Freitag, 24. April 2015

Singleton of Dufftown 12

Heute mal (wieder) ein vermutlich in Kürze ebenfalls aussterbender 'Supermarkt'whisky aus den Trögen der Dufftown Destillerie in –na, wo wohl?- Dufftown.
Der Singleton of Dufftown 12 Jahre ist in Resten bei einigen Onlineversendern noch zu absurd teuren Preisen, also irgendwas um die 33-35 Euro pro Buddel zu haben(hoppla die DHL Gattin hat ihn sogar noch für 29,90). :-O
Meine Flasche vom Singleton erstand ich -als sie im Angebot im hiesigen Supermarkt war- für knapp unter 22 Euro vor einem guten Jahr, sonst kostete sie dort so um die 24 Euro.
Der Duden weiß über das deutsche duff zu berichten, es stünde für matt und glanzlos.
Im Englischen steht es synonym für useless, poor, unsatisfactory und ich bilde mir ein, mal gelesen zu haben, auch für Fusel.
Nun, das legt zumindest die Messlatte nicht künstlich hoch.
Singleton of Dufftown 12 Flasche
Mir gefiel die flundrig-flache und grüne Flaschenform ausnehmend gut, auch, da sie durch keinerlei Verpackung vor meinen kritischen Augen geschützt war. Also nahm ich sie mit, obwohl ich die 71 Punkte und die Bemerkung der Singleton 12 sei 'finess-free' von Murray noch im Kopf hatte. Ein Whisky, schlechter bewertet als das Grauen im blauen Blechgewand , erweckte durchaus mein krankes Interesse.

Nach dem ersten Öffnen und Verkosten musste ich bleich erkennen, der werte Herr Murray hatte eine nicht komplett an den Haaren herbeigezogene Kritik geäußert.
Auch, wenn ich es im Vergleich zum Brackwasser aus den Gestaden vom Loch Lomond sicherlich nicht schlechter fand, hielt sich meine Begeisterung darüber dennoch in sehr engen Grenzen.

Eine Flasche gedacht zur Ehrung der Ahnen: Die kann man eigentlich nur offen stehen lassen, um den wirren Geist -sich über die Monate und Jahre, hin zu den Altvorderen- verflüchtigen zu lassen.
Doch, alter Knausersack der ich nun mal bin, habe ich sie dennoch wieder brav verkorkt und in die hinterste Ecke im Barfach gestellt - zum Hanky Bannister, dem Mellow Corn und dem Heaven Hill.

Ungefähr ein halbes Jahr nach diesem Trauerspiel fiel mein Blick beim Umsortieren des Fachs - es musste Platz geschaffen werden für ein paar ältere Flaschen von van Wees ohne Umverpackung- auf des Dufftowns Singleton, und in einem Anfall von galoppierendem Masochismus beschloss ich es erneut zu wagen einen dram davon zu kosten.

In der Nase offenbarte sich ein schwach blumiger und malziger Ton, süß und nach einiger Zeit im Glas mit einem Karamellaroma.
Gar nicht so schlecht. Nix dolles, aber auch nicht mehr so schlimm wie befürchtet.

Im Mund ist er süß und (milch)schokoladig, pelzt aber bereits in diesem frühen Stadium die Zunge auf. Das passiert mir sonst eigentlich erst beim Abgang und ist nicht so schön.
Er hat eine (hier eine Gemeinsamkeit zum Monster vom Loch Lomond) grasige Note ist aber auch frisch und mentholig im Mund.
Über allem liegt ein hölzerner Malz- und ein irgendwie muffiger, leicht fauler Sherryton. Hoppla. Klingt alles nicht doll, ist es auch nicht wirklich, aber deutlich besser, als ich es nach der Ersteröffnung in Erinnerung hatte.

Im Abgang tritt der Singleton leider noch mal aus, die Zunge trocknet aus und pelzt weiter auf, wie ein Tribble in der Balz.
Er ist deutlich warm, fast schon bissig und brennig. Dafür behält er aber eine schöne Süße bei.

Nun, nachdem ich schon bei Menschen nichts vom verlogenenen Ritual halte, von Verstorbenen nur Gutes zu reden, fange ich bei einem sterbenden Whisyks erst gar nicht damit an.
Der Singleton of Dufftown 12 ist in meinen Augen ein trinkbarer Whisky, etwas garstig und nicht sonderlich verlockend, eher reizlos - dennoch durchaus trinkbar.
Er wird trinkbar, nachdem er eine Weile in der geöffneten Flaschen und in die Ecke gestellt verbracht hat.
Mit ein wenig Wasser wird er sogar zu einem brauchbaren Sommer/Herbstwhisky.
Für ähnliches Geld schmeckten mir der Speyburn 10, auch der (aussterbende) Glenlivet 12 oder als Vertreter eines NAS Whiskys der Tullibardine Aged oak deutlich besser.

So wie es den Anschein hat, sind inzwischen an die Stelle des zwölfjährigen Singleton in den Supermarktregalen seine alterslosen Erben, wie der Spey Cascade oder der Tailfire getreten.
Eine Flasche vom Spey Cascade habe ich mir beim letzten Weihnachtsangebot im Supermarkt vor Ort für 19,90 trotz des durchwachsenen Ergebnisses vom Zwölfjährigen mal eingepackt, weil ich eben nur begrenzt lernfähig bin.
Aber: Spontankäufe erfreuen eben hin und wieder die Seele, unabhängig vom gruseligen Ergebnis das einen möglicherweise sicherlich erwartet. :-D

Eine Miniatur des Singleton of Dufftown 12, die ich als 'Dankeschön' in einer Whiskybestellung dabei hatte, habe ich dem Herrn AausB aufgenötigt.
Damit auch er noch in den Genuss kommen kann, diesen Whisky zu verkosten, bevor es irgendwann mal was gescheites aus dieser Destillerie gibt. diese Möglichkeit nicht mehr gibt.



Wertung Single Malt
Singleton of Dufftown 12


Geschmack:
Fass2
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile3

Fazit: Der Singleton 12 aus dem Hause Dufftown ist in meinen Augen nicht so schlimm, wie ihn der werte Herr Murray macht(71 Punkte), aber leider auch nicht deutlich besser. Er ist tatsächlich trinkbar, richtiger Spaß kommt dabei -zumindest bei mir- aber nicht auf. Für die aktuell aufgerufenen Preise (30-33 Euro) fände ich vermutlich immer einen Whisky, der mir deutlich mehr behagt, selbst wenn dieser dann kein Alter trüge.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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Donnerstag, 23. April 2015

Aberlour 10

Heute gibts ein paar Tastingnotes zum Aberlour 10 - dem wohl aussterbenden Einsteigerwhisky aus der namensgebenden Destillerie in der Speyside.

Auf deren Webseite erfährt man in der aktuellen Range, dass sie mit dem 12 jährigen beginnen - hier hat also offenbar ein Wechsel stattgefunden, bei dem der bisherige Einsteiger, der zehnjährige unter die Räder kam.
Lustigerweise antizyklisch zur NAS-Schwemme. ;-)
In den Worten der Aberlour Destillerie klingt das dann so:Our single malts are made from expertly crafted new spirit, usually double cask matured for at least 12 years in the finest hand-picked Oloroso Sherry butts and first fill Bourbon casks. aberlour.com
Der Aberlour 10 war einer meiner ersten Whiskys als ich vor ein paar Jahren begann mit Whisky mögen und Whisky kaufen.
Damals schrieb ich noch nichts auf, sondern erfreute mich stattdessen nur an dem mir dargebotenen Wasser des Lebens.
Aberlour 10 FlascheDen Aberlour 10 mochte ich -wie eigentlich fast alle damaligen Whiskys(bis auf die blaue Hölle vom See)- gerne und habe mir dann 2013 noch eine Flasche davon nachgekauft.
Meine erste Flasche war eine 1 Liter Flasche von einem deutschen Versender, der Nachkauf war eine 0,7 Liter Flasche aus dem befreundeten Ausland.
Leider habe ich für die beiden Einkäufe keine Rechnungen mehr vorliegen, aber im Kopf habe ich noch, dass die Literflasche unter 30 und der Nachkauf um die 23 Euro gekostet haben.
Heute kostet der Aberlour in der Literflasche, wenn man ihn noch bekommt, wohl um die 35 Euro in der 0,7er Ausgabe liegt er dann knapp unter 30.
Negativ fällt mir auf: meine alte Flasche war mit 43% abgefüllt, die neueren haben alle nur noch 40%.
Weiterhin negativ ist mir ein Versender aufgefallen, der bei ihm nicht erhältliche Flaschen nicht etwa auslistet, sondern mit niedrigem Preis weiterhin drin stehen lässt.
Er ist damit zwar nicht der Einzige - das machen inzwischen leider einige -allerdings ist dies für mich ein deutliches Kriterium genau dort nicht mehr zu bestellen, da es unnötig Zeit kostet sich mit diesen Artefakten zu beschäftigen, denn bestellen kann man sie ja doch nicht ist diese Lockvogelmethode für mich ein klares ein K.O. Kriterium(Ich habe denn auch mal den Verweis auf eure Whiskyinfos aus meiner Linkliste genommen).

Von Aberlour habe ich bisher den 10 jährigen (43%), den 10 jährigen(40%), sowie den Aberlour 15 Jahre 'Cuvée Marie d'Ecosse' im Glas gehabt.
Im Regal stehen noch ungeöffnet eine Miniatur des Aberlour 10Jahre (40%), ein Aberlour Select Cask Reserve 15 Jahre, ein A'bunadh(#38), sowie ein Aberlour 18 Jahre herum und warten darauf, mir irgendwann zu Diensten sein zu dürfen.



Doch zurück zum Aberlour 10 und meinen Eindrücken dazu.

Er bietet eine - im besten Sinne- unspektakuläre Speyside Nase.
Sein Aroma ist fruchtig und süß mit Sherryanklängen und deutlich leichtem Geruch. Insgesamt ist das Gebotene lecker. Sommerlicher Stoff.

Im Mund bekommt man Honigsüße, er ist auffallend mild und hier auch mit deutlich mehr Sherryeinfluss auf der Zunge spürbar.
Eine malzige Note und kaum würzige Eiche, dafür cremig-schokoladiges Mundgefühl, gefolgt von etwas bitterer Schokolade.

Sein Abgang ist deutlich warm und er brennt etwas - überraschend nachdem er im Mund eigentlich mild daherkommt.

Ein netter All-day-dram mit einem noch guten PLV der inzwischen wohl vom Markt verschwindet und durch den 12 jährigen als Einstiegsdram(mit dann auch mindestens 6-8 Euro Mehrpreis) ersetzt wurde/wird.

Wertung Single Malt
Aberlour 10

Geschmack:
Fass3
bis
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Der Aberlour 10 ist ein netter und unaufdringlicher Speysidewhisky der leicht & easy zu genießen ist. Für mich ein schöner Sommerdram mit einem guten PLV, der leider vom Markt genommen wird/wurde.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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Mittwoch, 22. April 2015

BenRiach 10 'Curiositas peated'

Wenn man sein großes Latinum durch Erlernen von Whiskynamen hätte machen können, so wäre dies sicherlich ein gangbarer Weg für mich gewesen.
So aber quälte ich mich durch einen späteren Sprachabkömmling davon - bis ich mich endlich davon frei machen durfte.
Heute reichen meine Französischkenntnisse nur noch zum Bestellen eines Hotelzimmers am Lac Léman oder zu einer gestenreichen(nicht gerstenreichen!) Diskussionen mit den dortigen Müllmännern, wenn mein Auto ihnen bei der Arbeit im Weg ist.
Also wars wenigstens keine komplett verschwendete Zeit. :-D

Von den Destillern um Managing Director Billy Walker stammt der zehnjährige Curiositas peated der noch zu einem guten Preis zu haben ist.
Wenn man kurz im Internet nachguckt findet man ihn für knapp unter 32 Euro für die 0,7 Liter Flasche und mit anständigen 46% abgefüllt.
Wie bei BenRiach üblich wird nicht kühlgefiltert und die Farbe stammt aus dem Fass und nicht aus der Zuckerdose. Recht so!
BenRiach mälzt inzwischen seit ein paar Jahren (2012) wieder selbst, wobei ich allerdings nicht glaube, dass sie das für die gesamte Produktion machen.
Inzwischen kann der Curiositas peated wohl aus dem Stoff nach dem Wiederanlaufen der Destillerie im Jahr 2004 sicherlich wieder bestritten werden.
Ich kredenzte den Teilnehmern beim letzten Babbler-bittet-zur-Verkostung Treffen, jenem bei dem auch der Glenfarclas 8 eröffnet wurde, den BenRiach C.P..
Dieser stieß auf ein ungeteilt gutes Echo, der werte Herr AausB bevorratete sich mit einer Flasche und Frau CausD bekam von mir als Wegzehrung noch eine kleine 5cl Miniatur damit befüllt.
Doch auch -der wohl inzwischen hoffnungslos an twitter verlorene- Herr virtualmono, sowie Frau IausF mochten den BenRiach gerne, sagten sie zumindest. ;-)
BenRiach 10 'Curiositas peated' Flasche
Auf der etwas unruhig wirkenden Tube, die in schönem schwarz gehalten ist, erfahren wir, dass gewöhnlich eine leichte Torfigkeit beim Whisky aus dem Wasser stammt, aber hier -im speziellen Fall des Curiositas peated- eben der Geschmack und das Aroma durch Torf(rauch) beim Darren des Malzes eingebracht wurde. Wers noch nicht wusste, der freut sich sicherlich über diese Info.
Besser als: Wir haben den Längsten! Und sind nebenbei noch die tollsten Hechte in der Mash tun Gefasel das einem hin-und-wieder auf den Umverpackungen über den Weg läuft.

Bisher habe ich von BenRiach den alterslosen Gesellen Birnie Moss, sowie den zwölfjährigen 'Arumaticus Fumosus' im Glas gehabt, beides in meinen Augen zwei Kandidaten für wunderbare Whiskys.
Von BenRiach stehen desweiteren hier in der Blödbabbler Höhle noch einge ungeöffnete Flaschen im Regal, als da wären: der 'Heart of Speyside', der 'Importanticus Fumosus 12', der 'Dark Rum Wood Finish 15', der Benriach 16, der 'Septendecim 17' und der Benriach 20 - hoffentlich alles leckere Reserven für die Zukunft.

Das Aroma des zehnjährigen 'Curiositas peated' ist intensiv, stark rauchig mit einem Einschlag Heidekraut und macht sofort Lust aufs Probieren.

Wow! Im Mund Honig, Waldhonig(ohne die Ausscheidung von Läusen zu sich zu nehmen, Bäh!), und schön deutlicher Rauchgeschmack.
Er ist mild und hat eine gewisse -super dazu passende- holzige Würze anzubieten, etwas Ingwer und ein wenig Öligkeit runden das Bild für mich stimmig ab.
Der Hammer, ein wunderbarer Geschmack der fast schon zum Trinken denn zum Genießen einlädt.
Also: Vorsicht ist die Mutter der Selbstdisziplin, oder so ähnlich.

Im Verschwinden bittert er dann leicht aus, vorher ist er jedoch fein warm, schön süß und rauchig.
Die Zunge pelzt er allerdings ganz leicht auf.

Ein Knaller, erst recht für einen Preis von knapp unter 32 Euro.
Hier bekommt man einen Whisky mit Altersangabe, und aus dem Herzen einer der wenigen 'privaten' Destillerien geboten, der gefährlich süffig und spaßmachend daherkommt.
Ich hoffe mal, dass die Preise nicht auch beim BenRiach 10 C.P. in Kürze deftig anziehen werden und er uns als wunderbarer, rauchig-süßer Alltagsdram eine Weile erhalten bleibt.


Wertung Single Malt
BenRiach 10 'Curiositas peated'


Geschmack:
Fass5
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile5

Fazit: Wenn ich mir damit nicht ins eigene Fleisch schneiden würde, stünde hier natürlich eine klare Kaufempfehlung. So aber rate ich allen da draußen selbstsüchtig: kauft weiterhin eure geliebten, rauchigen Islay NAS Whiskys für deutlich mehr Geld - denn so bleibt der Preis für diesen wunderbaren Whisky vielleicht noch eine Zeit lang unten und die Bestände reichen länger für mich! :-D

Ihnen Ihr Blödbabbler

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Donnerstag, 16. April 2015

Glenfarclas 8

Nach meiner Woche der NAS Whiskys gehts nun weiter mit ein paar Einsteigerwhiskys die alle ein Alter auf dem Label tragen.
Den Anfang macht dabei der Glenfarclas mit dem süßen Alter von 8 Jahren.
Der Glenfarclas 8 war von mir gedacht als Einstiegsdram zum letzten Whiskytasting in der Höhle des Blödbabblers - und wurde auch zu diesem Behuf angeschafft.

Ich mag Glenfarclas.
Eine schottische Destillerie in Privatbesitz mit bisher meist gutem PLV.
Ich mochte deren 12 jährigen gerne, ansprechender Stoff in der Literbuddel für knapp über 30 Euro (augenblicklich bei einem Händler für 29 € im Angebot) und fand auch den 105 für das aufgerufene Geld eine Wucht.
Inzwischen habe ich mir noch den 17 und 18 jährigen auf Halde gelegt- denn wer weiß schon, wie die (Whisky)Zeiten noch werden?
Doch zurück zum Kinderwhisky mit seinen 8 Jahren.
Man hätte ihn sicher auch 'Legacy' oder 'Fortunato' nennen, stillschweigend sein Alter weglassen und den Kunden damit für doof verkaufen können. Hat man aber nicht gemacht. Brav!
Außerdem hat man ja sein eigenes Erbe mit dem Heritage und seinem Fassstärkebruder alterlos dem Volk bereits überliefert, sowie sich bei der Trilogy(Passion&Springs&Team)ausgetobt. :-D
Glenfarclas 8 Flasche
Mein Glenfarclas kostete im Januar 2015 23,50 Euro, ist aber -wenn man guckt- durchaus für knapp unter 23 zu haben.
Wenn man dies dann allerdings auf den Literpreis hochrechnet, kostet der 8 jährige überraschenderweise etwas mehr als der 12 jährige. Verkehrte Welt!
Der Glenfarclas kommt in glenfarclasüblicher Kartondose und wurde diesmal mit grüner Farbe bedruckt - im Vergleich zum blauen 12er oder dem roten 10er.
Leider sind sonst nur die üblichen Marketingphrasen, bei denen lediglich nach bester Serienbriefmanier das Alter auf der Rückseite entsprechend je nach Whisky geändert wird, aufgedruckt. Schade, das geht besser.
Er wird mit 40% Alkohol abgefüllt und schweigt sich stoisch darüber aus, ob er farblich verändert oder kühlgefiltert wurde, oder nicht. Die Händler interpretieren das auch unterschiedlich.

In der Nase findet sich sehr schwacher Sherrygeruch(trockener nicht süßer) und Malz.

Im Mund ist er süß und weich, dann kommt aber auch schon etwas Würze und eine schwache Trockenheit.
Etwas bittere Schokolade und als ich einmal einen dram Auchentoshan zuvor im Glas hatte(das natürlich danach ausgewaschen wurde) - eine deutliche Weißweinnote. Die habe ich aber später so nicht mehr rauskitzeln können.
Meist lagen eher klassische Sherrynoten auf der Zunge - präsent, aber nie aufdringlich.

Im Abgang rumpelt er dann doch ein wenig und ist pfeffrig warm, mit leichter Sherry- und adstringierender (Holz-)Note. Dafür fettet er die Lippen schön ein und zum Schluss kurz vorm Ende kommt auch noch das Malzerlebnis. Fein.

Meine Gäste fanden den durchaus ansprechend, obwohl natürlich sinngemäß Sprüche kamen, wie: "Oh, wie edel, ein achtjähriger Whisky, der Herr Blödbabbler verwöhnt uns!".

Und ehrlich, mehr sollte es und er auch nicht sein.
Ein netter, preiswerter Einsteigerwhisky, dankbarerweise ohne Schwefelzugabe und von einer Destillerie gemacht, die seit zig Generationen in privaten Händen ist. Was will man mehr?
Irritierend bleibt festzuhalten, dass er -hochgerechnet- etwas mehr kostet als der 4 Jahre länger gereifte 12 jährige aus gleichem Hause.
Aber dieser hatte dafür in meiner letzten Buddel auch einen deutlichen und schwefligen Tritt vom spanischen Teufel abbekommen.

Glenfarclas ist ihr Nachwuchs scheinbar auch nicht ganz geheuer, denn auf deren Webseite beginnt die Range erst mit dem 10 jährigen. Da sage ich mal: (Don't) Kick the baby!

Wertung Single Malt
Glenfarclas 8

Geschmack:
Fass3
bis
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Für 23 Euro bekommt man einen 8 Jahre gereiften Whisky mit Sherryeinfluss und ohne Schwefel, der nicht sonderlich kompliziert ist. Easy drinking und Spaß macht er nebenbei auch. Wer den 12 jährigen mochte, der kann hier auch mal reinschmecken.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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Mittwoch, 15. April 2015

Campbeltown Loch

Von den Springbank Distillers stammt der Blended Whisky Campbeltown Loch, den es auch mit hohen Altersangaben gibt, dieser hier ist ein NAS -obwohl man in als 5 jährigen bezeichnet im Netz finden kann.
Die Vermutung liegt nahe, da es die Besitzer von Springbank sind die diesen Blend herausgebracht haben, dass er eben aus Springbank und Longrow Single Malts besteht - woher der Grainwhisky stammt entzieht sich aber meiner Kenntnis.

Springbank ist eine -wenn nicht die- Handwerksdestillerie in Schottland, die machen alles selbst vom Mälzen bis zur Abfüllung.
Es gibt zu Springbank eine schöne Destillerie Vorstellungsreihe von ralfy, die er vor Ort gemacht hat, in 1,2,3,4,5,6,7 Teilen.

Allerdings kann man meiner Meinung nach nicht ausschließen, dass auch andere Whiskys (irgendwann) in dem Blend heimelig werden könn(t)en, bspw. ein Kilkerran von Glengyle oder ein Whisky aus jeder anderen Destillerie in Schottland. Wenn ich darüber etwas nachdenke, dann könnte das bereits heute der Fall sein. :-D
Aber wer spekulieren will der sollte an die Börse gehen, gelle. Ich will trinken und genießen und dafür ist der Stoff aus dem Loch in Kintyre sehr gut geeignet.
Campbeltown Loch Flasche
Ich mag Springbanks Konzept, nicht nur die billigste Lösung für Arbeitsprozesse zu wählen, sondern sich auch in Verantwortung für die Gemeinschaft vor Ort zu sehen - dafür kostet der Stoff dann eben meist ein paar Euro mehr als der von anderen Destillerien. Who cares?
Ungeöffnet stehen hier bei mir im Regal noch ein Hazelburn 12, Springbank 10, Springbank 22 und ein Longrow peated; besprochen hab ich anno 2011 den Longrow C.V..
Meine Flasche vom Campbeltown Loch kostete 15,90 € für die 0,7 Literflasche ohne Umverpackung kurz hinter der offenen Grenze im befreundeten Ausland.
Überraschend preiswert, wenn man obiges berücksichtigt und was man sonst an Qualität und Geschmack für diesen Preis bekommt.
Bei den Onlinehändlern finde ich leider nur den 21 Jahre alten, großen Bruder. Keine Ahnung ob es den 5 jährigen (noch) irgendwo gibt oder irgendwann.

Die Flasche ist eine Standardwhiskyflasche mit schönem Etikett das einen gemalten Blick auf den namensgebenden Ort gibt.
Bei den Springbankern scheint man ein Faible für Frakturen und ähnliche Schriftarten zu haben, diese hier erinnert mich ein wenig an Jugendstil. Egal, insgesamt ein schönes Etikett.
Als Besonderheit für einen Blended Whisky in dieser Preisklasse findet sich als 'Verschlusssache' ein Korken, statt eines billigen Blechverschlusses im Flaschenhals.
Der Campbeltown Loch wurde mit 40% Alkohol und zusammengebastelt aus 100% schottischen Whiskys abgefüllt - ob er gefärbt wurde(ich denke ja) erfährt man nicht.
Außer mit Ikonen, die durchgestrichene, schwangere Frauen(mit Glas in der Hand) und grüne Punkte für verfehlte Recyclingkonzepte zeigen, hält sich das Produkt mit Informationen bedeckt.
Leider erfährt man auch auf der Webseite bei den Springbank Distillers nichts zu ihren Blends, sondern nur etwas zu den Single Malt Hausmarken Hazelburn, Springbank und Longrow.

Der Campbeltown Loch hat eine frische Brise im Glas, Malz, Karamell und sehr schöner, feuchter Drehtabakgeruch. Sehr fein!

Im Mund ist er weich und süß -Vorhang auf- deutlich mehr Tabak tritt ins Rampenlicht. Etwas pfeffrig und ganz schwach salzig, Assoziation von Ingwer liefert ein wenig Wärme. Ein leicht saures Element passt sich stimmig ins Gesamtkonzept von rundem Geschmack. Voll und cremig trotz der 'nur' 40% Alkohol.

Nachdem der Campbeltown im Loch verschwunden ist, bleibt es warm, prickelnd und süß in der Eintrittshöhle des Geschmacks. Hier dann eher Vanille denn Karamell mit immer noch leichter Säure als Kontrastdummy assistierend.

Wow! Ein Blend für 16 Euro der so ziemlich alles richtig macht.
Leckerer und richtig gut zu trinkender Stoff aus der Whisky-Manufaktur der Mitchells.


Wertung Blended Whisky
Campbeltown Loch


Geschmack:
Fass4
bis
Fass5
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile5

Fazit: Für kleines Geld gibts hier einen wunderbaren Blended Whisky mit sanfter Tabaknote und leckerer Süffigkeit. Blödbabbler meint: Wenn schon Banker dann Springbanker! Falls man den Campbeltown Loch irgendwo sieht -und sich nicht zu schade ist einen Blend zu trinken- sicherlich ein kluger und reueloser Kauf.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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Dienstag, 14. April 2015

Herr, lass es Eier regnen!

Ostern ist rum und es bestimmen scheinbar weiterhin viele eierlose Gesellen die Tagespolitik in unserem Land.

Doch es gibt Hoffnung!

Ein Papst spricht etwas an und aus, wozu unsere Politiker offensichtlich nicht die Eier haben, gut.
Diplomatisches Herumgeeiere unserer Verantwortlichen um die vermeintlichen Freunde aus der Türkei nicht zu verärgern.

Nachdem Deutschland im 20 Jahrhundert gleich zweimal HIER und JAWOLL! geschrien hat, als es darum ging einen Genozid durchzuführen, und da zählen die zwei Weltkriege noch nicht mal dazu, scheint man heute Angst zu haben bei anderen Nationen, deren Untaten ebenfalls klar und deutlich nachweisbar sind, Stellung zu beziehen.
Doch die Konsequenz aus den deutschen Genoziden an Hereros und Namas und Juden kann doch gerade nicht sein, das Maul zu halten wenn man Unrecht sieht oder dessen Gewahr wird, sondern es muss vielmehr eine laute, deutliche und klare Stellungnahme sein.
Diplomatie ist die große Schwester der political correctness - es sich nicht mit ihm verscherzen, auch wenn er gerade die beste Freundin vergewaltigt hat, eventuell wird man sonst nicht vom Schulrowdy(der aber doch so toll aussieht!) zum Abschlussball mitgenommen. Rücksichtnahme und Feigheit in Personalunion, wo Rückgrat und eine klare Meinung gefragt wären.

Der Papst also.
Vorsitzender jener Vereinigung von alten Männern, die, wenn sie sich nicht gerade in Frauenkleidern lateinisch unterhalten, auch wohl mal gerne an und mit kleinen Kindern spielen - was man so an body-count Zahlen in den letzten Jahren in der freien Presse mitbekommen hat.
Wer, wenn nicht der Chef dieses Vereins wäre wohl besser geeignet um als eine moralische Institution aufzutreten?
Tjo, z.B. vom Volk gewählte demokratische Volksvertreter.

Zu Papstland konnte man gerade wieder lesen, dass eben jener Staat dem er vorsteht, also der Vatikanstaat, gerade den neuen französischen Botschafter -offenbar wegen dessen Homosexualität- nicht akzeptiert.
Dennoch: Klare Worte des alten Mannes in Frauenkleidern an die Türkei für ihren verübten Völkermord an den Armeniern.
(Also eigentlich wars das Osmanische Reich, aber die Türkei ist ja Rechtsnachfolger, so wie Deutschland Rechtsnachfolger vom Dritten Reich.)

Und, was schwurbeln unsere Volkshelden aus SPD & CDU stattdesssen?
Wie wird der -Überraschung, Überraschung!- deutsche Anteil am Völkermord an den Armeniern thematisiert?
Im Stile der aktuellen deutschen Politik formulierte es bereits der Kriegsverbrecher und damalige Kanzler Bethmann-Hollweg:„Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig, ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht., auf die Hinweise seiner Diplomaten über das türkische Vorgehen gegen die Armenier im Land, 1915.

Heute will man stattdessen den NATO Partner Türkei oder deren islamistischen Rammbock Erdogan nicht verärgern.
Beides, Bethmann-Hollwegs Aussage und das aktuelle Duckmäusertum wird offenbar gespeist aus derselben Quelle.
Auf den Knochen ganzer Völker findet hier ein pervertierter Freundschaft- und Partnerschaftsgedanke statt, der es offenbar für angemessen hält wegzusehen, zu schweigen und sich der Verantwortung zu entziehen um selbst keinen Schaden oder Nachteil dadurch zu erlangen.
Recht wird geopfert für eigene Verwertungsinteressen - schöne westliche Moral, tolle Werte.

So wie hier gekuscht wird, so kuscht man beim Schöpferland des terroristischen Islams, jenem Land, das durch seine Exporte von finsterster Interpretation -von eh schon archaischem Gedankengut- weltweit für Destabilisierung und Terror sorgt, Saudi Arabien. Auch hier wird deren Rolle am Terror nicht thematisiert, stattdessen werden deren Gegenspieler systematisch weggeputscht; man sorgt sich lediglich um die eigenen Wirtschaftsinteressen, diese sollen doch bitte nicht durch überzogene Forderungen wie "Menschenrechte" gefährdet werden sollen.

Heißa, gibt’s dann eigentlich am 20.4 auch eine Gedenkfeier und Reden im Bundestag?
Denn, dann könnte man doch genau den Mann zum Geburtstag ehren, der mit seinem Satz:Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier? seine Horden zum Morden losgeschickt und den zweiten deutschen Genozid im 20. Jahrhundert zu verantworten hatte.
Denn offenbar hat er Recht behalten, zumindest was deutsche Außenpolitik angeht ist man verdammt still zum Thema „Armenier“, findet

Ihnen Ihr Blödbabbler

Auchentoshan Select

Zum Abschluss meiner kleinen NAS-Whisky Tastingwoche, in der ich den Big Peat Xmas Edition 2014, den Bowmore 100 Degrees Proof, den Bunnahabhain Cruach-Mhòna, den Tyrconnell NAS, den Clontarf (White Label) NAS, den Cask Islay Vatting No.1, den Writers Tears, sowie den Tomatin Legacy (B4) vorgestellt habe, ist heute der Auchentoshan Select dran.

Wie es den Anschein hat, ist der Auchentoshan Select inzwischen aus der aktuellen Range der Destillerie geflogen, dennoch ist er noch bei einigen Händlern in der 1 Liter Flasche zu haben.
Für einen Preis von unter 28 Euro für den Liter lacht das NAS Herz des Whiskykäufers.
Auchentoshan 'Select' Flasche
Auchentoshan destilliert seinen Whisky dreifach, was ihm ein gewisses Alleinstellungsmerkmal unter Schottlands Destillerien gibt.
Der Karton ist zweckmäßig und liefert immerhin die Information wie der gemeine Schotte vor Ort Auchentoshan auspricht: ock-un-tosh-un und marketingsprecht noch ein wenig davon, dass die Eichenfässer für die Reifung einer carefull selection unterworfen waren.

Wenn man nun also glaubt diesen Fakt speziell hervorheben zu müssen, so wirft das natürlich im Umkehrschluss kein gutes Bild auf die normalen, anderen, teureren Abfüllungen von Auchentoshan. Denn diese wurden dann ja scheinbar nicht bedacht ausgewählt, sonst wäre es ja banal und man müsste es nicht auf die Packung als Besonderheit drucken, oder? ;-)

Der Select wurde mit passenden 40% Alkohol abgefüllt und mit Farbstoff für die Doofen bunt gemacht. Business as usual.
Sonst hält man es mit Informationen eher mit Hamlet auf der Verpackung: the rest is silence.

Diesmal gehts ohne große Whiskybeschimpfung gleich in medias res, ich sammle meine Kräfte noch für den Pig's Nose und den Glengoyne 12 CS. *eg*

Der Auchentoshan Select hat ein sehr leckeres und leichtes Aroma.
Blumige Aromen und -deren durch Bienen verarbeitetes Endprodukt- der süße Honig flattern, fluffig, fliegend in des Nasenflügels innerstes hinein.
Etwas Frucht, in Richtung Mango, sowie die sanfte Holznote eines eher leichten Holzes findet sich ebenfalls zum Stelldichein.
Ich stelle fest: Der Select ist vom Aroma her ein sehr schöner Frühling-Sommer-all-day-dram zum Trinken - nix allzu komliziertes, dafür aber durchaus appetitanregend.

Im Mund spürt man zuerst eine schwache, würzige Holznote die ich mit sandelholzartig beschreiben würde.
Er ist etwas honigsüß und wird später erkennbar warm ohne dabei zu brennen.
Eine leichte bis deutliche Trockenheit ist im zu eigen, es bittert im Mund zügig nach und ist vom Gesamteindruck eher leicht. Wenn man direkt danach durch die Nase ausatmet erhält man ein sehr schönes Aroma vom Select gratis dazu.

Abgänglich ist er einen Tacken staubig und macht eine trockene Zunge.
Dennoch ist er auch da noch süß, allerdings verstärkt sich das bittere Element hier noch ein wenig.
Insgesamt ist er eher schnell weg -positiv gewendet macht er uns den Mund frei für einen weiteren Schluck davon. ;-)

Wertung Single Malt
Auchentoshan 'Select'

Geschmack:
Fass3
bis
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile5

Fazit: Der Auchentoshan Select ist ein angenehmer Frühjahr- und Sommerwhisky. Nichts was einen überfordert und wenn man mal nicht nur schnuffeln möchte, sondern einfach mal einen Whisky trinken, dann ist er sicherlich keine falsche Wahl. Für den Preis von knapp 28 Euro pro Liter ein netter und fairer Einsteiger in die Welt des Lowland Whiskys, auch wenn er sicherlich kein Whiskys-Überflieger ist. Aber so stelle ich mir einen NAS Whisky vor: gut trinkbar, mit erkennbarer Qualität und zu einem ansprechenden Preis. Klar, dass der heute nicht mehr in die Range passt und langsam vom Markt verschwindet.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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Montag, 13. April 2015

Tomatin Legacy (B4)

Als vorletzten NAS Whisky meiner Blödbabbler-NAS-Whisky-Tastingnotes-Woche stelle ich den Tomatin Legacy heute vor.

Ob es da unterschiedliche Fassungen von gibt-bei den massiv unterschiedlichen Einschätzungen zwischen Himmelhoch jauchzend und zu(m) Tode betrübt- entzieht sich meiner Kenntnis.
Als Unterscheidungskriterium habe ich lediglich im Flaschenboden eingeprägt eine B4 und eine B5 in meinen beiden Flaschen gefunden.
Zwei Flaschen? Ja, ich hatte mir eine gekauft (B5) und habe eine weitere von Frau MausD geschenkt bekommen, die ihre Reha damit für mich sinnvoll gestaltete.
Der dortige Whiskyhändler verkaufte ihr den Legacy als einen 'Spitzenwhisky!' - Nun, ja Verkäufer unterliegen halt der gleichen Wahrnehmungstrübung, wie die virtuellen Wixa(keine Beschimpfung, siehe auch "Aba Olle Samma Wixa" vom Hans Söllner) aus dem Marketing. Der Legacy ist sicherlich vieles, aber ein Spitzenwhisky nun wirklich nicht.

Ich habe bisher von Tomatin den normalen Tomatin 12 und den 18jährigen als Miniatur verkostet, geschlossen stehen hier noch der Legacy(B5), ein Cù Bòcan, der Decades, sowie ein weiterer 12 und ein 18 jähriger im Regal.
Die Menge an Whiskys die ich von einer Destillerie 'auf Vorrat' kaufe ist meist auch ein Hinweis darauf, wie ich eine Destillerie und ihre Erzeugnisse einschätze. ;-)
Bisher mochte ich was ich von Tomatin trank und fand die Preise sehr stimmig - etwas das nicht auf jede Destillerie zutrifft.
Tomatin 'Legacy' Flasche
Der Legacy kostete mich knapp 24 € Mitte 2014 und ist inzwischen etwas billiger bzw. zum gleichen Preis zu haben -für mich ein Indiz in welche Richtung des obigen Widerspruchs sich der Tomatin eher bewegt.
Im Gegensatz zu manch anderem NAS-Whisky erfährt man auf den Etiketten wenigstens, dass er in Ex-Bourbon und 'neuen' Eichenfässern reifen durfte. Wie lange? Muss man nicht wissen, dafür heißt er ja *tada* Legacy!
Klingt altehrwürdig, wobei sich gerade ITler oft genug über Legacy Dinge im BIOS aufregen - sprechen wir mal über das A20 Gate *hüstel*.

Positiv fällt auf, dass der Legacy immerhin mit 43% Alkohol abgefüllt wurde- für die Freunde von künstlicher Farbe hat man ihn mit E150a beglückt. Ich vermute mal, dass er auch kühlgefiltert ist.
Er steckt in der Tomatin-typischen festen Kartonage und wurde -vermutlich da er der billigste aus der Range ist und man das mit Blendwerk aufwerten wollte- mit edlem Silberton in die Welt geschickt.

Wenn ich meinen Epilog oben lese, stelle ich fest: Irgendwie habe ich die Tage anscheinend zu viel aus der Maul- und Motzquelle getrunken.
Aber kritiklose Kritiken gibts ja zuhauf und da ich - wie der gute ralfy auch- meinen Schnaps selber bezahlen muss, leiste ich mir den Luxus auch über Auswüchse, geschmackliche, marketingspezifische und sonstige Unsitten zu schreiben. Und nun rinn in die Kartoffeln ... äh ... die Gerste.

Der gefärbte Legacy dunstet aus dem Glas eine schöne Nase, süß und fruchtig, Aprikose und Malz. Hier wurde nicht viel falsch gemacht, sehr ansprechend.

Voller Schnuffelvorfreude einen guten Schluck in den Mund genommen, und siehe da: Er ist zuerst mild und wird dann aber sehr schnell warm, ist wild und brennig.
Honigsüße, fruchtig mit etwas Holzeinfluss. Deutlich junger Stoff der fettige Lippen macht und ein wenig nach verbranntem Karamell schmeckt, also bitterlich.

Der Tomatin Legacy pelzt die Zunge schnell auf und ist insgesamt etwas trocken.
Er bizzelt und prickelt im Mund, was aber bis zum nächsten Schluck wieder vergeht.
Im Mund bleibt etwas marmeladiges haften, was dann zusammen mit sanfter Bitterkeit in einen überraschend langen Abgang reitet.

Tjo, 94.5 Punkte Mr. Murray? Really? Es muss andere Batches geben - denn meine Buddel ist kein Superstar whisky der mir eine reason to live gibt.
Auch das enthusiastische Grinsegesicht von DHL im entsprechenden Video zum Tomatin Legacy deutet ja darauf hin - mal gucken eventuell ist ja die B5 so orgiastisch, dass ich mir auch fast ins Höschen mache beim Verkosten.
Eventuell spielt aber B4 und B5 auf der Flasche auch gar keine Rolle und alles schmeckt gleich. Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelheinzchen stieß!

Mein Legacy ist ein brauchbarer bis guter Whisky, dem ich lediglich zwei bis drei Fässer gegeben hätte, aber ich finde die Nase so gut, dass ich mich zu einer gnädigen 3 durchgerungen habe.
Letztlich würde ich das Erbe aber beim nächsten Mal ausschlagen.

Wertung Single Malt
Tomatin 'Legacy'

Geschmack:
Fass3
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile3

Fazit: Der Tomatin Legacy ist sicherlich ein akzeptabler Einsteigerwhisky, dennoch würde ich die wenigen Euro mehr für den 12 jährigen aber gerne ausgeben - wenn es denn ein Tomatin sein soll. Für ähnlichen Preis(und bei meinem Getränkehändler um die Ecke immer noch) gabs bis vor kurzem noch den Ardmore Traditional Cask, der leider eingestellt zu werden scheint und der von einem 'Legacy'(sic!) abgelöst wird. Da habe ich bisher nur was vom Herrn AausB zu gehört, aber auch die Ratings in der whisybase verweisen auf einen Qualitätsverlust im direkten Vergleich zum TC. Es scheint sich gefühlt abzuzeichnen: stylischere Verpackungen, ganz dufte toller Name und Marketinggewitter in Ernst Jüngerschen Ausmaßen bedeuten real oftmals eine gleichzeitige Reduzierung an Qualität der Ware "Whisky".

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Sonntag, 12. April 2015

Writers Tears

Im Rahmen der NAS Woche gibts heute den irischen Pot-Still(Blend) Writers Tears(ohne Apostroph aber mit Punkt unterm s) zu besprechen.

Leider stellen für mich sowohl die Texte auf den Flaschenetiketten, als auch auf der umhüllenden Kartonage das worst-case Szenario für den neugierigen Whiskytrinker dar.
Wuschig machendes Marketing-Blabla: Wieso der Name? Weil irische Dichter Whiskey weinen tun tun! Warum dieser Whiskey? Um massig Schotter von den leichtgläubigen Whiskeytrinkern abzusahnen Um diese dollen Dichter und ihre Schreibblockaden Werke zu ehren.... Puh... wenns denn noch kitschiger würde, rutschte der Writers Tears auf einer Schleimspur über die Klippe des Klischees in den Sonnenuntergang.

Was fehlt?
Ungefähr alles was für mich von Interesse wäre. Fasstypen, Destillerie, Reifezeit , etc..
Dafür steht dort auf der Kartonage etwas von bottled in bond - eine verwegene Einstufung für 40% Alkohol wie ich finde.
Ich habe nochmal versucht rauszubekommen, ob es eine spezielle bottled in bond Variante für irische Whiskeys gibt, denn die amerikanische besagt >50%(100proof) Alkohol, aber nix sinnstiftendes dazu gefunden.
Falls also jemand einen Tipp oder Hinweis zum bottled in bond in Irland hat, immer her damit.

Was mich an diesem aufgebauten Writers Tears Popanz aber am meisten stört: der hätte das gar nicht nötig von den Werbefuzzis sinnfrei camoufliert zu werden.
Das Produkt spricht für sich, man muss dafür nicht die Geister von Joyce, Beckett oder O'Brian beschwören um den Schnaps mit Gefühlsduselei an den Konsumenten zu bringen.
Spannender wäre -zumindest für mich- der Hinweis gewesen, dass der Writers Tears ein Blend ist, der aus (Pure) Pot Still und Single Malt Whiskys zusammengemischt wird.

O.k. hier noch die kurze Beichte: Der Herr AausB und der Blödbabbler haben natürlich anno Tobak, kurz nachdem der auf den Markt kam, deswegen (oder trotzdem?) eine Flasche davon für ein Schreibwochenende gekauft.
Writers Tears Flasche
Der Writers Tears kommt in einer schlanken Flasche, die 0,7 Liter des Stoffes beinhaltet, und wird von einer billigen -mit Tränenmuster verzierten- grünen(was sonst außer grün bei einem irischen Whiskey? Herr Finnegan bitte drei Euro ins Klischeeschwein!), nicht sehr stabilen Kartonverpackung umschlossen.

Wenn man nicht zu verheulte Augen wegen einer Schreibblockade hat und seine Augen aufsperrt bekommt man ihn für knapp unter 28 Euro, meiner kostete sowas ähnliches mit 5% Nachlass weniger, wenn ich mich recht entsinne.
Eine zweite Flasche davon schenkte mir Frau MausD spontan, weil ich so ein lieber Kerl bin. :-)
Danke nochmal dafür.

Vom Writers Tears gibts auch noch eine cask strenght Variante, die ich mir aber bei den aufgerufenen 77,50 Euro jedes Mal gerade so wieder nicht gekauft habe und auch nicht werde.
Whiskys sind teuer. Werden immer teurer. Schottische mit Alter ebenso wie irische mit Alter - doch ich weigere mich für einen Whisky ohne Altersangabe diesen Preis zu zahlen. Fassstärke hin oder her.
Sauft euren überteuerten Scheiß alleeene!

Aber genug gemault.

Im Glas duftet der Writers Tears relativ schwach, ein wenig Frucht, insgesamt getreidig, potstillig und süß. Sehr mild und eher Toffee denn Vanille.

Im Mund hat er eine sanfte Mentholnote(Frische) ist angenehm mild und schön mit süßem Honig gesegnet.
Er ist leicht fettig, hat eine schwache Spur Malzigkeit und eine Apfelnote findet sich ein.
Dann beginnt er ein bisschen im Mund zu brennen und ein bisschen (holzige) Würze kommt dazu.
Süffiger Stoff – mir im Sommer lieber als im Winter.
Wasser tut im Gewalt an, da verblasst er deutlich und wir wissen ja:“It’s better to burn out then to fade away wie schon Neil Young und Kurgan wussten.

Während des Abgehens trocknet der Mund leicht aus, er ist nun deutlich warm bei bestehender Süße und Fettigkeit – eher kurz bis mittel als lang.

Abgesehen von der marketinginduzierten Pathologie des Clubs der toten (irischen) Dichter, deren Geister man fürs schnöde Klingeln der Kasse beschwört – um saufselige Stimmung in den Köpfen von potentiellen Kunden zu erzeugen- ist der Writers Tears ein sehr feines Stöffchen, das mich nicht enttäuscht.

Ich habe den Writers Tears jetzt über die letzten 4 Jahre immer mal wieder im Glas gehabt und dabei leichte Schwankungen registriert, aber nichts, was es wert wäre deswegen Abstriche von A-Hörnchen oder B-Hörnchen zu machen.
Mal war er etwas brenniger, mal deutlich milder, mal war etwas mehr potstilliges in der Nase und weniger Frucht oder er war mal frischer, aber -alles im Rahmen des guten Geschmacks- die Gesamtlinie wurde dennoch gehalten, die Latte nicht gerissen. ;-)



Wertung Blended Whiskey
Writers Tears

Geschmack:
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Ein schöner und leckerer irischer Blend. Seine Besonderheit liegt darin, dass er aus Pot Still(also gemälzter und ungemälzer Gerste) und Single Malt Whiskey geblendet wurde. Er ist sehr süffig und angenehm im Geschmack und für 28 Euro liegt er gut im Preisleistungsverhältnis. Wer also -außer einem Pure Pot Still wie dem Redbreast oder dem Green Spot- mal etwas anderes, aber ähnliches, für weniger Geld probieren möchte, der könnte hier fündig werden.

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