Dienstag, 27. November 2012

Respekt? Wofür?

Frau Merkel äußerte sich darüber, was Toleranz gegenüber Religionen bedeute(laut diversen Zeitungen - einfach googlen 'Merkel' 'Zentralrat' 'Respekt')*) wie folgt:
Der Respekt für die Lebbarkeit religiöser Rituale ist ein hohes Gut.
Respekt?

Ich dachte Respekt sei etwas, was man sich verdienen müsse, eben etwas, was nicht a priori gegeben sei.

Was unterscheidet denn bitteschön den - bisher nichts auf die Reihe bekommenden- Asi, welcher "Respekt, Alter oder ich mach dich messer" fordert, von Religionen und deren Vertreter, die Respekt einfordern für die Ausführung ihrer (blutigen, gegen Kinder- und Menschenrecht stehenden) Rituale, einzig genährt aus religiöser Tradition?

Wieso soll ich etwas respektieren, was sich meinen Respekt nicht verdient?

Oder meinte die Kanzlerin eher Ehrfurcht, so wie man ihn vor welchem Gott und seinen Freunden auch immer zu empfinden hat, wenn man denn den jeweiligen Anhängern von imaginären Entitäten Glauben schenkt?

Ich hätte Respekt empfunden, wenn bspw. die Juden und ihr Zentralrat kurz innegehalten und sich besonnen, ihr Tun bezüglich Säuglingsbeschneidung hinterfragt hätten und sich dann für die Menschen - und Kinderrechte, kurzum für die Zivilisation entschieden hätten.
Haben sie aber nicht.

Stattdessen wurde flugs eine Wagenburg aufgebaut und Antisemitismusvorwürfe geschossartig abgesondert; pauschal, geplant und schlicht Kritik abwürgend.

Warum soll ich also solche Ausübung der Religion, die offenkundig und unbestreitbar gegen geltendes positives Recht verstößt (das leugnet nicht einmal der peinliche Entwurf der Koalition, der explizit von Körperverletzung spricht, diese aber legal stellen will) , wieso soll ich vor dieser auch noch Respekt haben?

Freie Religionsausübung findet ihre Grenzen spätestens an den allgemeinen Menschenrechten deren Teil sie ebenfalls ist.
Auch wenn eine Rangfolge gemeinhin bestritten wird, so erscheint es doch nicht beliebig, in welcher Reihenfolge die Artikel aufgestellt sind.
Wenn man die grundlegenden Rechte, quasi die Basis nicht achtet, fällt eben das ganze Gebäude zusammen.

Darüber sollte sich unsere Kanzlerin Gedanken machen, anstatt von angeblicher Intoleranz gegenüber Religionen - denn per se geht es ihr genau darum, Religion aus dem Lichtkegel berechtigter rationaler Kritik zu nehmen- zu fabulieren.

Intolerant ist eben nicht der, der sich für rationale Regeln einsetzt, sondern jener der Ausnahmen von allgemeingültigen Regeln für sich einfordert und das nur durch seine Einbildung legitimiert.

So muss wohl auch dieser Anlauf der Kanzlerin leider gesehen werden, als ein weiterer offensiver Versuch einen Baustein, zugunsten religiösen Tuns und gegen rationales Recht - als zukünftiger Richtlinie gesellschaftlichen Handelns in Deutschland- zu setzen.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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(*)Ich verlinke bis auf weiteres aufgrund des grotesken Leistungsschutzrechtsentwurfs nicht mehr auf Verlage, gebührenfinanzierte Auftritte werde ich weiterhin verlinken.
Genaueres kann man bei Thomas Knüwer nachlesen.

Trackback URL:
https://bloedbabbler.twoday.net/stories/respekt-wofuer/modTrackback

wvs - 27. Nov, 22:44

Es werden - und das ist das einzige Ziel solcher Ansprachen - Pflöcke für die im nächsten Jahr anstehenden Wahlen gesetzt. Der Inhalt ist so vage gehalten, daß es einen Hund jammert ....

Aber genau das macht es aus, daß jeder Wahlbürger sich in dem wiederfinden kann was die Frau sagt:
Die Wahrnehmung ist durch die Medien verzerrt, es wird in Schlagzeilen gedacht, nur noch in Schlagzeilen, alles weitere Denken wird lästig und bei Vielen reicht es sowieso nicht zu mehr.

Respekt ist heutzutage ein Fremdwort, sich durchzusetzen ohne Bedenken und Rücksichten ist die Parole - sie wird in vielen Bereichen als das Mittel zum Aufstieg verkauft und nur zu gern akzeptiert, weil das sooo einfacht ist .... Augen zu und wie ein Panzer voraus. Recht wird gebeugt, vor allem von denen, die Macht ausüben. Eher verwundert reibt sich der die Augen der es beobachtet. Ich denke manchmal:
Schlechter Film, gute Inszenierung!

Die 'Schafe' werden auch 2013 zur 'Schlachtbank' gehen ohne zu denken oder zu blöken.
Traurig.

bloedbabbler - 28. Nov, 14:26

Wahlkampfrhetorik hin oder her, ich denke hierbei geht es um mehr.
Das reiht sich ein in einen mittlerweile quasi Kanon, in dem beharrlich mehr Rechte für Religionen gegenüber Säkulärem eingefordert werden.
Es ist Teil einer (nicht nur) christlichen Reconquista, einem Angriff auf die Errungenschaften der Aufklärung und der weltlichen Gesetzgebung.
Auch, wenn es viele noch nicht bemerkt haben, so wird der Ton rauer, befinden wir uns inzwischen in einem Kampf mit überkommenem und bereits überwunden geglaubten Machtansprüchen.

Respekt wird heute viel eingefordert, gerne eben ohne sich solchen verdient zu haben. Gerade auch, weil es die eigene schwache Position billig aufwerten soll und Kritik abprallen zu lassen.
Rechtsbeugung sehe ich auch, bin allerdings oft nicht von der bewussten Absicht überzeugt, sondern vermute Handeln aus sogenannten Sachzwängen heraus, die -gerne auch alternativlos- angenommen werden.
Charaktermasken des Kapitals, Handlanger einzelner Kapitalfraktionen agieren und vertreten entsprechende Strukturen, deren Nutznießer sie hin und wieder auch sein können, aber nicht zwangsläufig sein müssen.

Wahlen ändern daran, zumindest solange wir über Schwarz-Gelb vs. Rot-Grün diskutieren garantiert nichts.
Es waren nicht umsonst Sozialdemokraten und Grüne die Deutschland wieder in Angriffskriege geführt haben und die die Sozialstaatlichkeit zerschlagen haben - entgegen ihrer eigenen sozialen Basis und Programmatik.
Willfährige Büttel des Kapitals und seiner vorherrschenden Fraktion, dem Finanzkapital.
Und das wäre sicherlich nicht entscheidend anders gekommen, wenn die Schwarz-Gelben ihre Finger am Ruder gehabt hätten. Eventuell hätte es etwas mehr Gegenwind von den siechenden Gewerkschaften gegeben, aber letztlich wäre der eingeschlagene Weg auch alternativlos gewesen.
Hurra, wir sind Exportweltmeister - auch wenn wir das mit unserem eigenen Geld erkauft haben, wie man jetzt überrascht feststellt.
Lohndrückerei im Innern, Exporte auf Kredit die dann nicht bedient werden können und vom deutschen Steuerzahler als Geisel beglichen werden müssen.
So ist man als Lohnempfänger mehrfach in den Po gefickt worden, weniger Lohn, weniger Sozialabgaben(->geringere Rentenansprüche), die Hauptsteuerlast und dann zusätzlich beglückt durch Abbau von Bibliotheken, Schwimmbädern und sozialen Einrichtungen vor Ort mangels Liquidität der Kommunen.
Und nein, das Geld ist nicht verbrannt worden, rate mal wer das nun stattdessen hat?

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