Alien
Es ist eine neuere Version von  AlienInsideTwoday  verfügbar!  Aktualisieren  Jetzt nicht!
© 2018-2023 NeonWilderness

Lebenswasser

Freitag, 4. April 2014

Bunnahabhain Darach Ùr

Bunnahabhain, eine weitere Destillerie die mit ihrem gälischen Namen einige Menschen vor ein Ausspracherätsel stellt, produziert den heute vorzustellenden Whisky.

Von Bunnahabhain habe ich bisher den 'neuen' 12 jährigen besprochen, heute folgt der Darach Ùr -was soviel wie neue Eiche bedeutet und was offenbar auch Konzept ist.
Bunnahabhain 'Darach Ùr' Flasche
Der Whisky reifte in neuen Fässern aus amerikanischer Weißeiche, also nicht Refill Ex-Bourbon, was augenblicklich ein neuer Nischentrend zu werden scheint.
Einige Destillerien werben inzwischen mit virgin oak Reifungen und einige davon konnte ich probieren.
Soll mir recht sein, lieber mehr davon, als zu viele lausige Sherryfässer.
Von Bunnahabhain habe ich augenblicklich noch den Cruach-Mhòna offen, eine rauchige Variante aus diesem Hause, dazu in Kürze mal ein paar Notizen.

Der Darach Ùr wurde mir lobend vom Herrn AausB empfohlen, der selbigen - allerdings ein deutlich früheres Batch davon- beim Herrn EausF verkosten durfte.
Also ließ ich mir eine Flasche davon mitbringen.
Sie stammt aus dem Batch No.6 und ich glaube sie fand Ende 2012 oder Anfang 2013 den Weg in mein Regal.

Der Bunnahabhain Darach Ùr kommt in einer gedrungenen, leicht dicklichen Papptube daher und beinhaltet eine dunkle 1 Liter Flasche im Bunna-Rum-Buddel-Style.
Der Whisky wird mit natural colour und un-chillfiltered mit sehr löblichen 46,3% Alkohol abgefüllt.
Man bekommt den Darach Ùr den Liter zwischen 43 und 47 Euro, meiner kostete damals knapp 35.
Inzwischen kostet er aber auch im befreundeten Ausland knapp 40 Euro.

Aus dem Glas bekommt man eine schöne, angenehme Nase geboten.
Fruchtig und frisch mit einem Geruch, der an ein cremiges Balsamico ohne den Essigtouch erinnert, sowie einem Schuss Heidekraut.
Überraschend stimmig mit dem Hang zu mehr-davon-haben-wollen.

Im Mund ist er leicht ölig, mit starkem Eicheneinfluss und honigsüßen Geschmacksanteilen.
Leider -und inzwischen glaube ich, dass das der Brennereicharakter ist, vorher hatte ich Sherryfässer im Verdacht- kommt dann eine volle Wagenladung dunkler, fauler und zermatschter Früchte, welche sich wonnig in Trockenpflaumensud mit Rosinenpampe wälzen, dazu.
Das muss man mögen, und mir ist da nicht wirklich oft danach.
Das schmeckt nicht schlecht, ähnlich wie auch beim Bunnahabhain 12 auch, aber mein Leib-und Magengeschmack wird das sicherlich nicht.

Im Abgang gibt es dann mehr von dieser dunklen Fruchtansammlung und es wird ein wenig bitter dazu.
Im Mund bleibt aber zwischen den massiven Matschfrüchten ein schönes malziges Einsprengsel, davon hätte ich gerne deutlicher mehr gehabt.

Mal sehen, eventuell hat Herr AausB auch noch ein paar Anmerkungen dazu, denn er war mit diesem Batch 6 im Vergleich zu seinem Ersteindruck -wenn ich es recht verstanden habe- nicht mehr ganz so zufrieden.


Wertung Single Malt
Bunnahabhain 'Darach Ùr'


Geschmack:
Fass3 bis Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile3

Fazit: Wie schon beim Bunnahabhain 12 überwiegen hier dunkle, faule Früchte den Geschmack, flankiert von durchaus wuchtigem, aber nie garstig bitterem Eicheneinfluss. Wer so etwas mag, der kann bedenkenlos zugreifen, denn für umgerechnet 30 Euro bekommt man den als Einstieg billiger, als den 12 Jahre gereiften. Nicht selbstverständlich in Zeiten der teuren NAS Abfüllungen.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Bowmore 15 'Mariner'

Nachdem ich gestern meine Eindrücke zum Starterwhisky Bowmore Legend dargestellt habe, geht es heute um einen 15 Jahre gereiften - wie es den Anschein hat nicht mehr erhältlichen - Bowmore, den 'Mariner'.

Ich hatte mich damit im befreundeten Ausland über die letzten Jahre (2011-2013) eingedeckt, der Preis dort war unschlagbar.
So kostete der Liter des 15 jährigen Bowmore dort lediglich gute 33 Euro.
Bowmore 15 'Mariner' Flasche
Meine letzte Flasche verschenkte ich allerdings zum großen runden Geburtstag letztes Jahr an die Frau IausF, bei der er nun -zwischen vielen anderen ungeöffneten Flaschen- ein Plätzchen gefunden hat.
Da die Flaschen bei mir auch meist schneller leer waren, als ich mich um ein Foto bemühen konnte oder wollte, stellte mir Frau IausF dankbarerweise eines der ihrigen Flasche zur Verfügung.
Meine Flaschen kamen noch in einer runden stabilen Papptube, der abgebildete ist bereits mit der rechteckigen Pappschachtel neueren Datums gesegnet.
Ob es einen Geschmacksunterschied zwischen den unterschiedlichen Abfüllungen gab oder gibt, weiß ich nicht, meine Notizen beziehen sich auf die Abfüllungen in der runden Dose.

Der Mariner beinhaltet sowohl Ex-Bourbonfass gereiften (Hauptanteil) sowie Sherryfass gereiften Whisky - an einer Stelle im Internet fand ich ein Mengenverhältnis von 70:30, wie weit das tatsächlich belastbar ist, kann ich nicht einschätzen.

In der Nase steht zuerst und stark der Rauch, der aber durch Süße weniger eindimensional wirkt, als man es sonst gerne mal findet. Das Aroma ist insgesamt eher trocken und wirkt leicht holzig mit einer ganz sachten maritimen Note.

Im Mund ist er sehr ansprechend mild mit süßem Honig, eingebettet in ein rauchig-torfiges Geschmackserlebnis.
Eine sanfte, holzig-trockene Note gibt ihm etwas mehr Tiefe, wobei er herrlich süffig ist.
Ich schreibe das ja öfter, aber der hier ist noch mal eine Klasse für sich, wenn es sowas bei Süffigkeit geben sollte, ein prachtvoller Spaßwhisky.

Sein Abgang ist warm mit süßklebrigem Rauch, der sich an der Zunge festkrallt und letztlich einer leichten Würzigkeit Raum gibt.

Einer meiner absoluten Favoriten von der Insel Islay, bei dem ich es bedauere ,dass sein Lebenszyklus offenbar beendet wurde.
Aber wie es den Anschein hat, setzt auch Bowmore inzwischen zunehmend auf den Trend hin zu alterslosen Abfüllungen, wenn man von den limited Editions mal absieht.
Immerhin scheint so wenigstens auch der Enigma zu Recht unter die Räder geraten zu sein, man sollte ja bei allem Negativen immer versuchen auch etwas Positives abzugewinnen.

Die wenigen Shops die den Mariner noch gelistet haben, wollen inzwischen dafür fast 60 Euro und da schwanke ich kurz ob ich denn bereit wäre soviel für einen 15 jährigen auszugeben - nö, wäre ich nicht!

Wertung Single Malt
Bowmore 15 'Mariner'


Geschmack:
Fass4 bis Fass5
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Ein echter Knaller aus dem Hause Bowmore lecker und gefährlich süffig. Mit dem richtigen Verhältnis Bourbon- zu Sherryfassanteil, dem man bei jedem Schluck anmerkt, dass er darin gereift ist und nicht nur darin nachgereift wurde. Wenn es ihn noch zu einen normalen Preis gäbe sicherlich ein absoluter Kauftipp.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Donnerstag, 3. April 2014

Bowmore Legend

Aus der Destillerie Bowmore von der Insel Islay stammt der heutige Whisky, den man als deren alterslosen Einsteiger betrachten könnte, wenn es nicht noch den Surf gäbe, der noch weniger kostet.
Den Surf, der ursprünglichem dem Travel Value zugedacht war und in meinen Augen und meinem Mund nicht so gut wegkam, sollte man imho überspringen, wenn man sich an einen alterslosen Bowmore herantrauen möchte.
Denn, der heutige Testkandidat ist bei ähnlichem Preis ein wesentlich angenehmerer fellow.
Ich habe bisher von Bowmore den Surf, den Legend, den 12 jährigen, den Enigma und den 15 jährigen Mariner getrunken und auch verkostet.
Der Enigma ist in meinen Augen ein sehr unsynchronisierter Whisky, Rauch und Sherry stehen sinnfrei nebeneinander, ergänzen sich nicht und harmonieren auch nicht miteinander.
Der zwölfjährige ist ein guter, süffiger und leckerer Bowmore, der sich zum Enigma ungefähr so verhält, wie der Legend zum Surf.
Der 15 jährige Mariner ist ein geiles Stöffchen, der machte einfach nur Spaß und ist sicherlich definitiv underrated in Murrays Whisky Bible.
Bowmore 'Legend' Flasche
Aber zurück zum Bowmore Legend.
In vielen, wenn nicht den meisten Onlineshops wird dem Bowmore Legend ein Sherryfass Symbol angeheftet, woher dieses Wissen kommt, entzieht sich mir.
Auf der Verpackung und auch bei Bowmore selbst ist die Rede von "a selection of the finest bourbon barrels", kein Wort von Sherryfässern weit und breit.
Ich behaupte mal: da ist kein Sherryfass dabei, die müssen schließlich die schlechten merkwürdigen Sherryfässer doch alle in den Enigma kippen. ;-)
Der Legend kommt in der typischen Bowmore Flasche die immer wirkt als verschlanke sie sich nach unten, ein wenig wie das ominöse Schulterarsch-Dreieck bei 'richtigen' Männern. :-D
Er steckt in einer relativ stabilen Pappschachtel, wurde mit 40% Alkohol und unter Zuhilfenahme einer Schippe voll E150a farblich für die Doofen angeglichen und per Kühlfilterung kaltgemacht.
Meine Flasche stammte aus 2013 und kostete um die 23 Euro, inzwischen bei den meisten Händlern um die 25.

In der Nase findet sich leichter Rauch und ein süßer Hauch irgendwas, durchaus angenehm.

Im Mund wirkt er zuerst leicht wässrig und sollte definitiv nicht noch durch Wasserzugabe 'aufgeschlossen' werden, zumindest nicht wenn man ihn danach noch trinken will.
Er ist sehr weich und mild, süßer Honig der sehr lecker das Maul feucht macht ergänzt sich harmonisch mit trockenem Rauch und einer sanften Würzigkeit.
Der Bowmore Legend ist überraschen gut ausbalanciert für einen vermutlich eher jungen Whisky.
Der Abgang ist dann warm, trocken mit Rauch, etwas Holzwürze und einem guten Anteil Süße. Leider pelzt die Zunge etwas auf, man sollte sich also zwischen zwei drams ein wenig Ruhe und einen guten Schluck blasenfreies Wasser gönnen.
Insgesamt verharrt der Legend eher lang bis er sich geschlagen gibt im Mundraum. Sehr gut!

Ich war und bin -beim aufgerufenen Preis- sehr angenehm überrascht vom Bowmore Legend.
Ein angenehm süffiger und wunderbar ausbalancierter, dabei nicht zu rauchiger Whisky aus den Trögen von Bowmore.
Die Flasche war, nur falls Herr Lo nachfragen sollte, ursprünglich voller und wird gewöhnlich auch so bei den Händlern feilgeboten. :-D
Da sie aber verdammt lecker war, neigte sie sich der Neige deutlich schneller zu als ich den Auslöser drücken konnte.

Wertung Single Malt
Bowmore 'Legend'


Geschmack:
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Ein sehr süffiger und überraschend gut harmonisierter Einsteigerwhisky aus dem Hause Bowmore. Hier bekommt man -wie auch beim 12 jährigen- durchaus was geboten für sein Geld, wenn man denn auf die bowmoreartige Mischung aus Süße und Rauch steht. Murray bezeichnet das ja gerne als "Fisherman's Friend cough sweet character", ganz so schlimm finde ich es nicht. :-D Aber wenn schon Hustenmittel, dann definitiv dieses.


Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Mittwoch, 12. März 2014

Port Charlotte 10 'Heavily Peated'

In der Winterzeit gibt es für mich - auf Whisky bezogen - kaum viel Schöneres, als eine gute, kräftige Schippe voll des rauchigen Whiskys.
Leider war dieser Winter ja eher deutlich zu warm , in Anlehnung an den Fernsehspielklassiker, er war "Der Winter, der ein Sommer war". Fast, naja, beinahe.
Wenn es draußen richtig knackig kalt ist, an den Scheiben der Frost nagt und die umliegenden Dächer und Straßen weiß glitzern, dann ist für mich die Zeit gekommen, solch einen Whisky aufzumachen.
Diese Sorte wärmt herrlich das Gemüt und lässt einen träumen von rauchiger Holzfeuerluft, knackiger Kälte und Schnee, also Kinder-und Jugendjahren des Blödbabblers.
Aber, in Ermangelung eines echten Winters geht es natürlich auch so, und- ich verspreche sicher nicht zu viel- Spaß macht es allemal.

Der Port Charlotte 10 Heavily Peated (PC 10 HP) fand sich im Frühsommer 2013 zu einem Preis von 34,50 für die 0,7 Liter Buddel bei mir ein und harrte dann brav im Regal, neben ein paar seiner Kumpels im Geiste, der Öffnung.
Inzwischen scheint er bei den meisten Händlern leider vergriffen zu sein, die, die ihn noch führen, wollen dafür inzwischen um die 42-44 Euro haben.

Port Charlotte 10 'Heavily Peated' Flasche
Port Charlotte war und ist(?) jene Marke in der Range von Bruichladdich, die sich mit den rauchigeren Whiskys dieser Destillerie befasste.
Ich vermute und hoffe mal, nach dem Verkauf an Rémy Cointreau wird es so bleiben, obwohl mir bei der Ausdünnung des Bruichladdich Sortiments noch nicht ganz klar ist, wohin die Reise gehen soll.

Der PC10 HP steckte in einer der üblichen, stabilen Bruichladdich Flaschen - umgeben von einer Blechrüstung - aus der Tube muffelte es, wenn auch weniger fies als normal bei Bruichladdich, deutlich nach Farbe. Für mich immer wieder ein echtes Ärgernis. :-/
Für die Frei- und Feingeister unter uns, hat die Marketingabteilung noch ein englischsprachiges(!) Hegelzitat aufgedruckt, das ich so -in prägnanter Kürze- in §318 der Philosophie des Rechts auf Deutsch nicht zuordnen kann.
To be independent of public opinion is the first formal condition of achieving anything great or rational whether in life or in science
Letztlich geht es dabei aber vermutlich mal wieder nur um die Bruichladdich Variante von "Auf dicke Hose machen" und der Hegelsche Zusatz in §318, genauer, jener Teil des Zusatzes, welcher lautet:Wer, was seine Zeit will und ausspricht, ihr sagt und vollbringt, ist der große Mann der Zeit. Er tut, was das Innere und Wesen der Zeit ist, verwirklicht sie,[..] schmückt das Selbstbild von Jim McEwan und seiner Rasselbande von ach so dollen Nonkonformisten. ;-)

Aber, es soll ja hier eher um den flüchtigen Geist in Form eines guten Tropfens gehen und weniger um Klein-Weltgeists Ausflüge in die Welt oder gar noch den Flügen der Eule der Minerva bei einbrechender Dämmerung gehen, deshalb lasse ich mal diesen Teil ruhen.
Und auch, wenn ich über den Marketingklimbim und das ehemalige stark ausufernde unübersichtliche Sortiment gerne und ausgiebig schimpfe, so machen sie doch fast durch die Bank guten Stoff in ihrer Destille, soviel ist sicher.

Der Port Charlotte ist ohne Farbpulver E150a, nicht kühlgefiltert und mit guten 46% Alkohol abgefüllt worden.

Der PC 10 HP macht im Glas eine gute Figur, er beglückt die Nase mit Vanille, Rauch und deutlichem Sherryeinfluss, sowie einer Spur Eukalyptus, wie ich finde (kann auch Menthol sein, da lasse ich gerne mit mir handeln. :-D).
Klasse Nase, aber der Rauch ist nicht von der kalten Art, wie ich sie gerne im Winter gehabt hätte, durch den Sherry ist es eher warmtönig zu nennen.

Im Mund macht sich sofort und zuerst der Sherryfasseinfluss bemerkbar, aber nicht so intensiv, das ich es nicht mögen würde. Nicht zuviel von faulen, matschigen und dunklen Früchte, dem rosafarbenen, unsichtbaren Einhorn sei Dank!
Etwas trocken und süß, dazu kommt ein deutlicher Rauchgeschmack, einer der Sorte "glimmender Holzspan", sowie um mein Glück noch abzurunden, auch noch teerartige Noten.
Wow, das schmeckt lecker, der Sherry ist nicht zu dominant, das wäre dann nicht mein Fall, sondern harmoniert sehr schön mit den rauchigen, hölzernen Geschmäckern.

Der Abgang ist dann einer der langen Art.
Dabei bleibt er trocken, holzig süß und teerig. Klasse.

Tjo, die Buddel war dann doch schneller leer, als ich das eingeplant hatte. Aber wenn es halt mal schmeckt, warum sollte man sich dann was anderes gönnen? Na? Eben!

Wertung Single Malt
Port Charlotte 10 'Heavily Peated'


Geschmack:
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Ein sehr leckerer, süßer und rauchiger Whisky von Bruichladdich, der leider -wie es den Anschein hat- in der neuen Vermarktungsstrategie nicht mehr seinen Platz hat. Das Los scheint er mit dem Laddie Ten zu teilen, einem ebenfalls überdurchschnittlich guten Tropfen dieser Destille, der zu einem guten Preis im Handel erhältlich war. Schade. Wer auf rauchigen Stoff steht und sich nicht von über 40 Euro für einen zehnjährigen Whisky abschrecken lässt, der sollte zugreifen bevor er ganz weg ist.


Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Dienstag, 11. März 2014

Georg Dickel 'Cascade Hollow'

Hin und wieder kommt es vor, das mir nur eine kleine Probe eines Whiskys vorliegt, dann schränke ich meine Einschätzung gerne ein, denn in der Vergangenheit zeigte sich: Whiskys können ihr Erscheinungsbild im Laufe einer (längeren) Zeit durchaus ändern.
Sei es, weil der eigene Geschmack just am Verkostungstag anders als gewöhnlich war, sei es, weil der Kontakt mit Luft sie ein wenig verändert, oder, oder, oder ...
Deshalb ist mein üblicher -über eine Flasche- gemittelter Eindruck, nach meiner Einschätzung, eine Spur verlässlicher, als es ein Kurzeindruck bei einem Sample, auch -wie in diesem Fall ein großes, 10cl Fläschchen -sein kann.
Das nur vorweg.

Der folgende Whisky ist eine Ausnahme der berühmten Regel, wonach ein Whisky, wenn er denn aus Irland oder den USA stammt mit einem kleinen e geadelt wird.
Obwohl es sich um einen Bourbon, genauer um einen Tennessee Whiskey handelt, schreibt sich der George Dickel Cascade Hollow Tennessee Sour Mash Whisky ohne jenes e.

Und, wer wissen möchte, was ich vom anderen Vertreter der Gattung "Tennessee Whiskey", dem Jack Daniels, bisher gehalten habe, der kann meine Tastingnotes zum Gentleman Jack und zum Single Barrel nachlesen, wem das zuviel Mühe macht, dem sei es verraten: nicht wirklich viel.

Dank der netten Spende der werten Frau IausF und des Herrn AausF gelangte ich in den Besitz besagter Probe, der Einfachheit halber bilde ich aber das Foto der Originalflasche ab, die mir Frau IausF selbstlos ablichtete.
Auch dafür mein Dank!

Georg Dickel 'Cascade Hollow' Flasche
Es handelt sich beim George Dickel Cascade Hollow um einen Bourbon, der 'nur' das Mindestalter gereift ist(wobei ich das auf dem Foto nicht erkennen kann, gewöhnlich steht es auf der Seite des Etiketts. Ich gehe jedoch davon aus, das er nur die 3 Jahre gereift ist, auf Flaschen bei Onlineversendern, die gleich ausschauen, sieht man das aged 3 years besser.)
Mithin ist der George Dickel Cascade Hollow der Einsteiger aus besagter Destillerie, auf der Webseite von Georg Dickel sind hingegen nur der Classic No. 8, der Superior No. 12, der Rye und der Barrel Select gelistet.

Wenn man ihn bei den üblichen Versendern findet, so kostet er für die 1 Liter Flasche zwischen 37 und 48 Euro, es gilt also: Augen auf, beim Bourbonkauf!. ;-)

In der Nase findet sich unverkennbar Vanille und eine schöne Fruchtnote.
Leckerer süßer Mais ist deutlich präsent.
Verächter einer klassischen Klebstoffnote kommen voll auf ihre Kosten; wer es lieber hat, wenn es aus dem Glas riecht wie Muttis Nagellackentferner, der muss woanders suchen gehen, denn damit kann der Cascade Hollow nicht dienen.
Insgesamt eine süffig-feine Nase die mir spontan Lust auf mehr davon macht.

Im Mund ist er deutlich trocken, warm mit mächtig süßer Vanille.
Dazu kommt eine kräftige Würze, aber er bleibt insgesamt deutlich weich und mild, selbst die Ms. hatte beim Probenippen nix zu maulen, was, bei Bourbon :-D, schon eine echte Ausnahme für sie ist.

Im Abgang bleibt er lecker süßlich, Vanille und Mais gehen eine schöne Verbindung ein. Als Nebeneffekt spart der Cascade Hollow einen Lippenpflegestift, denn er macht selbige leicht fettig. Ich ertappte mich dabei, öfters mit der Zunge über die Lippen zu fahren.

Was bleibt?

Das mir vorliegende Sample wurde an zwei unterschiedlichen Tagen verkostet und schmeckt mir sehr gut.
Ich mochte die schöne Süße im Kontrast zur Würzigkeit bei gleichzeitiger guter mild & mellow Attitüde.
Davon hätte ich gerne mal einen 100+ proof, denn -auch wenn die 40% durchaus ausreichten- würde ich gerne mal wissen, wieviel mild & mellow aus dem Alkohol und wieviel aus der Zusammensetzung stammen, und würde natürlich gerne auch selber ein wenig mit Wasserbeigaben spielen wollen.

Wertung Tennessee Whiskey
Georg Dickel 'Cascade Hollow'


Geschmack:
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile3

Fazit: Endlich kommt mal was wirklich Schönes und gut trinkbares aus Tennessee. Der Georg Dickel Cascade Hollow ist ein milder, wunderbar nach Mais und Vanille schmeckender, würziger Whisky der -wenn man ihn für 37 Euro pro Liter kauft- ein interessanter und sicher nicht überteuerter Whisky ist. Auch, wenn man sein junges Alter durchaus in die Berechnung miteinbeziehen muss. Preislich liegt er ungefähr somit beim ebenfalls sehr leckeren Buffalo Trace.


Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Dienstag, 25. Februar 2014

Tullibardine 1993 Vintage

Ich gesteh es, ich habe ein Faible für solche Destillerien, die nicht so im Fokus der meisten Whiskytrinker liegen, Brennereinen die quasi ungehypted daherkommen.
Die 'Schmuddelkinder' abseits des Scheinwerferlichts prasselnder Marketingstrategen.

Ich war entzückt, als ich den "Aged oak edition" aus dem Hause Tullibardine probierte und habe mir vorgenommen, deren Angebote in Zukunft öfter im Regal zu haben.
Hier geht es um einen Whisky der im Jahr 1993, also noch vor der vorübergehenden Schließung gebrannt wurde und der bis zu seiner Abfüllung im Jahr 2011, *denk', denk'* also 18 Jahre lang, reifen durfte.
Leider ist das Label und die Rückseite uninformativ in Bezug auf den Inhalt und wälzt sich lieber in Allgemeinplätzen zur Destillerie und dem verwendeten Wasser. Schade.
Tullibardine 1993 Vintage Flasche
Aber genug gejammert; die stabile Papptube ist von schlanker, eleganter Art in einem schönen marineblauen Farbton gehalten und mit schnörkeligen Schriftzügen auf dem Etikett passend beschriftet.
Meine Flasche wurde bei einem Wochenendtrip zu den Freunden im benachbarten Ausland für 25,79 Euro die 0,7 Liter Flasche eingepackt.
Bei den üblichen Verdächtigen im Internetbezug kostet sie in Deutschland um die 36-37 Euro, scheint aber gerade auszulaufen, was den Preis unter Umständen noch unschöner gestalten kann.
Wenn man allerdings überlegt, dass es sich um einen 18 Jahre alten Whisky handelt, dann ist der neben solchen 'Highlights' wie einem Loch Lomond 18 ein sehr günstiger volljähriger Schnaps.
Wie schon beim "Aged oak edition" steht das Motto der Destillerie:"fine, rare, smooth & mellow" nicht umsonst auf dem Label.

In der Nase sammelt sich ein sanftes Aroma, leichtes Hefearoma, süß und fruchtig geht es zur Sache und ein Schlag Karamell rundet das sehr leckere Geruchserlebnis ab.

Im Mund ist er zuerst ungewohnt würzig und trocken, hier machen sich die 18 Jahre im Fass bemerkbar.
Dabei ist er dennoch seidig und ein wenig fettig und hat den Knospen eine schöne Menge Vanille anzubieten.
Während die milde Süße noch im Mund steht, schiebt sich dann ein wenig Bitterkeit dazu.

Sein Abgang ist warm, ebenfalls sanft und süß wobei das leicht bittere Element im Rachen kleben bleibt.
Die Zunge pelzt ebenfalls ein wenig auf und der Gaumen wird trocken.
Etwas, was ich bei der weichen und seidigen Art nicht direkt erwartet hätte.
Aber die beschriebene Trockenheit, die Bitterkeit und das Aufpelzen sind nie wirklich störend, sondern machen den Genuss etwas breiter und tiefer.
Klingt komisch, ist komisch und dennoch wahr.
Insgesamt ist der Geschmack rund und sehr schön, der Tullibardine 1993 ist ein angenehmer leichter Begleiter der eleganten Art (wenn auch nicht so gentle wie Tomintoul) dem man anmerkt, dass er länger vom -eher nicht Firstfill- Fass seine Tannine saugen durfte.

Auch der zweite Whisky aus der Destillerie Tullibardine hat mich positiv überrascht.
Leckerer Stoff zu einem sehr guten Preis, was will man mehr?


Wertung Single Malt
Tullibardine 1993 Vintage


Geschmack:
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile5

Fazit: Ich gestehe es, ich bin ein Fan von Tullibardine. Der alte Vintage 1993 schmeckt mir lecker, genauso wie der deutlich jüngere 'neue' Stoff der in den "Aged oak" seinen Weg gefunden hat. Auf die Gefahr hin, das die raren Bestände sich mehr ausdünnen, ein klarer Kauftipp meinerseits.


Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Montag, 24. Februar 2014

Tullamore Dew 12

Heute mal wieder ein Whiskey aus dem schönen Irland, der etwas über der Standardrange von Paddy, Tullamore Dew oder Jameson steht, zumindest seines Alters wegen.
Ich bin ja ein Freund der leichten irischen Einsteiger, eine Flasche Paddy steht, auch weil die Ms. den gerne trinkt, immer im Regal und auch ein Jameson wird so mindestens eine Flasche pro Jahr mal nachgekauft.
Den gewöhnlichen Supermarkt Blend Tullamore Dew, den man, wenn es der Angebotsgott gut meint, durchaus mal für 9,99 bekommen kann - wichtige Grundlage für einen Irish Coffee und auch als Solodrink durchaus nicht schlecht- finde ich etwas schwächer als die beiden oben genannten, eine Spur aggressiver.
Dennoch gut trinkbar mit einem schönen Preis-Leistungsverhältnis.
Tullamore Dew 12 Flasche
Sein großer Bruder, der im Gegensatz dazu in der 1 Liter Flasche mit 3% mehr, mithin 43% Alkohol dargeboten wird, kostet schon einen guten Happen mehr.
Besonders dann, wenn man ihn nicht- wie ich im befreundeten Ausland- für schlappe 25 Euro, sondern für 35,90 oder gar knappe 43 ersteht, den Preisen der hiesigen Versender.
Und, ich verrate sicher nicht zu viel an dieser Stelle, wenn ich gestehe, diese Preise nicht angemessen zu finden - aber die Iren gehen meist ziemlich irre ab, preislich betrachtet, sobald ein Alter auf der Buddel angegeben wird.
Nun ziehen allgemein die Preise für Einsteigerflaschen inzwischen ja immer mehr an und wir finden immer mehr NAS Abfüllungen zu immer ambitionierteren Preisen, wie Oliver Klimke auf dramming.com gerade schön dargestellt hat.(1,2,3).
Aber heute soll es ja um den Geist in der Flasche gehen und nicht um Preisbildung und Marketing.

Der 12 jährige Tullamore Dew ist in der Nase leicht alkoholisch, süß mit einem Sherryeinschlag, dabei durchaus angenehm "potstillig" - insgesamt nicht unangenehm, aber auch nichts was mich vom Hocker gehauen hätte.

Im Mund spürt man zuerst eine intensive Trockenheit, Holzeinfluss und Vanille. Er brennt ein wenig, an der Lippe klebt Süße und eine leichte Fettigkeit legt sich schützend darauf.
Überraschend stark ist hier das würzige Element, wenn man es so nennen mag, das holzige und trockene, das so vordergründig den Ersteindruck abliefert und was danach sanft abgelöst wird von vanilliger Süße.

Der Abgang ist deutlich warm, immer noch vanillig und bittert dabei leicht auf.

Gaaanz ehrlich, ich finde den ganz billigen Tullamore Dew einen Deut besser und angenehmer zu trinken, wobei dort die Geschmacksrange allerdings meiner Erfahrung nach leider deutlich schwanken kann.
Eventuell tut sie das ja auch beim 12 jährigen, so dass es davon weichere und weniger intensiv-holzige Fassungen gibt. Wer weiß und who cares?
Meiner schmeckte stark danach, was zwar auf eine irgendwie pathologische Weise durchaus seinen Reiz hat, aber ihn eben nicht als easy-going dram qualifiziert, zumindest im Vergleich zu seinen jüngeren Brüdern und Halbgeschwistern.
Oder um es positiver zu formulieren, man merkt dem großen Bruder des NAS Tullamore Dew an, das er deutlich länger im Fass ruhen durfte.
Wer das gerne mag, der ist hier sicher besser aufgehoben als bei den sanft und süffig süßen, ob man dafür allerdings die oben genannten Preise zahlen will, muss jeder mit sich selbst abmachen.
Ich würde ihn mir dafür eher, nein, definitiv nicht holen, da ist die Konkurrenz einfach zu groß.
Für ähnliches Geld bekommt man einen 12 jährigen Redbreast mit 46%, einen Potstill Whiskey der deutlich mehr Spaß macht, zumindest mir.
Auch ein 12 jähriger Jameson, wenn man ihn denn noch findet, liegt mir deutlich näher.
Für die 25 Euro, für die ich ihn mir geholt habe, ungefähr die Kosten eines Jameson Crested Ten -der mir auch mehr behagte- geht es allerdings gerade noch.
Aber bitte nicht falsch verstehen, der Tullamore Dew 12 ist kein schlechter Whiskey, nur finde ich nichts, was seinen Preis in Deutschland rechtfertigt.
Kein Alleinstellungsmerkmal welches ihn mir besonders ans Herz legen würde um mich als sein Fürsprecher generieren zu können.
Sorry, ich habs‘ probiert, fast einen ganzen Liter lang, aber ich habe einfach nichts gefunden.

Wertung Blended Whiskey
Tullamore Dew 12


Geschmack:
Fass3
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile2

Fazit:Wer den 'Supermarkt' Tullamore Dew ohne Altersangabe kennt und wem der schmeckt, der kann -wenn er bereit ist das entsprechend schlechtere Preisleistungsverhältnis zu akzeptieren- hier eine holzigere und würzigere Form probieren. Mein Fall ist es aufgrund des Anschaffungspreises nicht, ich lege mein Geld lieber in einen der oben genannten irischen Blends oder gar Potstills an.


Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Samstag, 25. Januar 2014

BenRiach 12 'Arumaticus Fumosus'

Die Destillerie BenRiach ist -wie ich gerade feststelle- eben jene, von der ich am meisten Original-Abfüllungen hier herum stehen habe.
Neben dem heute vorzustellenden zwölfjährigen BenRiach mit dem schönen Beinamen 'Arumaticus Fumosus', sind das noch der Einsteiger-Single Malt 'Heart of the speyside', der ebenfalls zwölfjährige 'Importanticus Fumosus', der fünfzehnjährige 'Dark Rum' sowie der normale sechzehnjährige BenRiach.

Ich mag die Destillerie, denn sie gehört zu den wenigen schottischen Destillerien, die nicht (mehr) zu einem der großen Industriekonglomerate wie Diageo, Moët Hennessy Louis Vuitton oder Pernod Ricard gehört, sondern von einer kleinen Gruppe geführt wird.
Zu dieser Gruppe, der BenRiach Distillery Company Ltd. gehören inzwischen auch die Glendronach Destillerie (da warten im Regal noch der achtjährige 'Octarine' und der fünfzehnjährige 'Revival' ihrer Verkostung), sowie die wieder angefahrene und den ersten Whisky abliefernde Brennerei Glenglassaugh(da haben der Herr AausB und ich seinerzeit sowohl den "The Spirit Drink that blushes to speak its name", als auch seinen blassen Bruder im alkoholischen Geiste, den "The Spirit Drink that dare not speak its name" verkostet).

BenRiach hat, neben wenigen anderen Destillerien, seit 2012 wieder ein eigenes 'floor-malting', mälzt also wieder selbst - und zwar sowohl 'peated', als auch 'unpeated'.
BenRiach 12 'Arumaticus Fumosus' Flasche
Was mir jedoch bei den Single Malts zuerst ins Auge stach, war die ein wenig an "Schwanzus Longus"- Latein erinnernde Namensgebung bei einigen ihrer Erzeugnisse.
Hin und wieder kann mich ein Marketingkniff also doch erwischen, damned.

Der 'Arumaticus Fumosus' kommt in einer 0,7 Liter Flasche mit einer stabilen, grauen Pappdose daher und kostet -wenn man ihn bekommt- so um die 36-38 Euro.
Er wird mit 46% Alkohol, nicht kühlgefiltert und bei naturbelassener Farbe abgefüllt, sehr schön.
Nachdem der Whisky in amerikanischer Eiche (Ex-Bourbon) reifen durfte wurde er in einem Darkroom ... äh... in einem Dark Rum Fass gefinisht.
Ich bin ja kein so doller Freund vom finishen in anderen Fässer, denn meist habe ich das Gefühl, damit wird lediglich versucht einem eher (unter)durchschnittlichen Whisky durch (flüssige) Beigabe aus den Fasswänden noch etwas abzugewinnen. Oft schmeckt das dann auch so, als habe man ein paar Buddeln Sherry zur Aufheiterung ins Fass gekippt.
Aber das sind bloß meine Vorurteile, vermute ich mal, wenn man sieht, wie sehr sich die in Portwein, Weißwein, Sherry und Heringsfässern nachgereiften Whiskys auf dem Markt behaupten. Es scheint also eine Menge Abnehmer und folglich Liebhaber davon zu geben.

Aber zurück zum BenRiach 12 'Arumaticus Fumosus'.

In der Nase riecht er ein wenig modrig, irgendwie nach feuchtem, nassem Moos mit einer darüber liegenden süßlichen Note. Gewöhnungsbedürftig, aber -da ich den Geruch von feuchtem Waldboden mag- ein sehr willkommenes Aroma.
So etwas riecht man nicht oft bei einem Whisky, nicht die garstige Rauchigkeit Islays, nicht das kalte Lagerfeuer oder die glimmenden Kohlestücke und doch ist er irgendwie als rauchig zu bezeichnen.
In meinen Augen ein schöner Geruch für die Herbst- oder Winterzeit zum sanften Träumen an den wunderbaren Geruch eines moosigen Waldbodens nach einem Sommerregen. Seufz.

Im Mund schmeckt er harzig, nicht ganz so heftig wie die alten Retsina(bevor uns die EU die extrme Harzigkeit kaputt gemacht hat) aber dennoch deutlich in diese Richtung. Und da ist dann auch endlich eine rauchige Geschmacksnote, eingebunden in schöne Süße, durchaus auch ein wenig pfeffrig. Dann wird er sehr schnell trocken.
Ich hatte lange keinen Whisky im Glas, der so ein schönes Mundgefühl macht. Manche Whiskys, die man als mild und weich empfindet, haben oft eine etwas wässrige Note, dieser hier ist voll und weich und wunderbar. Hjam.

Im Abgang ist er nicht unangenehm warm, dabei deutlich trocken mit einer holzig-harzig-süßen Note, die lange anhält.

Wertung Single Malt
BenRiach 12 'Arumaticus Fumosus'

Geschmack:
Fass5
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Der BenRiach ist ein wunderbares Beispiel, für einen Whiskygeschmack jenseits der ausgetretenen Pfade von brachialem Rauch oder seidigem Speysider. Ein ganz eigener Geschmack, der, sofern man auf den erdig-moosigen und wäldlichen Charakter steht, eine klare Kaufempfehlung ist. Mir hat er die Vorfreude auf die nächsten latinisierten Produkte aus dem Hause BenRiach gemacht. Wunderbarus Schmeckus.


Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Freitag, 24. Januar 2014

Glenfiddich 15 'Solera'

Heute mal wieder ein Whisky aus der Destillerie Glenfiddich.

Diese Destillerie, die bei vielen, ob des Supermarkt Single Malts Glenfiddich 12, ein -zu Unrecht- schlechtes Image hat, ist zudem eine der wenigen Brennereien in Schottland, die in privater Hand ist.
Ich war bereits vom Glenfiddich 14 'Rich oak' sehr angetan, einem leckeren Whisky mit einem guten PLV, was will man mehr?

Und auch der 15 jährige der im -sonst eher im Rum&Sherry Bereich angesiedelten Solera Verfahren vermischt wird, ist ein günstiger Vertreter seiner Art.
Die am Glenfiddich 15 'Solera' beteiligten Whiskys stammen aus Sherry, Ex-Bourbon und neuen Eichenfässern.
Glenfiddich 15 'Solera' Flasche
Es gibt den Glenfiddich 15 'Solera' in 0,7 und 1 Liter Flaschen, wobei aus Kostengründen die 1 Liter Flasche zu favorisieren ist.
In der 0,7 er Ausgabe kostet er zwischen 33 und 39 Euro, der Liter ist ab 47-50 Euro zu haben.
Leider füllt Glenfiddich den 15 jährigen auch nur mit 40% Alkohol, kühlgefiltert und mit einer Schippe E150a zur gleichmäßigen Buntfärbung für die Doofen ab.
Hier ließe sich sicher noch ein wenig machen, mit zeitgemäßen 46% und echter natürlicher Farbe käme er vermutlich noch ein wenig höher im Geschmacksranking, andererseits macht vielleicht auch gerade dieses oldstylige einen Teil seines Charmes aus.
Meine Flasche stammte aus dem Wintergeschäft 2012, da gab es die bei einem örtlichen Supermarkt für 29,95 in der kleinen Flasche.
Erwähnt sei hier nur, im befreundeten Ausland gibts die 1 Liter Buddel für schlappe 33,99 - ein Angebot das man nicht ablehnen sollte, falls man vor Ort ist. ;-)
Aber genug von schnöden Zahlen und kalten Preisen, letztlich gehts bei unserem liebsten Hobby doch um das Produkt selbst.

Der Glenfiddich 15 'Solera' ist in der Nase frisch mit sanfter Zitrusnote, ebenso ein wenig fruchtig -Richtung Aprikose- und durchaus auch blumig.
Insgesamt eher leichte als schwere Aromen.
Und - hier habe ich ja bei Sherryfässern immer Angst, völlige Absenz von faulen, dunklen Früchten, wie (Trocken)Pflaume und zum Glück auch keine Spur Schwefel aus den garstigen Teufelsküchen Spaniens.

Im Mund ist er wunderbar seidig und seine Öligkeit umschmeichelt die Zunge, da brennt nichts und die Wärme ist nur leicht im Mundraum zu spüren.
Er hat eine tolle Malzigkeit und ist dabei angenehm süß, aber nicht übertrieben viel davon.
Für seine 15 Jahre hat er wenig würzigen und trocknen Holzeinfluss, gerade von 'neuen' Fässern hätte ich da mehr erwartet.
Aber die fast gänzliche Absenz dessen ist nicht schlimm, der Whisky schmeckt dadurch vermutlich gerade so weich, wobei er vermutlich andererseits etwas mehr Tiefe und ein wenig mehr Komplexität erhalten hätte.
Hier gefällt mir das Würzige beim 14 jährigen 'Rich oak' deutlich besser, dort schmeckt man das verwendete Holz, nahezu, ohne das es deswegen unangenehme Bitterkeit entwickeln würde.
Es geht also - etwas mehr beim 15 jährige könnte demgemäß nicht schaden, orakle ich mal.

Im Abgang pelzt der sanfte Drink dann überraschend die Zunge ein wenig auf, wird deutlich wärmer und entfaltet nochmal seine Süße, die aber relativ zügig verklingt.

Ein wunderbarer, nicht allzu fordernder Whisky, ohne Ecken und Kanten, der aber einfach das macht, was man sich hin und wieder auch wünscht: lecker schmecken und sehr süffig sein.
Wobei mir sein kleine Bruder, der Glenfiddich 14 'Rich oak' eine kleine Spur lieber ist, dieser besitzt durch seinen Holzeinfluss etwas mehr Wuchtigkeit(dennoch auf niedrigem Niveau) und kommt insgesamt noch stimmiger daher.
Trotzdem ist der 15 jährige ein weiterer Beweis, dass man bei Glenfiddich zu einem fairen PLV sehr guten Whisky bekommt, auch solchen, der schon eine geraume Zeit in Fässern gelagert ist.
Gleiches galt ja auch für den 18 jährigen, der aber inzwischen heftig im Preis angezogen hat und sich der 50 Euro Grenze mit großen Schritten nähert, wobei er die letzten Jahre -mit etwas Glück- noch für knapp unter 40 zu haben war.


Wertung Single Malt
Glenfiddich 15 'Solera'


Geschmack:
Fass4
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Wie bereits der Glenfiddich 14 'Rich oak' ist der Glenfiddich 15 'Solera' ein gutes Argument dafür, auch von vermeintlich 'unpopulären' Destillerien die Produkte zu verkosten. Der Solera ist ein wunderbar weicher und angenehm zu trinkender altmodischer Whisky. Wem der Fasseinfluss beim 'Rich oak' schon zu stark ist, der liegt hier goldrichtig, weniger würziges Fass, dafür seidiger, süßer Whisky.


Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad

Donnerstag, 16. Januar 2014

Greenore 8

Heute mal wieder ein Whiskey, jenseits der Welt der Single Malts, nämlich ein Single Grain Whiskey.
Wie man am e bei Whiskey erkennen kann, stammt der heutige Testkandidat aus Irland und wird -im Gegensatz zu einem Single Malt- nicht aus 100% Gerste, sondern aus einem Gemisch von Getreide gefertigt.
Grain Whisk(e)y ist, wie es Ian Buxton in seinem "101 Whiskies to try before you die" nannte: "Scotlands equivalent of the mad aunt in the attic who no one talks about".
Grain Whisky ist offenbar unsexy, denn der wird wie bspw. Wodka auf Säulendestillationsanlagen in großem Maßstab und mit hohem Alkoholgehalt gebrannt und ist der (billigere) Grundstoff für Blended Whiskys.
Dank der Säulendestillation entsteht ein sehr reines Produkt mit hohem Alkoholgehalt und einer gewissen Geschmacklosigkeit -im Vergleich zum Single Malt- da bspw. die Fuselöle als Geschmacksträger wegfallen.
Durch die fortlaufende Destillation, die billigeren Grundstoffe (Weizen, Mais und nur ein geringer Anteil Gerste(Malz) als Starterenzym) und die gewöhnlich kurze Lagerung in ausgelutschten Fässern wirkt das Endprodukt, im Vergleich zum in Handarbeit auf den stylishen Pot-Still-Kupferkesseln gebrannten, nur aus feinster Gerste bestehenden und mit Bergquellwasser von Feenwesen mundgeschöpft und danach Jahrzehnte in den besten Sherryfässern gereiften, Single Malts minderwertiger.
Soweit das cliché und die steingewordenen Ergebnisse der Propaganda der Single Malt Vermarkter.
Greenore 8 Flasche
Wie gut ein Single Grain Whiskey tatsächlich schmecken kann, wenn man ihm ein paar Jahre Zeit in einem guten Fass lässt, zeigt der heutige Testkandidat Greenore 8.
In einer sehr schönen Flasche mit 40% Alkohol und E150 abgefüllt, ohne Umverpackung aber mit Korken daherkommend, kostet der Greenore 8 um die 25 Euro pro 0,7 Liter und ist auch im befreundeten Ausland an der Tanke nicht deutlich billiger zu haben.
Laut Angabe von Cooley reift er 8 Jahre in Ex-Bourbon Fässern und wird aus -und da wird es komisch- „Maize, Corn“ hergestellt. Ich dachte Maize und Corn bezeichnen -trotz unterschiedlicher Wörter- genau das gleiche, nämlich Mais.
Das der Greenore ein reiner Maiswhiskey sein soll, halte ich hingegen für einen Fake.
Die Palette der Greenores reicht inzwischen über einen 6 jährigen, den heute hier vorgestellten 8 jährigen bis hin zu einem 18 und einem 19 jährigen. Der 15 jährige wird -zumindest bei Cooley- nicht mehr im Sortiment aufgeführt.

Nun, was bekommt man für sein Geld?

Die Nase wird umschmeichelt mit mandeligen Noten, wunderbarem, leichtem und süßem Karamellgeruch und ich meine auch einen Hauch Apfel zu erschnuffeln.
Eine sehr sanfte und leichte, fast schon elegante Nase, etwas woran man eine Zeit lang gerne schnuppert und sich so die Vorfreude auf den ersten Schluck potenziert.

Im Mund ist der Greenore dann sehr mild, Vanille und Karamell sind sofort da und der Geschmack ist sehr pot-stillig, wie jener Anteil im Red Breast der mir besonders gefällt.
Zusätzlich merkt man die 8 Jahre im Fass, eine schwache, unaufdringliche Holznote, sanft-würzig bildet einen schönen Kontrapunkt zur vordergründigen Süße.
Neben dem Holzeinfluss und der dominanten Süße finden sich aber auch fruchtige Elemente, die eine leichte Frische hereinbringen.

Im Abgang bizzelt der Greenore etwas, bleibt dabei aber schön (honig)süß, obwohl er letztlich dann für meinen Geschmack ein wenig zu stark nachbittert.
Schade, dieses Nachbittern hätte ruhig weniger sein dürfen oder ganz fort bleiben können.
Da hilft es nur möglichst schnell wieder einen Schluck zu trinken, denn der aufgefrischte Geschmack spült dann sofort diesen Anflug von unnützer Bitterkeit fort.

Inzwischen haben der Herr AausB und ich ein wenig für diesen Whiskey getrommelt und zumindest mir ist noch niemand dahergekommen, dem er nicht geschmeckt hat.
Durch die Süße und Leichtigkeit ist er gewöhnlich auch etwas für die Damenwelt, sowie den Herr AausF, der dem Whisky allgemein nicht sehr zugetan ist; nur die beste aller Mss. mochte ihn, um mich Lügen zu strafen, mal wieder nicht.
Dabei hätte ich da die eine Hälfte meines Arsches drauf verwettet.
Zu meinem Glück kam die Wette jedoch nicht zustande, was mir beim Sitzen heute deutlich angenehm ist. :-D

Wertung Single Grain
Greenore 8


Geschmack:
Fass4 bis Fass5
Preis-/Leistungsverhältnis:
Smile4

Fazit: Wer bisher über fiesen bitteren Grainanteil im Blended Whisky jammerte oder wer einfach mal etwas anderes, als einen Single Malt, probieren möchte, dem ist mit dem Greenore 8 sicherlich ein klarer Kauftipp anempfohlen. Ein leichter, süßer und wunderbar süffiger Whiskey, der bis auf die aufkommende Bitterkeit im Abgang ein rundherum bezauberndes Trinkgefühl beschert


Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt - 5 Wunderbar - 4 Lecker - 3 Gut - 2 Brauchbar - 1 Widerlich - 0 Fußbad