Asta, wie man in der FR im Jahr 2017 lesen konnte: "Die neue Vorsitzende Schentke gab an, mit ihrer Stellvertreterin Sarah Fey „ganz deutlich für eine feministische Politik“ einstehen zu wollen.", bei der solche unfeministischen Veranstaltungen mal eben gekippt werden sollen?
Wenig überraschend stammt die Asta Frau aus der Grünen Hochschulgruppe und hat mit diesem Ansatz sicherlich Zukunftschancen in der Bundespartei.

Wenn wir schon bei den Grünen sind, fällt mir vor Ort auch immer öfter auf: es sind die Grünen die sich gegen Prostitution und gegen Spielhallen aussprechen, Orte die nicht in das moralisch-protestantische Weltbild passen und mit denen diese akademische Öko-Bourgeosie ungerne Kontakt hätte, wenn sie die eigene Brut aus dem Rudolf-Steiner-Gedächtniskindergarten abholen mit dem SUV.
Diese ganzen Privatschulen haben ja schon mal den Vorteil, dass man sich nicht mit den ganzen Ausländer- und Hungerleiderkindern gemein machen muss und so die eigene moralische refugee welcome und Mama Erde Ideologie erhalten bleiben kann. Malte-Jan, tanz mal deinen Namen!
Allein der verhuschte Gedanke an all die Unzucht und das Spiel scheint schon genug abzuschrecken, schiebt man gerne pastoral klingende Menschenbeschützungsformeln vor, auch und besonders oft gegen Interessenvertretungen der Betroffenen selbst und deren Kenntnis vom Milieu.

Das mit dem Biedermeier ist ja kein Witz, die Prüderie die sich eben auch durch oder mittels #meetoo breit macht, sicherlich ein deutlicher Rückschritt zu einer offenen Gesellschaft.
Mehr Sondergesetze und Ausnahmen fördern eben gerade keine (juristisch) gleichere Gesellschaft, sondern schaffen und beschützen Pfründe, sind Machtstellungen bei Verteilungskämpfen.

Aber zurück zu den Grünen, die sich inzwischen immer öfter ein Beispiel an den Errungenschaften des real-verreckten Sozialismus der kleinbürgerlichen Art der DDR zu nehmen scheinen.

So forderte ein Grünen Mensch in Bremen zu prüfen, "[...]ob Bands wegen populistischer Krawall-Texte verboten werden kann, in der Hansestadt aufzutreten.[...]".
Wargalla laut „Bild“: „Ich finde, dass Frei.Wild in ihren Songtexten Grenzen überschreitet. da stehts oder via burks
Das ist schön, denn Empfinden ist sicherlich die neue Münze mit der wir es den Bösen im Land heimzahlen, wer braucht da schon bestehende Gesetze oder solch absurde Dinge wie Meinungsfreiheit oder gar Kunstfreiheit, gelle.

Ich finde dieses Band auch kacke, zwingt mich aber keiner deren Dreck zu hören. Also noch nicht. Hat mich damals auch keiner gezwungen den Bots zu lauschen oder irgendwelchen dieser wirklich schlimmen Bands die auf den Demos aufgespielt haben, Betroffenheitslyriker mit miesem Gitarrenspiel, und dennoch sind die ein wichtiger Teil der Grünenhistorie. Vermutlich weiß das aber keiner mehr.
Doch zurück zu rechten Bands und Auftrittsverboten. Ich denke die Linie ist klar: Falls die Texte strafrechtlich relevant sind, dann sollte da der Staatsanwalt übernehmen, falls nicht, dann lasst die spielen.

Moralische und ideologische Bedenken als Richtlinie für öffentliches Handeln gesetzt, können sicherlich nicht der Maßstab sein, mit der eine Gesellschaft langfristig besteht.
Dafür sind allgemeingültige Gesetze notwendig, also lasst die Juristen wenigstens einmal im Jahr bei Quartier Latin die Sau rauslassen, sonst bleiben uns hinterher nur die autoritären Betroffenheitsapostel mit ihren Menstruationstassen und Quinoa-Müsliriegeln übrig, die den Rahmen für gesellschaftliches Handeln abstecken und unverstandenen Spaß und munteres Treiben moralinsauer sanktionieren.

Und diese Nasen will ich sicher nicht!

Ihnen Ihr Blödbabbler

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FausD - 28. Jan, 21:28

Generation Schneeflocke

Schön, dass der Herr Blödbabbler noch nicht nach Venezuela ausgewandert ist, dem sozialistischen Menschenrechteparadies. Dafür kann er sich nun ein Bild machen, was für eine Brut man sich da herausgezüchtet hat, mit den vielen Fördertöpfen für "Kulturschaffende" usw. Generation Schneeflocke fährt die Krallen aus. Mich wundert nur, dass man sich jetzt wundert. Zu lange schon werden doppelte Standards akzeptiert - wenn sie nur von "Linken" gesetzt werden. Jetzt könnte man die Frage "ist das noch links?" genauso langweilig finden wie Bela B von den Ärzten die Frage, ob das noch Punkrock ist, was er da macht. Festzustellen ist, dass "Linke" früher persuasiv waren, sie hatten ein gesellschaftliches Anliegen, wie bescheuert auch immer es gewesen sein mag - es wurde falsifiziert und fertig (dann kam meistens noch ein einträgliches Zubrot als Lobbyist: https://youtu.be/zdXY4HkHj7g ).

Heute sind sie auf ihre eigene Befindlichkeit fixiert und verlangen "Safe Spaces", in denen sie nicht mit der Realität konfrontiert werden dürfen, nehmen auf dem moralischen Hochsitz Platz und glauben, dass ihnen das Recht zusteht, die Mehrheit zu tyrannisieren.

Mit dem Sarrotti-Mohr fing es an. Dann kam, glaube ich, die narzisstische Kränkung aller Linken von '89. (Den #aufschrei - Feminismus lasse ich jetzt mal weg, früher konnte man sich noch an Svende Merians "Tod des Märchenprinzen" delektieren, ein zwerchfellerschütterndes Standardwerk unserer Jugend: "Ich werde nie feucht. Wir nehmen Spucke, damit er überhaupt reingeht"). Der Kampf für die Burka kann da einfach nicht mithalten !

Heute erklärt die Gender-Ikone der Linken, Judith Butler, öffentlich: „Ja, ich glaube, es ist extrem wichtig, Hamas und Hisbollah als soziale, progressive Bewegungen zu verstehen, die zur Linken gehören, die Teil der globalen Linken sind."

Ich habe inzwischen den Verdacht, dass nicht das Geschlecht eine soziale Konstruktion ist, sondern Judith Butler. Es tut mir leid, da halte ich mich lieber an den Bismarck:

Die erste Generation verdient das Geld,
die zweite verwaltet das Vermögen,
die dritte studiert Kunstgeschichte
und die vierte verkommt vollends.

Das ist der Gang der Welt. Das Gedicht kommt weg, Brüderle aufs Schafott und Svende bekommt eine Tube Gleitcreme.

bloedbabbler - 29. Jan, 11:51

:-D

Ich weiß zwar nicht, was sie für ein Bild über mich seit dem Abitur anno tobak entwickelt haben, es scheint aber zumindest deutlich mehr von Schwarz-weiß geprägt zu sein, als mein tatsächliches Dasein.
Da ich mit der Kunst gewöhnlich wenig bis nichts anfangen kann, habe ich mich schon immer gegen Theaterförderung etc. ausgesprochen, findet doch dort meist eine sinnfreie Umverteilung von Steuergeldern von Unten zu denen nach Oben statt(die gewöhnlich den subventionierten Angeboten nachkommen können und wollen.)
Mein Kunstverständnis liegt eher bei "Dicken, nackten Frauen auf dunkler Leinwand" oder so. Fettstühle sind in meinen Augen eine pathologische Problematik mit der man zum Arzt gehen sollte und keine besonders attraktive Kunst, aber von mir aus können sich andere Menschen trotzdem gerne daran delektieren.

Die Kritik an linker Politik bzw. dem linken Anliegen teile ich. Statt Kritik an kapitalistischen Verwertungsstrukturen, bzw. dem System selbst, steht der individuelle Betroffenheitsaspekt im Vordergrund, werden immer weiter sich aufspreizende Opferzweige gezüchtet mit denen man es sich heimelig im Muff des Banalen einrichtet.
Zur lilalatzhosigen Menstruationsliteratur der garstigen Art hatte ich bereits, als der inzwischen verstorbene Hellmuth Karasek es 2010 neu auflegen ließ, was geschrieben.

Tjo, die Liebe der Linken zu religiös-faschistischen Bewegungen ist immer wieder ein Grund sich zu schämen, aber auch da geben sie sich nicht viel zu den besorgten Bürgern die ihr intellektuelles Heil in Russland suchen oder jenen Eliten die sich dank ihrer (finanziellen) Stellung so tief im Arsch der USA eingerichtet haben, dass sie andere Möglichkeiten gar nicht mehr denken mögen, egal wie verkommen und ungerecht das Wirtschaftssystem an dem sie profitieren auch daherkommt.
Will sagen: Idioten und Profiteure gibts auf allen Seiten, ernsthaft an der Macht sind die vermeintlich Linken jedoch hier eher nicht.

Herrschaft in herrschaftsfreien Diskursräumen zu erobern und dort dann die Totalität als Freiheit zu verkaufen ist zwar doof, aber weit entfernt vom täglichen Ärgernis der meisten Menschen in der Realität. Dort, in der Realität im und fürs Land herrschen eher ihre ideologischen Freunde und machen sich die Mühe das Land jeden Tag scheissiger und ungerechter werden zu lassen. Die echte Kritik an die Linke muss deswegen lauten: Nicht weggucken und machen lassen, während man sich auf Nebenflüssen von vermeintlicher Notwendigkeit verirrt, sondern back to the roots. Kritik der herrschenden Zustände mit dem Ziel diese zu überwinden. Dann klappts auch mit den Wähler.

Das ist der Gang der Welt. Das Gedicht kommt weg, Brüderle aufs Schafott und Svende bekommt eine Tube Gleitcreme.

:-D Well said!
FausD - 3. Feb, 21:56

Hohooo...da sind sie wieder, die linken Lebenslügen. Aber jedem sei seine subjektive Beurteilung gegönnt. Objektiv kann man aber feststellen, dass niemand nach Venezuela oder Nordkorea auswandert, während sich Millionen auf den gefährlichen Weg begeben, um nach Deutschland zu gelangen, ein Land, "das jeden Tag scheissiger und ungerechter" wird, also direkt ins Herz der Finsternis, in die Kommandozentrale des Kapitalismus, bevölkert von Chauvinisten, Rassisten, Nazis und anderen Orks.
Trotzdem scheint sich dieses Weltbild tatsächlich nur noch in Safe Spaces (oder durch Alkohol-Konsum) über den Tag retten zu lassen, aber der intellektuelle Tribut ist hoch: Diese Verstrahlten leben in permanenter "kognitiver Dissonanz", ständig müssen dissonante Informationen, die die Umwelt sendet, kräftezehrend eliminiert werden (damit das Weltbild bloß keinen Schaden nimmt) und wir dürfen heute Teil haben an den geistigen Verrenkungen, unter denen sich das vollzieht (was aber - zugegeben - wesentlich amüsanter ist, als rechten Lebenslügen beiwohnen zu müssen).

Im Übrigen bin ich wahrlich kein Freund des Schwarz-Weißen. In der Nacht zum 6.11.17 habe ich vielmehr ein Bild vom Blödbabbler und dem Herrn UausB gemacht. Arbeitstitel:" Die schwarze Null und die rote Null". Man muss doch differenzieren :-)

wvs - 4. Feb, 00:03

Nur eine kurze Anmerkung zur *Völkerwanderung*:

Diesen Effekt gibt es bei den U.S.A. genauso - weil das Bild einer heilen Welt mit Möglichkeiten für Alle kommunziert wird. Es ist wie ein Schleppnetz. Einmal gefangen ist kein Entrinnen mehr .... wer will sich schon gern als blauäugig ertappen lassen?

So bringt man - selbst wenn man ein marodes Schul- und Universitätssystem hat - Spitzenforscher ins Land. Da die aber nicht auf den Kopf gefallen sind machen sie sich schnell wieder aus dem Staub, nur die bleiben, die andernorts nicht annähernd diese Chancen.

Die Außendarstellung bei uns funktioniert ähnlich. Wenn die Leute aber erst mal hier sind schlägt die Stunde der Wahrheit - und die wird von den Rechten im Lande diktiert. Damit meine ich nicht die AfD, sondern CDU / CSU, letztere mehr als die anderen.

*edit*
Bei uns läuft das mit der Anwerbung anders - und das spricht sich herum, eine Anekdote:

Beispielsweise wurde ein Mikrobiologieprofessor von der ETH Zürich mit dem Versprechen nach Hannover abgeworben hier nicht nur einen Lehrstuhl sondern auch eine üppige Ausstattung an Laboren und Personal zu bekommen. Als er hier war bekam er eine Sekretärin und zwei wiss. Hilfskräfte und das Versprechen alles weitere komme im nächsten Jahr. Das 'Establishment' der Uni hatte die vorhandenen Pfründe unter sich verteilt und wollte nichts hergeben.

Nach drei Jahren hat er einen Ruf nach U.S.A. angenommen.

*2. edit*
"..Zu lange schon werden doppelte Standards akzeptiert - wenn sie nur von "Linken" gesetzt werden.." Hier werden den Linken Dinge unterstellt. All der "genderwissenschaftliche" Quatsch, wobei "wissenschaftlich" viel zu hoch gegriffen ist) ist doch beileibe keine linke Erfindung. Das ist die Erfindung & Spielwiese der Grünen* .... und das sind die Lehrstühle für die Quoten- und Alibifrauen, denen jegliches Verständnis dafür abgeht was "Wissenschaft" bedeutet. Auf einer Skala von 0 bis 100 [von "unwissenschaftlichem Geblabbere" bis "Noch nie gedachte oder veröffentliche Befunde die das Wissen vorantreiben"] liegen manche dieser Gender-Frauen am Anfang der Einteilung.
[Pauschalurteil, ich weiß, einige wenige davon sicher ausgenommen]

* In dieser Partei, in der abgebrochene Theologie-Student*innen an die Spitze gewählt werden weil sie demagogische Tricksereien beherrschen, gab es nur wenige tatsächlich ernst zu nehmende Persönlichkeiten. Allesamt mittlerweile inaktiv oder verstorben.
bloedbabbler - 5. Feb, 15:22

Hallo Her FausD

Kurz zu dem "scheissiger".

Falls ihnen nicht aufgefallen sein sollte, dass es in Deutschland in den letzten Jahr(zehnten) eine Entwicklung gibt, die den Abbau von Bürgerrechten befeuert -mit dem Hang zur deutlichen staatlichen Überwachung-, falls ihnen ebenfalls deutliche Verwerfungen beim Stichwort "Entgelt" und ungerechte Verteilung nicht aufgefallen sind, empfehle ich dies einfach mal bei den unverdächtigen Institutionen wie dem DIW, der OECD und ähnlichen nachzulesen.
Die Ungleichheit hat ein Maß erreicht, in dem selbst wirtschaftsnahe Medien den Hemmschuh der für die Wirtschaft(um Menschen geht es in deren Betrachtungen eher selten)daraus resultiert, formulieren.
Das -was Frau Merkel in ihrer unnachahmlichen Art- marktkonforme Demokratie- nennt, ist sicherlich vieles, demokratisch sicher nicht, denn -was auch immer das sein soll: "Der Markt", regelt sich eben gerade nicht demokratisch, sondern eher sozialdarwinistisch nach dem Recht des Stärkeren.
Politisches Handeln solch einem Narrativ zu unterwerfen bedeutet schlicht zivilisierte Gesellschaftsmodelle zugunsten von vorzivilisatorischen abzuschaffen. Ich denke es kommt nicht von ungefähr, dass wir eine Verrohung der Gesellschaft betrachten können, sich die Ellenbogen an Stellen ins Spiel bringen, die wir so nicht mehr gewohnt waren.
Was nun die von Ihnen in Legion als vermeintliche Gegenbeispiele vorgebrachten Länder "Venezuela" bzw. "Nordkorea" angeht, ist mir ihre echte Absicht hier nicht klar.
Unterstellen sie mir Sympathien für diese Länder zu haben bzw. ideologisch in der Nähe derselben zu stehen?
Oder geht es ihnen schlicht darum zu zeigen, wie schlecht 'sozialistische' Systeme wirtschaften, wenn man sie lässt. Sollen diese beiden Länder paradigmatisch als failed state Beispiel und Ehrenrettung für das vermeintlich überlegene, kapitalistische Wirtschaftssystem in Position gebracht werden? Warum dann nicht stattdessen Honduras oder Brasilien, die gerade auf gutem Weg sind sich einzureihen in die Serie von dramatischen Rückschritten des Demokratisierungsprozesses in Lateinamerika?
Doch zurück zu den Flüchtlingsbewegungen mit Ziel Europa und ihrer Frage: “Warum hier und nicht dort“.
Neben dem deutlich längeren Weg aus Afrika nach Lateinamerika, der sogar ihnen deutlich sein sollte, stehen selbstredend wirtschaftliche Aspekte und der Wunsch nach einem besseren Leben für sich und die Nachkommen weit oben auf der Agenda der Menschen in aktuellen Migrationsbewegungen, was sie naheliegend nach Europa spült(die einen in Lager die anderen auf den Friedhof).
Oder, um es mit ihrem Idol dem Henryk M. Broder zu sagen, der -zwar in etwas anderem Zusammenhang(Rumänen und Bulgaren)- schrieb:Es gibt Naturgesetze, die man nicht ungestraft ignorieren darf. Die Tatsache, dass Menschen ihrem Elend zu entkommen versuchen, indem sie irgendwo hinziehen, wo vermeintlich Milch und Honig fließen, gehört dazu. Deswegen ist der Begriff »Armutswanderung« nicht nur irreführend, sondern idiotisch. Oder hat man schon mal etwas von einer »Reichtumswanderung« gehört, von wohlhabenden Menschen, die eines Tages beschließen, in ein verarmtes Land zu ziehen, um ihren Reichtum mit den Einwohnern dieses Landes zu teilen? Migration war und ist immer Armutswanderung. Menschen suchen, seit sie sich in der afrikanischen Steppe aufgerichtet haben, immer nach besseren Lebensverhältnissen – so kam der Homo sapiens nach Europa, so kamen die Vandalen nach Rom, so kamen unzählige Iren und Deutsche, Italiener und Chinesen nach Amerika, und so kommen jetzt eben rumänische Roma zu uns. (Die letzten Tage Europas – Wie wir eine gute Idee versenken, 7. Omnipotente Phantasien impotenter Bürokraten, Seite kann ich nicht angeben da die Ebuchleser unterschiedlich umbrechen)
Natürlich kommen Menschen nach Europa und natürlich sind hier reiche Länder, sicher in den Augen derer, die wirtschaftliches Desaster und kollabierende Gesellschaften erleben sogar umso mehr. Doch die ändert doch nichts daran, dass unsere Gesellschaft hier vor Ort sich in den letzten Jahrzehnten deutlich zum Schlechteren hin verändert hat. Oben genannte Verschärfungen von Gesetzen hin zu einer Massenüberwachung sind doch sicherlich nur in sehr begrenzten Hirnen eine Verbesserung der Lage für die Insassen vor Ort. Ebenso ist das ungleiche Wachstum der Entgelte, die immer geringere Finanzierung der 'Superreichen' und Konzerne an der Gesellschaft und das damit erhöhte steuerliche Aufkommen für den mittleren Einkommensbezieher nichts, was man als weitere Verbesserung betrachten kann, außer man ist genau Bezieher solch hoher Einkommen, dass man zu den Gewinnern dieser Form des Klassenkampfes gehört.
Die Gesellschaft selbst hat sich dadurch radikalisiert, auch eine Tendenz die ich nicht als Verbesserung empfinde; die seit Jahrzehnten sinkenden Zahlen für Gewaltdelikte haben wieder zugenommen, die Gesellschaft verroht wieder stärker.
Aus meiner Sicht ein Ergebnis des politisch flankierten und unterstützten Klassenkampfes von Oben, eines Elitenversagens bzw. gewollten Elitenbereicherns. Falls sie dies alles nicht als eine Veränderung hin zu scheissiger sehen, gibt es in meiner bescheidenen Einschätzung zwei Möglichkeiten:
Entweder sind sie ein massiver Profiteur eben dieses Klassenkampfes und finden sich in der Rolle wohl und verdrängen sämtliche Zahlenwerke von OECD über DIW bis hin zu Thomas Piketty, die weitere Destabilisierung der Gesellschaften bei gleicher oder weiter steigender Ungleichheit prognostizieren, oder sie haben bei ihrem Arbeitgeber statt an den Retard Kapseln an den Kaspeln für den retard genascht. Beides könnte eine plausibleErklärung abgeben.

Oder, dies wäre eine dritte Hilfsannahme, sie trollen einfach gerne, ganz wie der Papa der Achse der Blöden es gerne tut, der aber im Gegensatz zu ihnen sogar seinen Lebensunterhalt gut damit verdienen kann.
Mir gefiel der Beißer besser, als er Männer mit den St.Pauli Nachrichten zum Abspritzen brachte bis dann nur noch heiße Luft kam. Heute spritzt stattdessen er lieber heiße Luft in die Gesellschaft und suhlt sich in Selbstliebe darin. Muss man mögen.

Wenn sie fotografiert haben, wäre es schön, wenn sie das Bild ins entsprechend eingerichtete Archiv hochschupsen würden, oder war das -ganz nach Broderscher Manier- doch nur ein kleiner, alternativer Fakt um ihre Beleidigung wohlfeil unterbringen zu können?
Da der Herr UausB eventuell ja noch mitliest, wird er sich sicherlich über ihre Einschätzung seine Person als "Null" hocherfreut zeigen.

Was sich mir bisher an ihren Beiträgen zeigt, ist eine Form von Kritik, gerne gespickt mit Anflügen von whataboutism ...aber Venezuela oder die Linken blabla..., die aus der Deckung agiert und Nebelkerzen wirft. Bleiben sie beim kritisierten Punkt und allen ist geholfen. Schreiben sie, wie sie sich etwas vorstellen, begründen sie das und kotzen nicht nur aus, warum alle anderen - besonders der blödbabbler- doof sind. Argumente sind hin und wieder hilfreich um einen von der anderen Sicht zu überzeugen und machen auch den Prozess insgesamt wertiger. Ich weiß, sie können das. ;-)
bloedbabbler - 6. Feb, 11:37

Hallo Herr wvs.

Völkerwanderungen sind vermutlich in den meisten Fällen im Wunsch begründet ein besseres, leichteres und prosperierendes Leben zu erhalten, als es der Ort, an dem man augenblicklich haust, es bieten kann.
Die USA haben da sicherlich über die letzten Jahrhunderte eine große Strahlkraft ausgeübt, "Give me your tired, your poor/Your huddled masses yearning to breathe free" ein klares Leuchtfeuer für ein besseres und friedfertigeres Leben - und ausstrahlen tun sie immer noch.
Die fleischgewordene Ideologie des american dream verheißt ja genau dies, und wie sie andeuten, auch -oder gerade- entgegen möglicher realer Differenzen dieses Wunschs im Land selbst.

Wobei beim akademischen Kader sicherlich eher von gewünschter Einwanderung/Arbeitsmigration gesprochen werden kann, keine Mauer gegen den deutschen Professor fürs MIT hochgezogen werden wird.

Auch hier der dringend zu machende Unterschied zwischen 'Armutsflüchtlingen' im direkten Sinn und Migration auf Basis von wirtschaftlicher Nachfrage. Ein Teil der leider auch gerne in Diskussionen ausgeklammert wird, wenn man von deutschen Migrationsbewegungen im 19.Jhd spricht -und dabei gerne unterschlägt dass es sich um gut ausgebildete Handwerker handelte-, die sich ihr Auskommen im neuen Land verdienen konnten, ein Umstand der gerade so eben nicht auf weite Bereiche der aktuellen Armutswanderungen zutrifft.
Diesen Unterschied(gelernt und benötigt vs. ungelernt und vom Arbeitsmarkt nicht gebraucht) bei der aktuellen Flüchtlings-Migrationsgeschichte in Deutschland auszublenden wäre ein strategischer Fehler, der mehr Probleme generiert als es ohnehin schon sind.
Deswegen ja auch mein beständiges Trommeln für ein Einwanderungsgesetz in Deutschland und eine klare Trennung zwischen Asyl- und Arbeitsuche im Gesetz.

Was die deutsche Außendarstellung angeht / ging ist ja immer noch das Asylbewerberanwerbungsvideo ein gruseliger Fall von falsch verstandener Signalwirkung für mich.

Unis und Pfründe.
Eventuell wurden ja dann für den wieder gegangenen Kollegen mit der Restkohle ein paar Proseminare gegendert. ;-)

Gendern was das Zeug hält. Aus den USA kommende Pseudowissenschaft, die ihr Kollege Axel Meyer polemisch -doch treffend- beschrieb und einreihte ins Sammelsurium des Aberglaubens als: [...]hierzulande leider weit verbreiteten antiwissenschaftlichen Hokuspokus wie etwa Anthroposophie, Homöopathie oder Genderstudies.
Inzwischen denke ich ja, wenn eine Stellungnahme als vom prototypischen deutschen, weißen Mann stammend diffamiert wird, dies scheinbar also der einzige anzubringende Kritikpunkt ist, die Stellungnahme dessen wohl richtig und die Kritik daran wohl falsch sein dürfte. Reflexartiges Wiederholen des religiösen Mantras als Abwehrmechanismus weisen weniger auf Wissenschaftlichkeit hin, denn eben auf einen Kult. Das sich die Grünen dabei und darin gut aufgehoben fühlen ist sicherlich kein Zufall; ihnen aber den Ursprung oder gar die Möglichkeiten zur weltweiten Umsetzung geben zu wollen, halte ich für zuviel der Ehre für diese pastoralen Antimodernisten.
P.S. Schön, dass sie wieder im Lande sind, also im Hessenlande. :-D ;-)
wvs - 7. Feb, 01:45

Vielen Dank für ihre Erörterungen zu meinem Text.
Wenigstens die ersten Abschnitte waren an *FausD* gerichtet, da konnte ich mich nicht schweigend zurücklehnen. Nur damit Sie das nicht mißverstehen.

" .. wenn eine Stellungnahme als vom prototypischen deutschen, weißen Mann stammend diffamiert wird .. " - na ja, wenn es dabei darum geht ob dieser Typ Frauen begrapscht hat sehe ich die Kritik schon als angemessen, andere Sachverhalte sicher eher sowie Sie.
Eine andere Bedeutung haben sicher Aussagen zu Rasse & Herkunft durch diesen gar nicht fiktiven Mann - oder durch diese gar nicht fiktiven Männer & Frauen. Da kommt es sehr auf den konkreten Inhalt bzw. die beabsichtigte Wirkung bei einem breiteren, weniger informierten Publikum an .... ich denke da an Beispiele aus der Politik & den einschlägigen Medien.

OT
Es war eine *Gewalttour*, an einem Tag 760 km, eine Hälfte ohne, die zweite mit Caravan, insgesamt ca. 13 h. Aber gut so, am nächsten Tag hätte ich noch länger gebraucht - auf der gesamten Strecke Schnee ...!

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